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Debatte

24.06.2017

Ulm will nicht Kulturhauptstadt werden

Das Rathaus nimmt Abstand von einer Bewerbung – was aber nicht alle Räte freut

Der Tagesordnungspunkt im Kulturausschuss hatte den spröden Titel „Strategische Leitlinien auf Basis der Kulturentwicklungsplanung 2016“. Doch unter Punkt zwei enthielt die zugehörige Sitzungsvorlage eine klare Aussage: Die Stadtverwaltung ist gegen eine Bewerbung Ulms als „Europäische Kulturhauptstadt 2025“. Weder Kulturakteure noch die Politik oder erkennbar breite Teile der Bevölkerung stünden derzeit engagiert hinter einer Bewerbung, heißt es in dem Papier.

Dass diese Aussage zumindest im Hinblick offenbar richtig ist, zeigten die Reaktionen im Ausschuss. Helga Malischewski (FWG) war „dankbar, dass die Bewerbung vom Tisch ist“. Martin Ansbacher (SPD) schloss sich der Meinung der Verwaltung an, dass die Risiken zu hoch sind. Und Lena Schwelling (Grüne) sprach zumindest für sich selbst, als sie meinte, dass die anwesenden Stadträte jung genug seien, um es zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu versuchen.

Freilich gab es auch andere Stimmen, die in dem Verzicht ein weiteres Symptom einer gescheiterten Ulmer Kulturpolitik sehen. Ganz davon abgesehen, dass der größte Gegner der Bewerbung offenbar Oberbürgermeister Gunther Czisch ist. Ralf Milde (FDP) beklagte den „kulturellen Mehltau über der Stadt“. Eine Formulierung, die Thomas Kienle (CDU) kurz darauf gar als „Euphemismus“ bezeichnete. Geärgert hatte sich Kienle zuvor über einige Aussagen in der Vorlage und am Ratstisch. Sinngemäß ging es darum, dass die Kultur in Ulm schon so hochkarätig und umfassend ist, dass die Impulse einer Kulturhauptstadt-Bewerbung gar nicht nötig seien. Kienle: „Die Übersteigerung des eigenen Angebots, die hier vertreten wird, macht einem richtig Angst.“ Seine Forderung: „Wir müssen Kultur machen und nicht Stadtmarketing. Kultur heißt Qualität und Qualität kostet Geld.“

Kienle wünschte sich eine Diskussion über Inhalte und konkrete Maßnahmen statt eine über Leitlinien – eine deutliche Kritik an dem von Bürgermeisterin Iris Mann vorgelegten Programm. In diesem wurde unter anderem ein stärkerer Fokus auf die Wilhelmsburg sowie auf die Themenfelder Albert Einstein und Albrecht Berblinger gelegt. Der Ausschuss stimmte den aufgeführten Zielen einstimmig zu. Manche Räte aber unter Schmerzen. (mgo)

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