Newsticker

Bundesregierung hebt Reisewarnung für europäische Länder auf
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Tierisch viel los in Beuren

Beuren

22.08.2019

Tierisch viel los in Beuren

Am Ortsausgang von Beuren in Richtung Pfaffenhofen geht es tierisch zu: Dort leben Alpakas. Von der Anhöhe haben die Tiere eine gute Aussicht auf das Dorf. Seit 1978 ist die ehemals selbstständige Gemeinde ein Ortsteil der Marktgemeinde Pfaffenhofen. Besonders der Sportverein genießt hohen Rückhalt bei den 680 Einwohnern – die Zahlen sprechen für sich: Der SV Beuren hat aktuell 670 Mitglieder.
Bild: Christoph Lotter

Plus Der Sportverein hat fast so viele Mitglieder wie das Dorf Einwohner. Vom Zusammenhalt profitieren sogar Menschen in Nepal

Exotische Menschen, atemberaubende Landschaften und dramatische Abenteuer hat Sigi Hupfauer erlebt. Von zahllosen Berggipfeln überall auf der Welt hat der 78-Jährige herabgeblickt, gehört gar zu den erfolgreichsten Bergsteigern Deutschlands. Und doch lebt der gebürtige Balmertshofer seit fast 52 Jahren in Beuren, weit weg von all den höchsten Gipfeln der Erde.

„Ich bin ein Beurener, hier ist meine Heimat“, sagt er. Der Ortsteil der Marktgemeinde Pfaffenhofen ist ihm und seiner Frau Gaby bis heute ein Ruhepol, an dem sie nach ihren anstrengenden Reisen Kraft tanken. Acht 8000er, elf 7000er, 65 6000er und 133 5000er hat Hupfauer schon bestiegen. Ganz aus dem Sinn sind die Berge auch in Beuren nie: Wenn Föhn ist, sehe man die Alpen, sagt Hupfauer. Er beschreibt seine Heimat als „ein ideal gelegenes Dorf zum Sprung in die Berge, mit einer super Dorfgemeinschaft, die speziell über den Sportverein zueinanderfindet“. Und von dem Zusammenhalt in der Gemeinde profitieren nicht nur die Beurener selbst. Mit dem Sportverein haben die Hupfauers ein Hilfsprojekt für Nepal am Laufen: Sportkleidung, Fußbälle und vieles mehr landen schon seit Jahren regelmäßig im Himalaya.

Der Pfaffenhofer Ortsteil Beuren hat 680 Einwohner.
38 Bilder
Tierisch was los in Beuren
Bild: Christoph Lotter

Wie groß der Zusammenhalt in Beuren ist, beweisen übrigens auch die nackten Zahlen: 670 Mitglieder hat der SV Beuren – eine imposante Zahl, schließlich hat das Dorf lediglich 680 Einwohner. Rein rechnerisch ist fast jeder Einwohner im Sportverein. Ganz so einfach sei das allerdings nicht, sagt der Vorsitzende Michael Klotz. Etwa ein Viertel der Mitglieder sei nicht direkt aus dem Ort. Trotzdem habe der Sportverein einen sehr hohen Stellenwert in Beuren. Und das liege nicht nur an der Fußballabteilung, denn die macht nur etwa die eine Hälfte der Mitgliederzahl aus. Die andere gehört der über die Ortsgrenzen hinaus beliebten Turnabteilung an. Beuren hat allerdings noch mehr zu bieten: Theatergruppe, Schützen, Feuerwehr und Musikkapelle sind aus dem Dorfleben nicht wegzudenken.

Tierisch viel los in Beuren

Gemeinsam angepackt werde im Ort derweil schon immer, berichten Johann Stetter, 85, und Josef Strehle, 84. Auf dem Tisch vor ihnen liegt eine Dorfchronik – vieles von dem, was dort geschrieben steht, haben die beiden miterlebt. Zum Beispiel die Eingliederung der Gemeinde in den Markt Pfaffenhofen im Jahr 1978. Stetter wurde in Beuren geboren und hat einen Hof, der schon seit mehr als 300 Jahren in Familienbesitz ist. Strehle kam 1964 als Lehrer. „Ein sehr liebenswertes Dorf, deshalb bin ich geblieben. Bereut habe ich das nie“, sagt er. Unterrichtet wurde in Beuren schon vor Strehle, nämlich ab 1754 – ein eigenes Schulhaus bauten die Einwohner aber erst 1835. Diese „alte Schule“ steht noch heute, unterrichtet wird dort schon lange nicht mehr. Genutzt wird das Gebäude nun unter anderem vom Musikverein. Denn die Schüler tummeln sich in einem neuen Schulgebäude, das 1996 gebaut wurde.

Der Kirchturm in Beuren hat 46 Zentimeter Schieflage

Vom großen Schulhof blicken die Kinder auf die Kirche St. Cosmas und Damian. Die stammt im Kern aus dem 15. Jahrhundert. Dass der Kirchturm schief ist, sieht man übrigens mit bloßem Auge. „Exakt 46 Zentimeter Schieflage hat der Turm“, berichtet Stetter, der 17 Jahre als Kirchenpfleger aktiv war. Der Untergrund sei wohl etwas abgesackt. „Aber der Turm ist stabil, da tut sich nichts mehr“, fügt er hinzu. Auf stabilem Grund steht das Beurener Amtsschloss der Buxheimer Beamten. Das wurde 1711 erbaut und 170 Jahre später zusammen mit dem verbliebenen Herrschaftsbesitz verkauft. Seither ist es in Privatbesitz. Genau wie die Beurener „Säge“, eine alte Mühle an der Biber, etwas außerhalb des Dorfes.

In der fast 250 Jahre alten Anlage wurde noch bis 1957 Holz verarbeitet. „Dort lebte früher ein richtiger Ideenmann, Wilhelm Rueß“, berichtet Stetter. Der habe im Jahr 1891 Feueranzünder aus Sägemehl und Harzen erfunden, die er bis nach Augsburg verkaufte. Auch eine Mischung aus Mehl und feinen Sägespänen, die die Unterseite von Broten vor dem Verbrennen schützte, habe sich Rueß damals patentieren lassen. Möglicherweise lässt sich in Beuren bald wieder ein gewisser Erfinderreichtum ausmachen. Dank eines Neubaugebietes mangelt es dort nicht an Nachwuchs.

Das könnte Sie auch interessieren:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren