Beim Hängen des ersten Teils der Jubiläumsausstellung zum 100. Geburtstag der Ulmer Künstlergilde wurde in den vergangenen Tagen einiges an Staub aufgewirbelt: Die Sammlung von 40 Werken aus Privatbesitz reicht bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts zurück, bis in die Zeit vor der Gründung der Künstlergilde. So verschiedenartig die Kunst ist, die im Rahmen der Ausstellung in der Donaustraße gezeigt wird – die Werke eint ein Umstand: Alle stammen aus den Händen von Mitgliedern der Künstlergilde. Arbeiten von Ulmer Künstlern wie Alfred Unseld, Wilhelm Luib, Ludwig Ade und Martin Scheible sind darunter, deren Werke aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer wieder auch auf Antik-Märkten zu finden sind.
Für den Ankauf solcher Werke hat die Künstlergilde weder die finanziellen Mittel noch den Platz, bedauert deren Vorsitzender Raimund Schneider. Die Sammlung aus Privatbesitz, deren Eigentümerin ungenannt bleiben will, umfasst jedoch ein breites Spektrum verschiedener Stile. Auch der Einfluss aus dem Umfeld des „Blauen Reiters“ als Wegbereiter der Moderne ist spürbar, gehörte zur Künstlergilde doch auch die „Ulmer Schule“ der Neuzeit, 1922 als Oberstufe unter ihrem Direktor, dem zuvor in Berlin tätigen Kunstprofessor Karl Schäfer, der städtischen Ulmer Gewerbeschule angegliedert. Schäfer, der mit dem „Bauhaus“ sympathisierte, pflegte Freundschaften mit namhaften Künstlern seiner Zeit wie Wassily Kandinsky.
Die Künstlergilde entstand im Auftrag der Stadt Ulm
Aber zurück zu den Anfängen: Die Künstlergilde entstand nicht aus sich selbst heraus, sondern im Auftrag der Stadt, um die bildenden Künstler aller Sparten in Ulm zusammenzuschließen. Dass das Interesse in der Stadt an Kunst lebhaft war und auch unter den Industriellen und Mäzenen in Ulm auf reges Interesse stieß, lag am „Grimmelfinger Kreis“ um den kunstbeflissenen Pfarrer Friedrich Losch, der – unabhängig von der Religion – Künstler um sich scharte. Bei der Gründung der Künstlergilde im Gasthof „Baumstark“ am 23. Juli 1919 waren unter den 52 Gründungsmitgliedern nicht nur Karl Schäfer, der zum Ersten Vorsitzenden gewählt wurde, Martin Scheible als Vertreter der Bildhauer und der jüdische Maler Ludwig Moos als Vertreter der Maler, sondern zudem namhafte Künstler und Architekten wie Theodor Veil (der später die Martin-Luther-Kirche bauen sollte), der Hochschullehrer Karl Krauß, der Maler Otto Schäffenacker, der Kunstgewerbehändler Julius Mößner und Regierungsbaumeister Alfred Unseld. Wilhelm Geyer, Hans Gassebner, Kurt Fried, Richard Liebermann und andere kamen hinzu.
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Während der NS-Zeit wurde die Künstlergilde aufgelöst und am 30. Oktober 1947 mit ihrem neuen Vorsitzenden Wilhelm Geyer im Lokal „Forelle“ im Fischerviertel wiedergegründet. Doch schon bald nach der ersten Ausstellung Ende November 1947 begannen jene Streitereien unter Mitgliedern, die letztlich zum Bruch und zur Gründung der Gesellschaft 1950 (wir berichteten) führten. Um verschiedene Kunstauffassungen ging es dabei vor allem, aber auch um Verhalten während der NS-Zeit, um das Empfinden von Juroren benachteiligt zu werden, und um Förderung durch die Stadt und das Ulmer Museum.
Ein Foto im Buch zeigt den Gründer bei einem Aktzeichenkurs
Ein Buch von Markus Fenkl, herausgegeben von der Künstlergilde, erzählt die Geschichte der Künstlervereinigung, Geschichten und Legenden um sie herum. Einfach zu recherchieren waren die Anfänge nicht, sind doch Dokumente im Lauf vor allem der 80er-Jahre verloren gegangen, erzählt Raimund Schneider. Doch vieles wurde zusammengetragen – so ein Selbstporträt von Ludwig Moos aus dem Gästebuch des Hotels Bäumle aus dem Jahr 1932 oder eine historische Fotografie aus dem Jahr 1928, die Schäfer und seine Schüler beim Aktzeichnen mit nacktem Modell, irgendwo in Ulm im Freien, zeigt.
Der erste Teil der Jubiläumsausstellung, der mit einer Vernissage am Sonntag, 30. Juni, um 11 Uhr eröffnet wird und die dann bis zum 14. Juli zu sehen ist, startet die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag der Künstlergilde. Teil zwei der Schau mit Werken von Künstlergilde-Mitgliedern aus dem Bestand des Museums Ulm beginnt am 21. Juli. Der auf hochwertigem Papier gedruckte und attraktiv gestaltete Jubiläumsband „100 Jahre Künstlergilde“ mit Porträts früher und aktueller Mitglieder der Künstlergilde und mit Fotografien ihrer Werke kostet bis zum 3. Juli für Nicht-Mitglieder 35 Euro, danach 40 Euro.
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