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Ulm

19.11.2019

War die Vergewaltigung nur erfunden?

Der angeklagte 22-jährige mutmaßliche Gewalttäter verlangt Prüfung der Glaubwürdigkeit von Ex-Freundin.
Foto: Alexander Kaya

Der angeklagte 22-jährige mutmaßliche Gewalttäter verlangt Prüfung der Glaubwürdigkeit von Ex-Freundin.

Weil er seine Exverlobte gewürgt, geschlagen und vergewaltigt haben soll, muss sich ein 22-jähriger Ulmer wie berichtet vor der Großen Jugendkammer des Landgerichts verantworten. Am Montag hat die Verteidigerin des Beschuldigten die 24-jährige Frau am Ende der Beweisaufnahme beschuldigt, die schweren Vorwürfe erfunden zu haben. Sie beantragte ein Glaubwürdigkeitsgutachten durch einen Sachverständigen, sodass das Verfahren, das gestern eigentlich abgeschlossen werden sollte, am 9. Dezember fortgesetzt wird.

Mit roher Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen

Belastende Vorwürfe erhob der Staatsanwalt zu Beginn des Verfahrens, die so schwer wogen, dass sich die große Jugendkammer des Ulmer Landgerichts mit dem Fall beschäftigen musste. So habe der gelernte Wasserinstallateur im Mai 2017 seine Verlobte in seinem Ulmer Pensionszimmer gegen ihren Willen mit roher Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Zwei Tage zuvor sei die Chemiestudentin von dem Angeklagten geschlagen und gewürgt und über Nacht in seinem Zimmer eingesperrt worden.

Mit Hand- und Fußfesseln

Erst am Morgen des nächsten Tages sei die junge Frau freigelassen worden. Laut Anklage soll der Beschuldigte im Juni 2017 der Ex-Freundin auch noch einen Kopfstoß gegen die linke Stirnseite nach einem Streit versetzt, haben. Nach Absprache mit ihrem Vater ging sie verspätet zur Polizei und zeigte ihren vermeintlichen Peiniger an. Seitdem sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft. Mit Hand- und Fußfesseln wurde der 22-jährige an den bisher drei Verhandlungstagen in den Schwurgerichtssaal von einem Justizbeamten hereingeführt. Während der Verhandlung machte er zu den schweren Vorwürfen keine Angaben. Am ersten Tag wurde die Nebenklägerin als vermeintliches Opfer stundenlang vernommen und sie erzählte, wie sich ihr Exverlobter aus nicht nachvollziehbarer Weise im Lauf der Beziehung zu seinen Ungunsten verändert habe. Lange war sie ihm, wie sie sagte, verfallen und habe ihn immer wieder auch nach den Vorfällen besucht. „Ich kann mir das heute nicht erklären“, sagte sie vor Gericht. Trotz der Übergriffe sei die Beziehung zunächst nicht von ihr beendet worden, obwohl sie, wie sie aussagte, Angst vor ihm hatte.. Ihr damaliger Freund habe an chronischem Geldmangel gelitten, sodass sie ihm mehrfach finanziell ausgeholfen habe.

Die ausführliche Schilderung der vorgeworfenen Straftaten nahm die Verteidigerin ausführlich in den vergangenen Tagen unter die Lupe und tischte dem Landgericht gestern mit einer ausführlichen Begründung einen seitenlangen Antrag auf, die Beweisaufnahme weite zu führen und einen Gutachter zu laden, der die Glaubwürdigkeit der Frau prüfen möge. Mehrere Indizien ließen den Schluss zu, dass die Nebenklägerin vor Gericht nicht die Wahrheit gesagt und falsche Aussagen gemacht habe, wohl um den Ex-Verlobten zu belasten. Sie sprach von einer Fülle von Widersprüchen und Falschaussagen, die überprüft werden müssten.. Es handele sich um „Scheinerinnerungen der Nebenklägerin, sagte die Verteidigerin.

Eine Stunde beriet sich die Kammer am Montagvormittag, dann gab der Vorsitzende Richter bekannt, dass man in der Kürze der Zeit keine fundierte Entscheidung zum Antrag treffen könne.

Die Große Jugendkammer prüft jetzt den Antrag der Verteidigerin ausführlich und wird am 9 Dezember den Prozess ab 15 Uhr fortsetzen mit der Bekanntgabe, wie weiter zu verfahren ist. Ein weiterer Verhandlungstermin ist dann für den 23. Dezember ab 11 Uhr vorgesehen.

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