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Ulm

17.03.2011

Ulm bekommt eine neue Synagoge

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So soll die neue Synagoge auf dem Weinhof einmal aussehen.

Es war der Spatenstich für einen ganz besonderen Bau: Ulms neue Synagoge.

Gestern Abend wurde Geschichte geschrieben auf dem Ulmer Weinhof. 73 Jahre nachdem in der Reichspogromnacht Nazis die 1869 erbaute Synagoge im Herzen Ulms schändeten und beschädigten, wurde symbolisch mit dem Neubau begonnen. Begleitet von Personenschützern und einem imposanten israelischen Medientross reiste der in Israel prominente Staatsminister Yossi Peled aus Jerusalem zum Spatenstich an. „Das ist kein normaler Termin für mich. Das ist etwas ganz Besonderes“, sagte der 70-Jährige, dessen Familie zum Großteil von Nationalsozialisten ermordet wurde. Der Neubau sei ein Ausdruck des Vertrauens, das jüdische Menschen in die deutsche Demokratie gefasst hätten.

„Hass und Tod haben nicht das letzte Wort gehabt“, sagte Sozialministerin Dr. Monika Stolz als Vertreterin des Landes, bevor Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner die Redner schmunzelnd zur Zurückhaltung ermahnte: „Es kommt ja noch die Grundsteinlegung, das Richtfest und dann die Eröffnung.“ Selbige soll am 9. November 2012 sein – 74 Jahre, nachdem das alte jüdische Gotteshaus nur wenige Meter entfernt von den Nationalsozialisten zerstört wurde. Das etwa 17 Meter hohe Gebäude soll künftig den Weinhof nach Norden hin abschließen. „Ein hervorragender Entwurf“, verteidigte Gönner erneut den nicht überall beliebten Kubus der Architekten „Kister Scheithauer Gross“. Dass die Architektur sogar Gegner innerhalb der jüdischen Gemeinde gehabt habe, verriet Barbara Traub, Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW). Doch die Wogen wären nun geglättet. Die Freude auf das „lebendige Zentrum für alle Bürger der Stadt“ sei groß. Wichtige Aufgabe sei es in Zukunft, das gedeihliche Miteinander der Bürger in Ulm zu fördern. Ein Symbol dafür waren die für das Purim-Fest typischen Haman-Taschen, die nach dem Spatenstich mit einer Tasse Tee gereicht wurden. „Wir wünschen uns, dass dieses Gebäude von den jüdischen und nichtjüdischen Bürgern angenommen wird als ein Ort der Begegnung und ein Ort des Friedens“, sagte Barbara Traub.“

Ein Gebäude aus hellem Kalkstein

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Im Vergleich zum Entwurf aus dem Wettbewerb wurde, wie bereits berichtet das Gebäude in der überarbeiteten Fassung leicht nach Nordosten gedreht. Die Blickachse zum Neuen Bau und zum Münster bleibt erhalten. Die Fassade soll mit einem hellen Kalkstein verkleidet werden. Die jüdische Gemeinde rechnet mit Gesamtkosten von etwa fünf Millionen Euro.

Der Ulmer Ortsrabbiner Schneur Trebnik betonte, dass dies ein besonderes Ereignis nicht nur für die Juden, sondern für alle Ulmer sei. „Wir sind jetzt wieder mitten im Zentrum der Stadt.“ Dort, wo die religiöse Heimstätte hingehöre. Diese Synagoge werde „sicher länger bestehen, als die erste – vielleicht für ewig“.

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