Newsticker

Auswärtiges Amt warnt vor Reisen nach Madrid und ins Baskenland
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Vermeintlicher Kobold ist ein Zirkus-Liliputaner

Kurioser Fall in Ulm

27.06.2011

Vermeintlicher Kobold ist ein Zirkus-Liliputaner

Auch eine Kobold-Variante: Pumuckel. Der Kobold allerdings, der in Ulm sein Unwesen treibt, stellte sich als Liliputaner heraus.
Bild: AZ

Derzeit verbreitet sich - unter anderem im Internet - eine unglaubliche Geschichte, die sich angeblich kürzlich in Ulm zugetragen haben soll. Wir lösen das Rätsel auf.

Er ist klein. Er ist verrückt. Er soll ein Kobold sein. Es kursieren mehrere Varianten der Geschichten des kleinen Unbekannten. Im Kern lautet die haarsträubende Mär etwa so:

Ein Mann aus Ulm, der Bruder eines Arbeitskollegen, hat einen fast erwachsenen Sohn, der zwar sehr groß und kräftig, geistig aber durch eine Behinderung auf dem Stand eines Vorschulkindes zurückgeblieben ist. Der Sohn ruft am fraglichen Tag Ende April den Vater bei der Arbeit an und berichtet stolz: „Papa, ich hab einen Kobold gefangen.“ Wissend um die blühende Fantasie des Sprösslings nimmt der Mann den Anruf natürlich nicht ernst: „Ja, ja, das ist aber schön. Den schau ich mir heut Abend an, gleich, wenn ich nach Hause komm. Spiel fein weiter.“ Doch der Sohn lässt nicht locker, ruft mehrere Male an und berichtet wieder und wieder vom gefangenen Kobold. Bis der Vater schon genervt reagiert: „Der Papa muss jetzt arbeiten, Du kannst doch nicht ständig mit Deinen Geschichten hier anrufen.“ Als der Vater schließlich Stunden später nach Hause kommt, wundert er sich zunächst über das Lama, das am Laternenpfahl vor der Einfahrt angebunden ist. Dann wird er auch gleich von seinem Sohn empfangen: „Papa, Papa ich hab den Kobold jetzt in den Keller gesperrt.“ Immer noch genervt, willigt der Vater schließlich ein, sich den angeblichen Fang anzusehen. Im Heizungskeller erwartet ihn dann ein echter Schock: Denn tatsächlich liegt da – mit der Wäscheleine gefesselt – eine sehr zierliche Person auf dem Boden – kein Kind, sondern ein kleinwüchsiger erwachsener Mann.

Wie sich schnell herausstellt, handelt es sich bei dem vermeintlichen Kobold um den „Liliputaner“ vom gerade in Ulm gastierenden Zirkus Krone, der an der Haustür um Spenden für Tierfutter gebeten hatte. Das erklärt auch das Lama am Laternenpfahl. Natürlich wird der Kleinwüchsige schnell befreit, und weil die ganze Sache so peinlich ist, einigen sich alle Beteiligten auf Stillschweigen. So erfahren Polizei und Presse zunächst nichts.

Vermeintlicher Kobold ist ein Zirkus-Liliputaner

Der Zirkus-Zwerg nervt schon seit Jahren - nicht nur die Bürger

Der Vater, so heißt es weiter, habe das Erlebnis dann aber doch unter dem Siegel der Verschwiegenheit seinem Arbeitskollegen erzählt, der – ist ja klar – nicht habe dicht halten können. Jedenfalls macht die Geschichte in rasendem Tempo die Runde in Ulm und erreicht auch die Redaktion der Neu-Ulmer Zeitung. Die bohrt nach. Zirkus-Krone-Sprecherin Dr. Susanne Matzenau reagiert auf eine telefonische Anfrage höchst genervt. Sie kann die fragliche Geschichte vom angeblich entführten Zirkus-Zwerg schon nicht mehr hören. „Das verfolgt uns jetzt seit über einem Jahr in fast jeder Stadt, in der wir gastieren.“ Ob in Köln oder Nürnberg, überall werde sie auf den vermeintlichen Zwischenfall angesprochen.

Eine Wormser Zeitung habe sie gerade noch davon abhalten können, eine Titelgeschichte zu bringen. Susanne Matzenau stellt klar: „So etwas ist nie passiert, ganz sicher nicht beim Zirkus Krone und mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit auch nicht bei irgendeinem anderen Zirkus. Das sind Spinner, die diese Geschichte in unterschiedlichen Varianten im Internet verbreiten.“ Außerdem: Beim Zirkus Krone gebe es gar keine kleinwüchsigen Artisten. Und um Futter zu betteln, das habe der größte Zirkus Europas nicht nötig.

Tatsächlich finden sich im Internet Versionen der Mär vom „Zwerg im Keller“, die bereits lange vor dem angeblichen Vorfall in Ulm veröffentlicht wurden. So erweist sich die Räuberpistole nur als weitere „moderne Sage“. Unter diesem Begriff werden all die Geschichten von Spinnen in der Yucca-Palme oder Krokodilen in der Kanalisation zusammengefasst, die angeblich der Freund eines Bekannten erlebt hat.

Sprecherin hofft, dass dieser „Schwachsinn“ endlich aufhört

Aufzuhalten sind die wandernden Mythen kaum. Das weiß auch Zirkus-Krone-Sprecherin Susanne Matzenau. Immerhin, während des derzeitigen Gastspiels in Göttingen sei sie noch nicht nach der Sache mit dem gekidnappten Liliputaner gefragt worden. Nichts, sagt sie, wünsche sie sich mehr, als „dass dieser Schwachsinn endlich aufhört“.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren