Ulm Ein Vergleich des Kreisverbandes Ulm/Alb-Donau der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) der Zustände in Nazi-Deutschland mit der gegenwärtigen Situation sorgt für Entrüstung: „Damals wie heute lief in Deutschland etwas aus dem Ruder, lasst uns gemeinsam dagegen antreten“, schreibt der Kreisverband auf Facebook über ein Bild von Hans und Sophie Scholl.
Ursprünglich hatte David Lamm, Mitglied im Vorstand des Ulmer CDU-Stadtverbandes, das Foto zum 73. Jahrestag der Verurteilung und Hinrichtung der Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime auf seine öffentliche Facebook-Seite gestellt. Denn am 18. Februar 1943 wurde das Geschwisterpaar beim Verteilen von Flugblättern in der Universität München überrascht und vier Tage später von den Nazis getötet.
Die AfD teilte den Facebook-Beitrag – angereichert mit jener Verharmlosung der Diktatur. „Bei allen Fehlern, die von unseren Politikern begangen wurden, verbietet sich dennoch ein Vergleich der Bundesrepublik im Jahr 2016 mit dem Dritten Reich im Jahr 1943. Er ist absolut unzulässig und eine Verhöhnung der Oper der NS-Diktatur“, sagt etwa David Lamm, der seinen Beitrag als von der AfD missbraucht ansieht. Der Ulmer SPD-Landtagsabgeordnete Martin Rivoir bezeichnet den Post der AfD in einem Internetbeitrag als „völlig inakzeptabel“. Der Beitrag der AfD zeige, welches krude, dumme und menschenverachtende Weltbild in den Köpfen der AfD-Vertreter herrsche. Die AfD würde das genaue Gegenteil von der Botschaft der Weißen Rose verkünden: Menschenverachtende Thesen gegen Flüchtlinge, Ausländer und Andersdenkende. Es sei der Gipfel der Frechheit und für demokratische Kräfte nicht hinnehmbar, dass die AfD sich hier selbst auf die gleiche Stufe wie die Weiße Rose stelle und damit die Politik der AfD mit dem Widerstand gegen das „Dritte Reich“ gleichsetzt.
Auch der Ulmer Grünen Abgeordnete Jürgen Filius ist entsetzt: Die AfD verhalte sich schamlos und verdrehe Geschichte auf unsägliche Weise.