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Ulm: So kämpft der Ulmer Ex-Kommissar Manfred Paulus gegen Sexsklaverei

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So kämpft der Ulmer Ex-Kommissar Manfred Paulus gegen Sexsklaverei

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    Prostitution ist in Deutschland legal. Das zieht die organisierte Kriminalität an, kritisiert Ex-Polizist Manfred Paulus.
    Prostitution ist in Deutschland legal. Das zieht die organisierte Kriminalität an, kritisiert Ex-Polizist Manfred Paulus. Foto: Andreas Arnold, dpa (Symbolfoto)

    Manfred Paulus denkt an seine Enkel. "Sie sollten eine Zukunft haben, die einigermaßen lebenswert ist", sagt er. Damit das so kommt, kämpft der Blausteiner seit vier Jahrzehnten gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel - und damit auch gegen den Einfluss organisierter Kriminalität in Deutschland. Für sein Engagement wird der Erste Kriminalhauptkommissar a. D. nun mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Es ist ein Engagement, das auch nach dem Ruhestand weiterging. Nur anders als zuvor.

    Ende der 1980er Jahre wurden drei Thailänderinnen, die halbnackt oder nackt in einer Ulmer Bar tanzten, in einer Waldhütte mehrfach vergewaltigt. Manfred Paulus, bei der Ulmer Polizei schon seit 1970 für die Bekämpfung von Sexualkriminalität zuständig, verfolgte die Menschenhändler bis nach Thailand. Die internationale Menschenrechtsorganisation Solwodi, die Opfer von Menschenhandel, Zwangsprostitution und Beziehungsgewalt berät und betreut, bezeichnet den Blausteiner sogar als den ersten deutschen Kriminalkommissar, der das tat. Ob er nun der erste war oder nur einer der ersten: So ausdauernd wie der heute 77 Jahre alte Mann ist mutmaßlich keiner.

    Ex-Polizist Manfred Paulus kämpft auch im Ruhestand gegen Sexsklaverei

    Seit 2003 ist Manfred Paulus im Ruhestand. Und wäre da nicht die Corona-Pandemie, er wäre in diesem und im vergangenen Frühjahr wieder nach Osteuropa gefahren. Er hätte Schulen und Berufsschulen besucht. Und er hätte eindringlich gewarnt vor der Illusion, dass junge Frauen in Deutschland schnell und leicht gutes Geld verdienen können. So bald es geht, will Paulus weitermachen. In Rumänien, in der Republik Moldau, vielleicht auch in Bulgarien.

    Manfred Paulus, Erster Kriminalhauptkomissar a.D. aus Blaustein.
    Manfred Paulus, Erster Kriminalhauptkomissar a.D. aus Blaustein. Foto: Sammlung Paulus

    Paulus sagt: "Wenn man Unrecht erkennt, dann muss man dagegen ankämpfen. Und ich erkenne es einfach." Als Polizist hat der Blausteiner Einblicke in ein Milieu bekommen, das vielen Menschen verborgen bleibt. Er hat gesehen, wie dort mit den Frauen umgegangen wird. Heute hält Paulus sich heraus. Er wolle den Kollegen nicht ins Geschäft pfuschen, sagt er. Dass nichts besser geworden ist, weiß der Erste Kriminalhauptkommissar a. D. trotzdem.

    Betreiber von angeblichem Vorzeige-Bordell zu Haftstrafe verurteilt

    Paulus sieht beispielsweise den Prozess gegen einen Stuttgarter Bordellbetreiber als einen Beleg dafür. Der Mann galt als eine Art Vorbild, er hatte sein Bordell öffentlich als edlen Vorzeige-Klub angepriesen und eine "saubere Prostitution" propagiert. Das Stuttgarter Landgericht verurteilte den Mann im Februar 2019 wegen Beihilfe zum Menschenhandel und sexueller Ausbeutung sowie wegen Betrugs zu fünf Jahren Haft. Im Prozess kam unter anderem ans Licht, dass sich Frauen den Namen ihres Zuhälters auf den Körper tätowieren lassen mussten. "Da kann man sich vorstellen, wie es anderswo zugeht", kommentiert Paulus.

    Manfred Paulus im Gespräch mit der damaligen Vh-Chefin Dagmar Engels und Frauenbüro-Leiterin Diana Bayer auf dem Donaufest 2018 (von links).
    Manfred Paulus im Gespräch mit der damaligen Vh-Chefin Dagmar Engels und Frauenbüro-Leiterin Diana Bayer auf dem Donaufest 2018 (von links). Foto: Alexander Kaya (Archivfoto)

    Wer wissen will, wie es in Ulm und Neu-Ulm zugeht, kann das auf der Internetseite dieunsichtbarenmaenner.wordpress.com nachlesen. Dort hat das "Bündnis Stop Sexkauf!" Zitate aus Freier-Foren zusammengetragen, auch aus den beiden Donaustädten. Einer bezeichnet ein Neu-Ulmer Bordell als "allerletzte Fickabsteige". Ein anderer schildert, wie die Frauen in einem FKK-Club von der Chefin niedergemacht werden. Manfred Paulus will über die Lage an der Donau nicht sprechen, seine Aufgabe sieht er heute woanders.

    Soroptimist-Club Aalen/Ostalb arbeitet mit Manfred Paulus zusammen

    In Rumänien zum Beispiel. Das ZDFhat den Ex-Kommissar und den Club Aalen/Ostalb der Frauen-Wohltätigkeitsorganisation Soroptimist für eine Dokumentation über Prostitution dorthin begleitet. Im Film ist Manfred Paulus in einem weißen Kurzarmhemd zu sehen. Er spricht nüchtern und eindringlich zugleich. "Diese Milieus haben eigene Regeln", sagt er einmal. Und wenig später: "Sie haben, wenn erforderlich, auch eigene Henker."

    Manfred Paulus (sitzend am Bildrand vorne links) in einer Schule in der Republik Moldau.
    Manfred Paulus (sitzend am Bildrand vorne links) in einer Schule in der Republik Moldau. Foto: Marietta Hageney

    Marietta Hageney weiß noch, wie sie Paulus kennengelernt hat. Hageney gehört zum Soroptimist-Club Aalen/Ostalb. Soroptimist ist die weltweit größte Wohltätigkeitsorganisation, der ausschließlich Frauen angehören. Die Clubs setzen sich für Frauen und Kinder ein. Paulus las in der Aalener Volkshochschule aus seinem Buch "Menschenhandel und Sexsklaverei entlang der Donau". "Mir ist ganz schlecht geworden", erinnert sich Marietta Hageney. Nach dem Vortrag habe sie Paulus angesprochen und gefragt, was man denn dagegen tun könne. Und der frühere Polizist habe geantwortet: "Fahren Sie doch hin, klären Sie die auf!"

    Früherer Ulmer Kommissar will junge Frauen aus Osteuropa schützen

    Fünf Mal waren die Soroptimist-Frauen und Paulus in Osteuropa. In der Republik Moldau zum Beispiel. Keine drei Millionen Einwohner, aber 200 angebliche Model-Agenturen. "So viele Models braucht die ganze Welt gar nicht", sagt Hageney. Es ist eine Masche, um junge Frauen anzulocken, auch Mädchen: angebliche Fotos in Deutschland. Und dann angeblich nur vorübergehend in die Prostitution, um angebliche Schulden abzuarbeiten.

    Manfred Paulus mit Frauen der Wohltätigkeitsorganisation Soroptimist International.
    Manfred Paulus mit Frauen der Wohltätigkeitsorganisation Soroptimist International. Foto: Marietta Hageney

    Paulus und die Frauen von Soroptimist nutzen das Netzwerk der Wohltätigkeitsorganisation, besuchten Schulen, sprachen vor Hunderten Schülern. Hageney beschreibt Paulus' Pokerface. Die Art, wie er mit einer Hand in der Hosentasche auf und ab geht. Seine sonore Stimme, die manchmal laut wird. "Das ist die halbe Miete", sagt sie. Marietta Hageney hat den Kampf gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution zum Beruf gemacht, sie leitet die Solwodi-Beratungsstelle Ostalb in Aalen und hilft Frauen beim Ausstieg aus der Prostitution. "Die landen bei mir, wenn sie ausgekippt werden", sagt Hageney. Wenn ihre Zuhälter mit ihnen kein Geld mehr verdienen. Hageney hört von den Frauen oft den gleichen Satz: "Kopf kaputt."

    Ulm/Blaustein: Bundesverdienstkreuz für Einsatz gegen Menschenhandel

    Manfred Paulus hat seinen Kampf im Ruhestand nicht aufgegeben. Er sagt: "Hier geschieht gewaltiges Unrecht. Da werden junge Leute wirklich kaputt gemacht. Und das bei uns, in unserem Rechtsstaat." Und: "Das hängt nicht an einer Pensionsgrenze oder am Beruf." Paulus will weitermachen, die nächste Reise nach Osteuropa ist schon geplant.

    Das rumänische Fernsehen berichtete über die Vorträge von Manfred Paulus.
    Das rumänische Fernsehen berichtete über die Vorträge von Manfred Paulus. Foto: Marietta Hageney

    Andere Länder verbieten die Prostitution, Deutschland tut das nicht. Früher, sagt Paulus, habe die Polizei in Ulm und Neu-Ulm jeden Zuhälter gekannt. Jetzt sei das anders. Der Erste Kriminalhauptkommissar a. D. berichtet von der organisierten Kriminalität, die ihre Sex-Geschäfte mehr und mehr nach Deutschland verlagere. Weil in Schweden beispielsweise durch das Prostitutionsverbot nicht mehr genügend Geld zu verdienen sei. Geht es nach Paulus, wird käuflicher Sex auch in Deutschland verboten.

    Der ehemalige Polizist kritisiert den Staat für seine Gesetze in diesem Bereich scharf. Er habe auch überlegt, ob er die Auszeichnung eines Landes, das solches Unrecht durch seine Gesetze ermögliche, überhaupt haben wolle. Inzwischen hat Paulus seinen Frieden mit dem Bundesverdienstkreuz gemacht. Mehr noch: "Es ist ein wunderbarer Staat, der einen Bürger dafür auszeichnet, dass er ihn jahrelang kritisiert hat." Wann und wo der 77-Jährige das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhält, ist noch offen. Wegen der Corona-Pandemie ist der Termin im Blausteiner Rathaus verschoben worden.

    Am Mittwoch, 5. Mai, ist Manfred Paulus im SWR-Bürgertalk zu sehen. Zu Gast sind unter anderem die SPD-Bundestagsabgeordnete Leni Breymaier und die Edelprostituierte Salomé Balthus. In der Sendung geht es um ein Verbot der Prostitution in Deutschland.

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