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Ulm

19.01.2020

Till Brönner spielt mit seiner „Zwei-Mann-Band“ in der Pauluskirche

Till Brönner und Dieter Ilg sind ein vertrautes Duo, das trotz unterschiedlichem Spieltemperament perfekt harmoniert.
Foto: Stefan Kümmritz

Der Weltklasse-Trompeter jazzt mit dem Kontrabassisten Dieter Ilg in Ulm. Sie huldigen auf ihrer Nightfall-Tour Charlie Parker und spielen Songs der Beatles.

Eine lange Menschenschlange am Eingang zur Ulmer Pauluskirche. Es ist frostig an diesem Samstagabend. Aber jeder, der kann, will dabei sein, wenn Weltklasse-Trompeter Till Brönner und Top-Bassist Dieter Ilg dort im Rahmen ihrer Nightfall-Tour gemeinsam konzertieren. Die Erwartungen des Publikums sind hoch und werden von dem Duo – „Wir sind die kleinste Band, die diesen Namen verdient. Weniger als zwei Musiker ist keine Band“, so Brönner, der auch Qualitäten als Entertainer beweist – voll und ganz erfüllt. „Ich werde oft gefragt, ob ich nicht mal mit einem großen Orchester spielen möchte“, sagt der Meister an der Trompete, „das tue ich doch“ und hat die Lacher auf seiner Seite.

Seine "Nightfall-Tour" führt Till Brönner nach Ulm

Größe hängt nicht von der Anzahl der Musiker ab, sondern von deren Qualität. Und die ist bei Brönner und Ilg massig vorhanden. Der 48-jährige Till Brönner, auch Komponist, Professor für Jazztrompete und Fotograf, hat den Sprung in die Elite der weltbesten Trompeter schon vor Jahren geschafft. Und weil er so besonders spielt, wurde er 2016 vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama als Einziger aus dem deutschsprachigen Raum zum Internationalen Jazz Day der UNESCO ins Weiße Haus nach Washington eingeladen. Weitere Anerkennungen für seine Leistungen aufzuführen, würde den Rahmen dieses Berichts sprengen. Dieter Ilg gehört zu den einflussreichsten und versiertesten Bassisten nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Nicht umsonst hat er bereits drei Echo-Jazztrophäen eingeheimst.

In der voll besetzten Pauluskirche zeigt das Duo einen wunderbaren Spagat zwischen klassischen Jazznummern, zum Beispiel von Charlie Parker, über eigene Nummern aus ihren drei gemeinsam eingespielten Alben bis hin zu Stücken aus dem Great American Songbook. Sogar Songs der Black Eyed Peas und der Beatles („Eleonor Rigby“), arrangieren sie auf eigene Art. Till Brönner scheint dabei völlig in sich zu ruhen und trotzdem sein Instrument in Schwung zu halten. Dieter Ilg ist beim Musizieren der Lebendigere. Er bearbeitet seinen Bass regelrecht, wenn er gleichermaßen hemmungslos und beseelt drauf los zupft, er verrenkt sich gelegentlich dabei, er und sein Instrument verschmelzen fast ineinander.

Dieter Ilg spielt mitreißende Soli, Till Brönner antwortet mit sanftem Klang

Nur bei ruhigeren Stücken greift Ilg einmal zum Bogen und streicht fast zärtlich die Saiten. Sonst verliert er sich immer wieder in mitreißenden Soli, die Till Brönner dann sanft mit einsetzenden Trompetentönen zu einem Ende bringt. Er gibt den Ton an, scheint seinem kongenialen Partner am Bass Fragen zu stellen, die dieser lebhaft beantwortet. Es entwickelt sich eine Art Zwiegespräch zwischen den beiden, in dem jeder mit außergewöhnlichen musikalischen Argumenten und Impulsen aufwartet. Dabei benutzen sie stilsicher jedes zur Verfügung stehende Ausdrucksmittel.

Brönner, in Viersen geboren und heute in Berlin sowie Los Angeles lebend, erzählt kleine Anekdoten und spielt große musikalische Geschichten. Der Freiburger Dieter Ilg baut sie aus oder untermalt sie mitunter mit gleichmäßigen tiefen Tönen, die einem Gemurmel im Hintergrund ähneln. Brönner und Ilg sind Individualisten, die eine sehr ähnliche Vorstellung von Klanggebilden haben und sich somit hervorragend ergänzen. Dabei erweckt der Trompeter den Eindruck, als erfände er sich und sein Instrument bei jedem Ton ganz neu. Daraus entsteht eine ungeheure Spannung, die Ilg oft genug mit Schlägen auf die Saiten oder den Klangkörper seines Instruments zum Höhepunkt treibt.

Zwiegespräche zwischen Brönner und Ilg, Trompete und Bass

Besonders markant wird die Kommunikation der beiden Musiker bei „Wetterstein“ von der aktuellen CD „Nightfall“, wobei die Inspiration, so Brönner, eines Abends vom Farbenspiel an dem Gebirge kam. An der Wand in der Pauluskirche riesige Schatten der beiden Musiker, im Hintergrund Jesus am Kreuz, dazu gespenstisch wirkende Musik, so spannend, dass sie die Titelmelodie in einem Thriller sein könnte. Dann schrillen Trompetentöne durch den Raum, die von schreienden Vögeln stammen könnten. Langsam verstummen die Instrumente, langsam schwindet das Licht, bis es vollkommen dunkel ist. Eine grandiose Inszenierung. Frenetischer Beifall, dann die Zugabe wie eine Gute-Nacht-Musik: „Ach bleib mit Deiner Gnade“, ein geistliches Lied aus dem Jahr 1627, dem Rahmen entsprechend ein ruhiger, passender Abschluss eines Konzerts der Extraklasse, was vom Publikum gebührend gewürdigt wurde.

Lesen Sie dazu auch: Mit Jazz und Volldampf starten die "Black Hat Stompers" ins neue Jahr

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