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Ulm

07.12.2018

Ulm hört in die Röhre

Arbeiten mit Klängen und Röhren: Renate Hoffleit (links) und Michael Bach Bachtischa bei den Vorbereitungen für ihr Projekt in der Wilhelmsburg.
Bild: Alexander Kaya

Die beiden Künstler Renate Hoffleit und Michael Bach Bachtischa schaffen eine akustische Verbindung zwischen Wilhelmsburg und Münster. Bei „Im Klangstrom“ geht es um Physik, Musik - und um Überraschungen.

Den Sandstrahler aus dem Innenhof der Wilhelmsburg kann man auch im Inneren noch gut hören. Schade, dass am Wochenende die Arbeiter Pause machen. Der Lärm von draußen stört die Bildhauerin Renate Hoffleit und den Cellisten Michael Bach Bachtischa nicht, im Gegenteil: Bei ihrem Projekt „Im Klangstrom“ geht es nicht um Stille, sondern um Töne, um die Vereinigung von Musik und Umgebungsgeräuschen – und um die Verbindung von Orten. Von Freitag, 7., bis Sonntag, 9. Dezember, arbeitet das Künstlerduo erstmals in Ulm an einer seiner „Vertonungen“.

Hinter dem Begriff verbirgt sich ein so eigenwilliges wie kompliziertes Verfahren, bei dem Röhren eine wichtige Rolle spielen. Ganz normale aus PVC, aber auch solche aus Stein, geschaffen von der Stuttgarterin Hoffleit. Diese werden mit Mikrofonen bestückt, wobei Material, Form und Länge beeinflussen, welche Töne innen ankommen: So wie eine Orgelpfeife nur einen bestimmten Ton erzeugen kann, filtert ein Rohr bestimmte Frequenzen heraus. Die Röhren sind bei den „Vertonungen“ aber in erster Linie Werkzeug. Im Prinzip geht es um ein Hin-und-her-Schicken von Klängen – und da kommt das Fachgebiet des Musikers Bach Bachtischa, der im Elsass lebt, ins Spiel.

Audiodateien werden zwischen Wilhelmsburg und Ulmer Münster hin- und hergeschickt

Die „Vertonung“ am Samstagnachmittag zeigt das Verfahren vielleicht am anschaulichsten: Um 14 Uhr spielt er auf seinem Cello in der Wilhelmsburg die berühmte Chaconne von Johann Sebastian Bach, die dort von den Mikrofonen in den Röhren aufgenommen wird. Die dabei entstandene Audiodatei wird danach im Münster abgespielt, wo sie sich mit den dortigen Umgebungsgeräuschen vermischt und wiederum von Mikros in Röhren aufgenommen wird. Danach geht es zurück zur Burg, dann zum Münsterplatz, dann zur Burg. Hoffleit und Bachtischa können durch das gezielte „Verstimmen“ von Röhren und am durch Abmischung eingreifen, aber im Prinzip ist eine „Vertonung“ eine Versuchsanordnung. Durch die Erfahrung früherer Projekte, sagt der Musiker und Komponist, könne man manches vorhersehen, aber im Prinzip sei das Ergebnis immer eine Überraschung. Diese nutzt schließlich Bachtischa um 17.30 Uhr im Münster als Klangbett für die Aufführung eigener Werke.

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Videos sind unter anderem am Blautopf in Blaubeuren entstanden

Es ist nur eines der Experimente an den kommenden Tagen. „Im Klangstrom“ beginnt bereits am Freitag. Ab Nachmittag ist in der Turmhalle die Projektion „Fensterrose“ von Hoffleit zu sehen, am Abend erläutern die Künstler, die sich als Kollektiv auch Xatra nennen und schon seit 1993 gemeinsam ortsspezifische Klanginstallationen und Performances entwickeln und durchführen, auf der Wilhelmsburg, wie ihre Projekte funktionieren. Für Samstag und Sonntag sind unter anderem noch „Vertonungen“ mit der Stimmkünstlerin Angelika Meyer und den Münsterglocken geplant. Begleitet werden die akustischen Aufführungen mit Videos, die unter anderem in Ulm und am Blautopf entstanden.

„Im Klangstrom“ bildet so etwas wie den Abschluss des Kunstjahres auf der Festung, die unter dem Motto „Pop Up Space“ über den Sommer Tummelplatz für Kreative verschiedener Sparten war. Hoffleit und Bachtischa hatten ihre Projekt schon damals eingereicht, aber die Jury nicht überzeugt. Doch der Innovationsfonds Kunst der baden-württembergischen Landesregierung genehmigte eine Förderung von 30000 Euro für die „Ulmer Vertonungen“ – und ermöglichte so doch noch die Realisierung.

Genaueres zum Ablauf von „Im Klangstrom“ gibt es hier. Zusätzlich zum Linienverkehr verkehren auch Shuttle-Busse zwischen Neuer Mitte und Wilhelmsburg.

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