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05.10.2009

"Theater, das zu packen versteht"

Ulm Auch am Ulmer Akademietheater hat die neue Spielzeit begonnen und mit Tennessee Williams Klassiker "Glasmenagerie" einen qualitätsvollen Start in die neue Saison vorgelegt (NUZ berichtete). Doch nicht nur mit der bereits angelaufenen Inszenierung ist AdK-Leiter Ralf Reiner Reimann zufrieden.

Die derzeit unter Dr. Manfred Jahnkes Regie entstehende Umsetzung von Kleists "Penthesilea" überzeugte Reimann: "Es ist wohl noch nicht vorgekommen, dass ich den Darstellern nach einer Probe dankte", verrät Reimann. Die zugespitzte existenzielle Situation der Vorlage habe eine besonders glückliche Umsetzung erfahren. Kleists Druckfassung von 1808 wird in ihrer Dramatik durch die Beibehaltung der ursprünglichen Sprache in Kombination mit einer ganz heutigen Lebendigkeit zugespitzt.

Das Publikum, da ist sich Reimann sicher, wird auch diese Inszenierung, die kommende Woche Premiere feiert, schätzen: "Wir machen kein Mainstream-Theater, bei uns entstehen die Stücke als klassisches Darsteller-Theater. Wir bieten modernes, oft auch gewagtes oder experimentelles Theater - aber immer Theater, das zu packen versteht."

Das verspricht auch "Abduhenendas' mißratene Töchter", das derzeit unter Regisseur Klaus Nusser-Nussini entsteht und, der Vorlage des genialischen österreichischen Literatursonderlings Fritz von Herzmanovsky-Orlando folgend, eine Mischung aus geistreicher Satire, ätzendem Humor und royaler Nostalgie bietet: "Ein Schabernack". Ingegerd Monthans Märchenkomödie "Die Geschichte vom Baum" wird der großen Nachfrage wegen ebenso auf den Spielpan zurückkehren wie Shakespeares "Sturm", die Ulmer Paul Maar-Revue "Heute schon gegackert?" und Dan Goggins Nonnen-Musical "Non(n)sens".

"Theater, das zu packen versteht"

Mit Jean-Paul Sartres "Geschlossene Gesellschaft" bohrt man an der AdK schließlich das nächste dicke Brett - ein existenzialistisches Schwergewicht, das im Fanal "Die Hölle, das sind die anderen" gipfelt.

Das Erfolgsrezept der Akademie ist freilich auch die Lernsituation, die zwar bei der Qualität von Lehre und Spielbetrieb keine Abstriche zulässt, im Lernprozess aber auf offene Strukturen angelegt ist: "Den Geist des gemeinsamen Lernens, Wachsens und Forschens erhalten und fördern" will Reimann. Das erreicht er einmal durch den Spielbetrieb, der den Schülern Praxis auf allen Ebenen vermittelt.

Rund 100 Aufführungen in zweieinhalb Monaten - da sei vom Drama bis zur Groteske, von Komödie bis Musical, von Kindertheater bis szenischer Lesung alles geboten. Und das Publikum ist fein raus: Es profitiert von dieser kreativen Atmosphäre unmittelbar als Zuschauer.

Aber Reimann hat noch ein Ass im Ärmel: Als neuen Baustein im AdK-System der Vielfalt gibt es fortan den doppelstöckigen Theaterbus, gestiftet von der einstigen AdK-Absolventin Ursula Burkhard. Dieser Bus bietet eine ausziehbare Bühne, einen kleinen Gastronomiebereich und ein bespielbares Dach - ideal um damit das Osteuropa-Projekt der AdK um eine weitere Facette zu bereichern.

Mit Goldonis "Diener zweier Herren" wird man im Sommer 2010 - passend zum kommenden Donaufest - durch Deutschland, Österreich, Ungarn, Rumänien und Kroatien reisen. Die Besetzung rekrutiert sich aus Schauspielschülern aus diesen Gastländern. Auf der Rückreise wird der Bus schließlich in Ulm haltmachen. Dann wird das Akademietheater über einen regelrechten "Reichtum" an Bühnen verfügen; denn parallel soll in der kommenden Sommersaison wieder das Open-Air-Zelt am Unteren Kuhberg sowie das Stadtregal bespielt werden.

Inklusive Akademie und altem Theater verfügte die Theaterakademie zumindest temporär über fünf Spielorte. Gut für theaterhungriges Publikum, denn, so Reimann: "Investitionen in Menschen ist jeder Investition in Hardware vorzuziehen!"

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