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Ulm

25.04.2019

„Vestungs-Arbeit“ lautete das erste Urteil am Landgericht Ulm

1869 zog das Landgericht Ulm aus dem Schwörhaus in den heutigen Sitz in der OIgastraße.

Vor 200 Jahren wurde der Königliche Gerichtshof für den Donaukreis gegründet – das heutige Landgericht

Remigius Locher aus Hütten wird zu „fünfmonatlicher Vestungs-Arbeit“ verurteilt – wegen „ersten und großen, so wie kleinen Diebstahls, beide unter erschwerenden Umständen verübt“. Das ist das erste veröffentlichte Urteil des Königlichen Gerichtshofs für den Donaukreis, der Criminal-Senat hat es am 18. Januar 1819 gefällt. 200 Jahre später hat das Landgericht Ulm, das aus dem Königlichen Gerichtshof hervorgegangen ist, Jubiläum gefeiert. Die Festschrift berichtet von dem Urteil gegen Remigius Locher – und von anderen wichtigen Meilensteinen in der Geschichte des Gerichts.

Gerichtsstadt ist Ulm bereits viel länger, im Mittelalter übten Rat und Stadtgericht die Gerichtsbarkeit aus. Rechte und Zuständigkeiten wuchsen immer weiter. 1360 erhielt der Ulmer Rat von Kaiser Karl V. das Recht, Todesurteile zu verhängen, knapp vier Jahrzehnte später war die Reichsstadt jurisdiktionell voll selbstständig. Diese Selbstständigkeit endete mit der Selbstständigkeit der Stadt, die 1802 bayerisch und acht Jahre später württembergisch wurde. Wiederum ein Jahr später wurde in Ulm ein Provinzial-Justiz-Collegium eingerichtet. Es war Aufsichtsbehörde für untergeordnete Gerichte und Zivilgericht für Verfahren mit einem Streitwert von mehr als 50 Gulden.

Landgericht Ulm besteht seit 200 Jahren

Als Vorgänger des heutigen Landgerichts gilt der Königliche Gerichtshof für den Donaukreis. Sein Gründungsdirektor war Benjamin Friedrich von Pfizer, der 1823 zum Präsidenten des Gerichtshofs ernannt wurde und noch einmal fünf Jahre später vom württembergischen König Wilhelm I. die Aufgabe erhielt, den Entwurf eines Kriminalgesetzbuchs anzufertigen.

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Der Zuständigkeitsbereich des Königlichen Gerichtshofs für den Donaukreis war deutlich größer als der des jetzigen Landgerichts. Er erstreckte sich von Geislingen bis Wangen und von Kirchheim bis Ulm. Heute ist das Landgericht für die Stadt Ulm sowie die Landkreise Alb-Donau und Göppingen verantwortlich – ein Gebiet, in dem 560000 Menschen leben. Verkleinert wurde der Zuständigkeitsbereich im Jahr 1868, damals entstand in Ravensburg ein weiterer Gerichtshof. Elf Jahre später erhielt der Ulmer Gerichtshof seinen jetzigen Namen, wieder zehn Jahre später zog er vom Schwörhaus in den heutigen Sitz an der Olgastraße um.

Heute arbeiten 28 Richterinnen und Richter am Landgericht Ulm, das aus zwölf Kammern besteht: fünf Zivilkammern, zwei Kammern für Handelssachen sowie drei Großen und zwei Kleinen Strafkammern. Das Landgericht ist Gericht erster Instanz und Berufungsgericht. Der heutige Präsident des Landgerichts ist Lutz-Rüdiger von Au, seit 2009 im Amt und der 24. Nachfolger von Benjamin Friedrich von Pfizer. (mase/az)

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