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Ulm

07.03.2019

Theater Ulm: Die Männer hinter den Kulissen

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3 Bilder
In seine Elemente zerlegt wirkt das Bühnenbild von „Der Vetter aus Dingsda“ gar nicht so spektakulär – zusammengebaut wird es von Bühnenmeister Hubert Knöpfle (rechtes Bild) und seinen Technikerkollegen.
Bild: Alexander Kaya

28 Techniker bauen im Theater Ulm jeden Tag die Bühnenbilder für die Proben und Vorstellungen auf und auch wieder ab. Sie selbst bleiben fast immer unsichtbar – und sind darüber ziemlich glücklich.

Langsam drängt die Zeit. Es ist schon fast 17 Uhr, und die Kulissen für „Der Vetter aus Dingsda“ stehen immer noch auf der rechten Seitenbühne im Großen Haus. Um 20 Uhr beginnt die Vorstellung, und wenn alles steht, müssen erst noch die Beleuchter ihren Job machen. Doch Hubert Knöpfle, seit 23 Jahren Bühnenmeister am Theater Ulm, bleibt cool. „Jeder weiß, was er zu tun hat“, erklärt er. Alles folge einem vorher festgelegten Plan. In höchstens eineinhalb Stunden seien die Techniker mit dem Aufbau fertig. Selbst bei einer Bühne, die sich so spektakulär verwandeln lässt.

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Bei der Operette „Der Vetter aus Dingsda“, die seit rund vier Wochen auf dem Ulmer Spielplan steht, zeigt sich die Arbeit der Techniker wie selten. Denn nach der Pause wird das verwinkelte, aber solide erscheinende Bühnenbild auseinandergezogen – und das Publikum sieht nicht nur die dunkle Hinterbühne, sondern auch die Rückseiten der Konstruktion. Ein Moment, der jedes Mal wieder spannend ist, sagt Knöpfle. Schließlich konnte er vor der Premiere nur bei den beiden Hauptproben und der Generalprobe getestet werden.

Was das Publikum nicht sieht, ist wie die Verwandlung vonstatten geht: Das große Mittelstück wird mechanisch von zwei Stahlseilen nach hinten bewegt, die vom Schnürboden kommen; die anderen beiden Teile ziehen die sieben eingeteilten Techniker eigenhändig weg. Mobil und auch wieder stabil werden die Elemente durch Polster über den Rollen, die mit Druckluft gefüllt werden können. Der Balkon oben links hat eine eigene Aufhängung: Zum Umbau wird er wenige Zentimeter angehoben, wenn der Rest weggezogen wurde, schwebt er knapp vier Meter über der Bühne – mitsamt der darin befindlichen Sängerin. Ein nicht ganz ungefährlicher Trick, wie Bühnenmeister Knöpfle zugibt. Deswegen hätten er und seine Kollegen selbst ausprobiert, ob diese „Gondel“ nicht zu wackelig ist. Die Techniker gaben ihr Okay. Und auch die Sängerinnen (die Rolle ist doppelt besetzt) hätten kein Problem damit gehabt.

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Der Platz im Theater Ulm ist beschränkt - das hat Konsequenzen

Damit solche Ideen des Bühnenbildners funktionieren, sitzt ein Vertreter der Technik schon beim Vorgespräch, Monate vor der Premiere, mit am Tisch. Zu klären gebe es da einiges, so Knöpfle, angefangen von der finanziellen Realisierbarkeit („wir sind nur ein Stadttheater“) bis hin zur Logistik. Denn auf der Hinter- und Nebenbühne ist der Platz beschränkt, Lagerflächen im Haus sind Mangelware. Wenn also manche Produktionen viel Platz belegen, müssen andere eventuell ein bisschen abspecken. Oder der Aufwand wird noch größer: „Wir müssen tagtäglich Sachen aus dem Magazin holen“, sagt der 55-Jährige. Da sind die Kulissen von „Der Vetter aus Dingsda“ vergleichsweise dankbar: Die Module lassen sich auf relativ wenig Platz zusammenschieben. „My Fair Lady“ steht hingegen fast komplett auf einem Bühnenwagen, es würde viel zu lange dauern, dieses immer wieder komplett auf- und abzubauen.

Die insgesamt 28 Techniker, die in zwei Schichten arbeiten, haben genug zu tun. „Wir sind die, die morgens das Licht einschalten“, berichtet Bühnenmeister Knöpfle. Der Tag beginnt damit, dass die Kulissen der Vorstellung am Vorabend fertig abgebaut wird – um 23 Uhr ist normalerweise Dienstschluss, was dann nicht erledigt ist, übernimmt die Frühschicht. Danach wird die Bühne für die Proben eingerichtet, um dann nachmittags wieder abgebaut zu werden. Und danach wird wieder für die und auf der Abendvorstellung gebuckelt.

Dabei sind die Techniker – Schreiner, Schlosser, Polsterer, Maler und (wie Knöpfle) Zimmerer – fast immer unsichtbar. Und das ist gut so, findet der Bühnenmeister. „Wenn wir auf die Bühne müssen, stimmt meistens irgendetwas nicht“, sagt Knöpfle und lacht. Dafür gibt es dann fast immer Szenenapplaus. Aber auf den können die Techniker verzichten – sie freuen sich auch über den normalen Beifall am Schluss. „Jeden Abend nehme ich ein Häppchen davon für unsere Leistung mit nach Hause“, sagt Knöpfle.

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