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Ulm

11.09.2014

Taxifahrer rüsten sich gegen die Konkurrenz aus dem Internet

Andrea Berger und Yetkiner Altuntov von der Ulmer Taxen-Zentrale setzen auf zusätzlichen Service im Kampf gegen die Konkurrenz aus dem Netz. Dazu zählt auch eine kostenlose App.
Bild: Alexander Kaya

Mit zusätzlichem Service und neuen Angeboten wollen die Taxifahrer neuen Unternehmen wie Uber & Co Paroli bieten. Dazu gehört auch eine eigene App.

Das Geschäft ist für die Ulmer Taxifahrer in den vergangenen Jahren deutlich härter geworden. Mit dem Universitätsklinikum Ulm ist ein Großkunde weggebrochen, als die Aufträge für Krankenfahrten und Materialtransporte an eine eigene Tochtergesellschaft vergeben wurden.

App soll vor allem zu Stoßzeiten für Zeitersparnis sorgen

Das Aus für Nokia war ein weiterer schmerzhafter Einschnitt, denn der Handyriese auf dem Oberen Eselsberg war ebenfalls ein wichtiger Kunde. Doch richtig Ungemach droht den hiesigen Taxifahrern in jüngster Zeit vor allem durch neue Dienste , die übers Internet Privatfahrer als Chauffeure vermitteln – auch wenn der größte dieser Anbieter, das US-Unternehmen Uber , erst in fünf Städten in Deutschland aktiv ist. Die Ulmer Taxifahrer wollen der Entwicklung nicht tatenlos zusehen. Sie haben eine eigene App entworfen – und sagen der privaten Konkurrenz den Kampf an.

„Unser Bestreben ist es, unseren Service zu verbessern und schlagkräftiger zu werden“, sagt Yetkiner Altuntov, der Aufsichtsratsvorsitzende der Taxen-Zentrale Ulm. In der Genossenschaft sind derzeit 70 Unternehmer mit etwa 250 Fahrern zusammengeschlossen. Sie finanzieren mit ihren Beiträgen die Zentrale in der Multscherstraße am Kuhberg und bekommen dafür Aufträge vermittelt. Die neue App soll vor allem zu Stoßzeiten wie am Wochenende, am Schwörmontag oder Silvester für eine Entlastung und Zeitersparnis sorgen. Ist die App mal auf dem Smartphone installiert, lässt sich mit zwei Klicks ein Taxi bestellen.

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Mit der kostenlosen App zum sicheren Taxi

Der Standort des Kunden wird dabei automatisch ermittelt. Man sieht auf einen Blick, wo welche Taxis in der Nähe sind und wie lange die Anfahrtszeit ist. Auch Vorbestellungen sind möglich. Die Aufträge werden automatisch in das Vermittlungssystem der Zentrale eingespeist. Mit der kostenlosen App habe jeder Kunde die Sicherheit, immer ein lizenziertes und der Genossenschaft angeschlossenes Taxi zu erhalten, erläutern Altuntov und Andrea Berger vom Vorstand der Genossenschaft.

Die Fahrer müssen eine Reihe von Auflagen erfüllen – von der Ortskenntnisprüfung, die sie bei den Bürgerdiensten ablegen müssen, über die offizielle Erlaubnis zur Fahrgastbeförderung und ein polizeiliches Führungszeugnis bis hin zum jährlichen TÜV für das Taxi und einer speziellen Versicherung. Diese Standards würden viele Hobbyfahrer, die von einigen der neuen Apps vermittelt werden, nicht erfüllen, beklagt die Genossenschaft. „Die müssen sich an die gleichen Spielregeln halten, dann möchte ich mal sehen, wie konkurrenzfähig die sind“, sagt Altuntov.

Taxifahrer als Tiefkühlpizza-Lieferant

Im Konkurrenzkampf mit neuen Anbietern sehen sich die Ulmer Taxifahrer gut aufgestellt. „Ich möchte Stammkunden, die sich wohlfühlen“, nennt Andrea Berger einen wichtigen Aspekt. Dazu soll vor allem zusätzlicher Service beitragen. „Wir holen Ihre Tiefkühlpizza. Wir bringen Ihre Schlüssel von A nach B. Wir holen Ihre Kinder von der Schule ab“, nennt Altuntov einige Beispiele.

Auch Stadtrundfahrten und Ausflüge zählen zu den Angeboten, mit denen sich die Genossenschaft zusätzliche Kundschaft erschließen will. Oder auch eine sogenannte „Pilotfahrt“ – wenn ein Kunde beispielsweise ein, zwei Gläser Wein getrunken hat, bringen die Fahrer nicht nur ihn, sondern auch sein Auto heim. Im Gegensatz zu den Privatchauffeuren hätten die Fahrer der Genossenschaft zudem eine Beförderungspflicht, betonen Berger und Altuntov. Die Zentrale sei rund um die Uhr besetzt.

Thema Mindestlohn sorgt für Diskussionen

Trotz des wachsenden Drucks und der zunehmenden Konkurrenz sagen die Taxiunternehmer: „Man kann davon leben.“ Das Thema Mindestlohn sorge derzeit allerdings für viele Diskussionen. Einige Unternehmer fragten sich, ob sie Fahrer entlassen sollen – oder die Preise erhöhen. Letzteres können sie allerdings nicht selber entscheiden, das muss der Gemeinderat.

In einem Punkt ist sich die Führung der Genossenschaft jedoch einig: Der Konkurrenzkampf, der jahrelang mit den Fahrern der Donau-Taxen auf bayerischer Seite geführt wurde, soll der Vergangenheit angehören: „Wir suchen den Dialog und werden einen freundschaftlichen Kurs mit den Neu-Ulmer führen“, kündigt Altuntov an. Den Kampf gegen Uber & Co nehmen die Genossenschaften lieber gemeinsam auf.

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