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Ulm

05.06.2019

Ulmer Forscher sind dem Zockerwahn auf der Spur

Exzessives Computerspielen untersuchen Ulmer Forscher.
Bild: L. Zwiesse

Forscher der Uni Ulm haben den weltweit ersten Test zur Untersuchung der Computerspielsucht entwickelt. So funktioniert dder Online-Fragebogen.

Forschende um Professor Christian Montag von der Universität Ulm haben den weltweit ersten psychologischen Test zur Untersuchung der Computerspielsucht entwickelt. Das hat dieser Tage eine besondere Aktualität: Jüngst bekam exzessives Computerspielen den Rang einer von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannten psychischen Erkrankung. Die Aufnahme der „Gaming Disorder“ in den Krankheitskatalog der WHO und die damit einhergehende Definition bieten neue Möglichkeiten, gesundheitliche und psychosoziale Auswirkungen des exzessiven Computerspielens zu erforschen.

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Der nun vorgestellte Online-Fragebogen orientiert sich an den Kriterien der WHO und erfasst Gaming-Aktivitäten der vergangenen zwölf Monate bis zum Tag der Erhebung auf einer Skala von eins bis fünf (1 steht für die Selbsteinschätzung „nie“ und 5 bedeutet „sehr oft“). Ziel des psychometrischen Instruments ist weniger die Diagnose als die Erforschung von Auswirkungen des exzessiven Spielens. Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer erfahren lediglich, ob ihre Ergebnisse im Vergleich mit allen Probanden eine Tendenz zur „Gaming Disorder aufweisen.

Forscher der Universität Ulm entwickeln Test zu Computerspielsucht

Anhand einer Stichprobe aus mehr als 550 jungen Chinesen und Briten haben die Forschenden ihren neuen „Gaming Disorder Test“ bereits überprüft. „Exzessives Videospielen ist schon heute ein ernst zu nehmendes Gesundheitsrisiko in asiatischen Ländern und ein aufkommendes Problem in Europa. Um große, internationale Studien durchführen zu können, haben wir das neue Instrument kulturübergreifend konzipiert und in China sowie Großbritannien getestet“, erläutert Christian Montag, Heisenberg-Professor sowie Leiter der Abteilung für Molekulare Psychologie an der Universität Ulm.

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Das Vorkommen der Computerspielsucht nach WHO-Kriterien unterschied sich zwischen beiden nationalen Gruppen nicht signifikant. Im Mittel gaben die Studierenden an, zwölf Stunden in der Woche zu spielen. Dabei verbringen sie fast die Hälfte dieser Zeit (46 Prozent) am Wochenende alleine vor dem Computer oder sonstigen mobilen Endgeräten. Insgesamt 36 Teilnehmende (6,4 Prozent) berichteten von großen Problemen im Alltag aufgrund ihres Spielverhaltens.

Eine erste Bilanz zogen die Forscher: „Der Gaming Disorder Test scheint geeignet, um die Häufigkeit und, in Kombination mit anderen Fragebögen, auch Effekte der Computerspielsucht in großen, kulturübergreifenden Gruppen nach den vorgeschlagenen WHO-Kriterien festzustellen.“

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Für alle Interessierten steht der Gaming Disorder Test ab sofort online unter www.gaming-disorder.org zur Verfügung. (az)

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