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Roggenburg

15.06.2019

Vorwurf Tierquälerei: Schleebucher machen sich Sorgen um Pferde

Das Dorf Schleebuch liegt sehr idyllisch zwischen Roggenburg und Schießen. Der Ortsteil der Gemeinde Roggenburg hat 100 Einwohner. Einige von ihnen halten Pferde, die auf mehreren Weiden grasen.
Bild: Alexander Kaya

Plus Bewohner des Dorfs haben eine Frau angezeigt und fordern Konsequenzen. Das Veterinäramt hat die Halterin schon länger im Blick - und mehrfach belehrt.

Grüne Wiesen, viel Platz und angenehme Ruhe: In Schleebuch, so der erste Eindruck, können Pferde ein schönes Leben führen. Doch der Schein trügt: Nicht allen Pferden in dem Roggenburger Ortsteil mit 100 Einwohnern geht es wirklich gut. Vier Tiere einer Halterin sind so schlecht beisammen, dass gleich mehrere Bewohner Anzeige wegen Tierquälerei erstattet haben.

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Schon seit mehr als einem Jahr beobachten Anwohner, die selbst Pferde besitzen, was auf der Weide und im Stall der Halterin vor sich geht. „Die Pferde sind in einem schrecklichen Zustand“, beklagt eine Frau, die sich an unsere Redaktion gewandt hat und gerne anonym bleiben möchte. Ende Mai hat sie Fotos gemacht, die völlig abgemagerte Tiere zeigen. Unter dem Fell zeichnen sich deutlich die Knochen ab. Auf einem Video ist ein unsicher stehendes, schmutziges Pferd in einem dunklen Stall zu sehen. Weitere Filmchen sind entstanden, nachdem eines der Tiere auf der Weide zusammengebrochen war. Erschöpft liegt es im Gras. Im nächsten Video versucht die Halterin gemeinsam mit vier Männer, den noch recht jungen Vierbeiner wieder aufzurichten.

Zwei der vier Pferde werden tierärztlich behandelt

Zeitweise stünden die Tiere in verschimmeltem Mist, ohne Wasser und Futter, erzählt die Frau weiter. Den Winter über seien sie kaum aus dem fensterlosen Stall gelassen worden. „Immer wieder wurde das Veterinäramt darauf hingewiesen“, sagt sie. „Es kamen zwar Leute zur Kontrolle, aber passiert ist nicht wirklich etwas außer einer Verwarnung.“ Daraufhin habe die Halterin ein paar Tage wieder mehr gemacht, das sei jedoch schnell abgeebbt.

Vorwurf Tierquälerei: Schleebucher machen sich Sorgen um Pferde

Eine andere Schleebucherin bestätigt in einem Gespräch vor Ort diese Eindrücke. Auch sie sagt, dass die Frau nicht mit sich reden lasse. „Wie lange soll das noch so weitergehen?“, fragen die Beobachterinnen. „Muss erst eines der Pferde sterben, damit die Behörden endlich Konsequenzen ziehen?“

Das Veterinäramt am Landratsamt Neu-Ulm bestätigt auf Nachfrage, dass die Pferdehalterin schon seit Längerem unter Beobachtung steht. Von Dezember 2017 an sei der Amtstierarzt mehrmals vor Ort gewesen. Ab Frühling 2018 habe die Frau keine Pferde mehr gehalten. Seit März 2019 sei bekannt, dass die Tierhaltung wieder aufgenommen wurde. Seitdem habe es mehrere Kontrollen durch verschiedene Amtstierärzte und mehrere Kontrollversuche gegeben, bei denen niemand angetroffen wurde. Die Kontrollen seien immer unangekündigt, teilt ein Behördensprecher mit.

Seit einer Woche erhalten sie wieder mehr Futter

Zwei der vier Pferde sind demnach aktuell in tierärztlicher Behandlung, die anderen beiden sind gesund. Um die entdeckten Missstände in der Tierhaltung zu beseitigen, hat das Amt nach eigenen Angaben die Halterin mehrfach mündlich belehrt, hinzu kam eine schriftliche förmliche Anordnung.

Auch einige Stunden vor dem Zusammenbruch des Pferdes Ende Mai sei ein Amtstierarzt da gewesen und habe gesagt, dass es dem Tier gut gehe, berichtet eine der Anwohnerinnen. Sie kann nicht verstehen, dass die Behörde der Frau nach den Vorfällen nicht die Tierhaltung verbietet. Doch so einfach sei das nicht, heißt es aus dem Veterinäramt. Dafür müsste ein ganz gravierender Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorliegen. Oder es müsste mehrere Verstöße über einen längeren Zeitraum geben. Konkreter wird das Amt nicht. Im Grundsatz des Tierschutzgesetzes jedenfalls steht: „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“

Zwei Wochen, nachdem die Anwohnerin die erschreckenden Fotos und Videos aufgenommen hat, sehen die Pferde auf der Weide schon deutlich besser aus. „Seit einer Woche werden sie wieder richtig gefüttert“, sagt eine Nachbarin. Skepsis schwingt in ihrer Stimme mit, denn sie bezweifelt, dass es dauerhaft so bleibt. Die besorgten Frauen würden ja gerne helfen und die Vierbeiner einfach selbst füttern. Doch davon hat ihnen die Polizei abgeraten, wie die andere Anwohnerin berichtet: „Erstens dürfen wir das Grundstück nicht betreten und zweitens könnte die Halterin uns vorwerfen, etwas Falsches gefüttert zu haben, wenn etwas passieren sollte.“

Die Betroffene selbst war für eine Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung nicht zu erreichen.

2017 und 2018 erregte ein Landwirt in Meßhofen wegen des Umgangs mit seinen Kühen Aufsehen. Mehr dazu lesen Sie hier:

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