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Ulm/Elchingen
14.09.2021

Bosch Rexroth: In Ulm hat die Zukunft der Fabriken bereits begonnen

Die Modellfabrik ist fester Bestandteil des 20-Millionen-Euro-Kunden- und Innovationszentrums: Auf rund 500 Quadratmetern demonstriert Bosch Rexroth die Potenziale einer modularen und hoch digitalisierten Fertigung.
Foto: Alexander Kaya

Dass eine Firma wie Bosch Rexroth derzeit Millionen investiert, ist ungewöhnlich. Noch ungewöhnlicher ist es, wenn dies in Ulm - abseits der Zentrale - passiert.

Wer eine mögliche Zukunft der industriellen Produktion erleben will, der sollte das Kunden- und Innovationszentrum auf dem Eselsberg in Ulm besuchen. Allein der superscharfe ("4-K") Bildschirm in der "Fabrik der Zukunft" der Firma Bosch Rexroth ist 15 Meter lang und vier Meter hoch. Darauf ist dann die digitale Erweiterung der Show-Fabrik zu sehen, die vor der LED-Wand ganz in echt funktioniert.

"Fabrik der Zukunft" steht in Ulm

In der "Fabrik der Zukunft" versucht Rexroth zu zeigen, was nach den "hart verketteten", also extrem unflexiblen, Produktionsstätten der Gegenwart kommt. In der Modellfabrik sind nur die Wände, Decken und der Boden starr, wie es Rolf Najork, Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender bei Bosch Rexroth ausdrückt. "Die Speerspitze der Innovation ist jetzt in Ulm." In Ulm seien jetzt nicht nur einzelne Anlagen der "Industrie 4.0" zu sehen, sondern der ganze komplexe Produktionsprozess einer Fabrik. Bei derartigen super-modernen Anlagen gehe es nicht darum, die standardisierte Produktion von Losgrößen in Millionenhöhe zu revolutionieren. Vielmehr geht es um maximale Individualisierung, die auch eine geringe Stückzahl-Fertigung in Fabriken möglich macht.

Der Freibereich wird auch "Männerspielplatz" genannt: Dort können elektrisch betriebene Maschinen getestet werden. Dieser liegt allerdings nicht hier, sondern im TechPark hinter dem Gebäude.
Foto: Alexander Kaya

Ulm ist für Bosch Rexroth ein wichtiger Standort

Auf rund 500 Quadratmetern demonstriert Bosch Rexroth die Potenziale einer "modularen und hoch digitalisierten" Fertigung. Es ist gleißend hell, selbst der Fußboden blinkt. Polierte Roboter, eine LED-Wand und unzählige Bildschirme dominieren den Eindruck. Im mit Holz aus dem Schwarzwald verkleideten Neubau kommen auf einem intelligenten Boden beispielsweise autonome Transportsysteme für die Intralogistik, selbst lernende Roboter zur Kommissionierung, oder auch automatische Produktionsassistenten mit einer sensorgestützten, virtuellen Schutzfunktion zum Einsatz.

Das Ganze lässt sich auch aus luftiger Höhe von einem Balkon innerhalb der Halle beobachten. Rexroth eröffne Fabrikbetreibern neue Perspektiven. Najork: "Ulm ist für uns ein enorm wichtiger Standort." Viel früher als es mit Prototypen möglich ist, wolle Bosch Rexroth im neuen Innovationszentrum herausfinden, was die Kunden wirklich wollen. Neben der Fabrikautomation konzentriert sich Bosch Rexroth in Ulm auf die Elektrifizierung mobiler Arbeitsmaschinen wie Radlader oder Bagger. Eingesetzt werden sie beispielsweise in der Land- und Forstwirtschaft, auf Baustellen oder beim Güterumschlag in Häfen. Rexroth bewegt auch in ganz großem Stil: Etwa, wenn Ölbohrplattformen angehoben werden müssen.

Das neue Innovationszentrum von Bosch Rexroth in Ulm ist offiziell eröffnet worden. So sieht es in der Modellfabrik aus.
58 Bilder
Bosch Rexroth eröffnet Innovationszentrum in Ulm
Foto: Alexander Kaya

Dafür wurden in den Standort Ulm seit 2019 20 Millionen Euro investiert. Standortleiter Thomas Fechner spricht von "chinesischer Geschwindigkeit", mit der Bosch Rexroth in Ulm habe operieren können. Ulm habe sich gegen mehrere Mitbewerber um die Ansiedlung durchgesetzt. Doch Ulm mit seiner Projektentwicklungsgesellschaft PEG habe sich als "schneller, agiler und flexibler" als andere Städte herausgestellt, wie es Najork ausdrückt. Zudem liege Ulm geografisch günstig an zwei Autobahnen und die kommende schnelle Schienen-Anbindung an Stuttgart mit der Neubaustrecke sei ein zusätzlicher Vorteil.

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200 Beschäftigte in Ulm, 2260 in Elchingen

200 Menschen haben nach den Worten des Standortleiters Fechner derzeit ihren Arbeitsplatz bei Rexroth in Ulm. Im kommenden Jahr sollen es 250 sein. Nahezu alle Arbeitsplätze haben einen Bezug zu Elektrifizierung, Digitalisierung und Software. Platz biete der Standort für 400 Menschen. Das liege an einer neuen Arbeitsform, die in Ulm gelebt werde: Alles ist hier auf Co-Working ausgelegt. Experten aus unterschiedlichen Geschäftsfeldern wie der Mobilhydraulik oder der elektrischen Antriebstechnik arbeiten in funktionsübergreifenden Teams mit Kunden zusammen. Zu erkennen an zahlreichen Sitzecken, Sofas und Bars mit Kaffeetheke. Auch die Zusammenarbeit mit Start-ups innerhalb der Bosch-Gruppe und im Großraum Ulm soll intensiviert werden. Das Ziel: mehr Innovationen in kürzerer Zeit entwickeln. Dabei will Rexroth von der Wissenschaftsstadt profitieren, die ebenfalls ein Argument für die Standortwahl gewesen sei. Marc Wucherer, Mitglied des Vorstands bei Bosch Rexroth, mit Verantwortung für Vertrieb, spricht von "guter Gesellschaft mit anderen innovationsfreudigen Unternehmen" und der Entstehung von "Innovationscluster".

Zum Kunden- und Innovationszentrum mit mehr als 8500 Quadratmetern Gebäudefläche gehört auch der "TechPark", ein rund 10.000 Quadratmeter großes Außengelände mit Werkstätten, Parkplätzen und einer Versuchsfläche für elektrisch angetriebene mobile Arbeitsmaschinen. Firmenintern der "Männerspielplatz" genannt. Hier lässt sich nach Herzenslust baggern - wenn man eine ernsthafte Kaufabsicht belegt. Zudem finden hier Messen statt - wie dieser Tage eine für den Standort Elchingen relevante zum Thema Mobil-Hydraulik - aber womöglich im kommenden Jahr auch Konzerte unter freiem Himmel. Ulm bleibt dennoch im Vergleich zum Nachbarstandort eine vergleichsweise kleine Nummer, zumindest, was die Köpfe angeht: Am Standort Elchingen entwickelt, produziert und vertreibt Rexroth mit 2260 Beschäftigten Axialkolbenmaschinen und Mobilelektronik.

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