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Ulm

13.07.2020

Theater Ulm: Das Orchester kehrt auf die Bühne zurück

Elf Musiker ergeben auch schon ein kleines Orchester: Die Mitglieder der Ulmer Philharmoniker gaben am Samstag ihr erstes Konzert nach der Corona-Zwangspause. Am Ende regnete es Rosen für das Publikum.
Bild: Veronika Lintner

Plus Es ist nur eine kleine Streicherbesetzung, die das erste Orchester-Konzert seit der Corona-Pause am Theater Ulm bestreitet. Doch mit Werken von Dvorák und Telemann bieten die Musiker all das, was man so lange Zeit vermisst hat.

Wiedersehen macht Freude. Vor allem, wenn man sich seit Monaten nicht mehr begegnet ist, keinen Ton vom jeweils anderen gehört hat. Die Menschen, die sich am Samstag zum ersten Mal nach einer langen Corona-Pause wieder im Theater Ulm trafen, das waren die Zuschauer – und die Ulmer Philharmoniker. Das Publikum konnte beim „Zwischenspiel“, dem Sommer-Programm des Theaters, zwar schon Kammermusikkonzerte erleben – aber jetzt spielt zum ersten Mal wieder ein Orchester im Großen Haus. Und wie es spielt: eine Serenade, klein in der Form, aber groß und beherzt im Ausdruck. Das Orchester bietet an diesem Abend außerdem ein Wiedersehen mit zwei Meistern, Antonín Dvorák und Georg Philipp Telemann.

Eine „Serenade“ ist intim, ein romantisches Ständchen unterm Balkon der Geliebten, im Laternenschein der Nacht. Soweit das Klischee, so könnte man den Ursprung der Serenade beschreiben. Die Gattung tauchte im 17. Jahrhundert als Begriff in der Musikgeschichte auf. Bald mauserte sie sich zur feinen Unterhaltungs-Disziplin für Komponisten wie Mozart, Beethoven, Tschaikowski, Grieg – wenn die Herren sich nicht gerade Prestigeformaten wie Sinfonie oder Oper widmeten.

Theater Ulm: Neun Streicher nehmen auf der Bühne Platz

Wenn schon Serenade, klein und intim, dann gerne ohne Dirigent – neun Streicher nehmen auf der Bühne ihre Stehplätze ein und legen ihre Masken ab. Den Taktstock hält niemand, es führen die Cembalistin Eva Llorente Díaz und Konzertmeister Tamás Füzesi. Sie geben den Einsatz für den barocken Auftakt: Georg Philipp Telemanns Violinkonzert, G-Dur, TWV 51:G4. Eine veritable Aufgabe, diesen Theaterraum – mit Abstand zwischen Musikern und Lücken zwischen den wenigen Besuchern – zu füllen, mit Klangbreite und -nuancen. Die ersten Töne des Wiedersehens klingen dann auch etwas gezähmt in der Dynamik, in der Bandbreite zwischen piano und forte. Was dem Ensemble – und dem mehr als souveränen Solisten Eduard Sonderegger – aber umso mitreißender gelingt, ist das frühlingshafte, frische Tempo, der pochende Drang, immer weiter. Mit Schwung und Akzenten im Vivace und im Allegro arbeiten sie als stimmige Einheit die spritzigen, springenden Läufe heraus. Die Feinarbeit wird auch in den sensiblen Trio-Passagen hörbar, im solistischen Spiel zwischen Violine, Cello und dem Cembalo, das die Streicherklänge verziert.

Ein weiterer Streicher gesellt sich hinzu. Jetzt zu elft, präsentiert das Ensemble ein geliebtes Stück, einen romantischen Evergreen – zwar nicht für Liebesbekundungen unter Balkonen, aber auf Konzertbühnen: Antonín Dvoráks Streicherserenade, Opus 22. Dvorák kannte die Welt. Der Böhme erlebte in Amerika seine größten Erfolge, mit epochalen Sinfonien – Ruhm in der „Neuen Welt“ dank op. 95, „Aus der Neuen Welt“. Aber in Dvoráks Werk geht es auch eine Nummer kleiner. 1875, gerade als sein Weg zum Erfolg erst gemächlich begann, als junger, beachteter Staatsstipendiat, komponierte er seine Streicherserenade. Das Stück ist eine Perle der Gattung. Hoffnungsfrohes E-Dur – aber satt grundiert mit böhmischer Melodie und Melancholie, ein heimatverbundenes Werk eben, von einem überaus talentierten Metzgerssohn.

Am Ende regnet es fürs Publikum Rosen

Alles beginnt im Keim mit einem rhythmischen Puls, den die Bratschen tragen, gestützt von Kontrabass und Cello. Sehnsuchtsvoll setzt die böhmische Melodie im ersten Satz, Moderato, ein. Der Puls wird stärker und das Herz der Musik schwappt über, das Tempo folgt dem Gefühl, auch im sehnsuchtstriefenden Walzer der folgt. Der Reigen findet einen Ruhepol erst im Larghetto. Ausgebremst: Der weit gedehnte Spannungsbogen stößt da mit langem Atem fast an die Grenze seiner Tragfähigkeit. Doch die romantische Rührung und der Schwung, der schon bei Telemann aufblitzte, lodert dann im Finale, Allegro Vivace, noch einmal auf.

Wer sich lange nicht begegnet ist, schenkt beim Wiedersehen Blumen. Und am Ende regnet es für das Publikum tatsächlich Rosen. Der Intendant persönlich verteilt Blumen an die Musiker – dann fliegen die Sträußchen als Dank im hohen Bogen in die Zuschauerreihen. Der Applaus dauert an. Auch beim Finale des Zwischenspiels wird das Orchester spielen. Auf ein Wiederhören.

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