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Prozess in Memmingen

29.04.2015

Was geschah in Thalfingen? Männer nach Messerstecherei vor Gericht

Polizei - Blau - BWL - Ulm - Symbol - Symbolbild - Blaulicht

Weil sie mit Messern eine Gruppe angegriffen haben sollen, müssen sich vier Männer vor Gericht verantworten. Einem 24-Jährigen wird versuchter Totschlag vorgeworfen.

Alles sei ganz schnell gegangen – ein Faustschlag ins Gesicht, „plötzlich hat jemand ,Messer, Messer’ gerufen“, sagte der 21-jährige Ulmer über die Schlägerei am 28. Juli 2014 in Thalfingen, die später in einer Messerstecherei endete: Weil vier Menschen dabei schwer verletzt worden seien, wirft die Staatsanwaltschaft dem Ulmer und drei anderen daher gefährlicher Körperverletzung vor. Nicht nur das: Einer von ihnen muss sich sogar wegen versuchten Totschlags vor dem Memminger Landgericht verantworten, da eines der mutmaßlichen Opfer „potenziell lebensgefährlich“ verletzt worden sei. 18 Prozessbeteiligte versammelten sich am Mittwoch im großen Verhandlungssaal am Landgericht – an zwei langen Tischreihen saßen die vier Anwälte mit ihren vier Mandanten. Von ihnen machte gestern jedoch nur einer Angaben zur blutigen Nacht in Thalfingen.

„Ich habe mich neutral verhalten“, sagte der 21-Jährige, der sich gestern ziemlich unschuldig gab. Er habe mit keiner Seite irgendetwas zu tun. Damit meint der Ulmer zum einen die drei Männer, die neben ihm auf der Anklagebank sitzen und zum anderen die vier vermeintlichen Opfern. Gleichzeitig gab der junge Mann allerdings an, den 22-Jährigen Mitangeklagten aus Ulm schon seit der Grundschule zu kennen.

Dieser jedenfalls sei am Tatabend in der Dönerbude aufgetaucht, in der „ich gerade die Maschine geputzt hab’“. Sein Kumpel – oder eben nicht – habe ihm erzählt, dass vier „Jungs“ gerade zu Hause auf seinen Balkon geklettert sind, um seine Schwester zu bedrohen. Sie seien auf der Suche nach dem 22-Jährigen. „Er hat mich gebeten, dass ich mitkomm’, um mit den Jungs zu reden.“

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Die beiden fackelten offenbar nicht lange und haben sich – nach Aussagen des gesprächsbereiten Angeklagten – mit zwei weiteren Begleitern aus Leibi und Thalfingen auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt in den Elchinger Ortsteil gemacht. Dann sei alles ganz schnell gegangen, als „die beiden Autos mit den Jungs ankamen. Die Türen sind explosionsartig aufgegangen“: Der 21-jährige Familienvater sei Abseits gestanden, trotzdem seien die Kontrahenten sofort auf den jungen Mann und seine Clique losgerannt, einer aus der Gruppe habe ihm einen Schlag ins Gesicht verpasst, sodass der ehemalige deutsche Meister im Taekwando zu Boden ging. „Habe gesehen, die bluten. Ich hab ,Messer, Messer’ gehört. Wusste nicht, was passiert ist. Dann sind die ins Auto gestiegen und weggefahren. Das Ganze ging 20 Sekunden, nicht mehr“, sagte der Angeklagte vor Gericht.

Über die anderen Angeklagten war bislang nicht sehr viel zu erfahren. Neben der gefährlichen Körperverletzung wird dem 24-jährigen Hauptangeklagten versuchter Totschlag vorgeworfen. Der Thalfinger, der in einer Metzgereifiliale gearbeitet hatte, soll seinem Kontrahenten laut Anklage dreimal ein Messer in den Oberschenkel gerammt und dabei „Ich bring dich um“ gerufen haben.

Der Prozess erinnert bereits jetzt sehr an den vor fast genau einem Jahr zu Ende gegangenen Rocker-Prozess: Zwar ging es damals um Mord, aber ebenfalls standen sich in einer Nacht zwei Gruppen an einem vereinbarten Treffpunkt gegenüber, die „was klären wollen“, so der Angeklagte gestern. Auch die Anwälte sind nahezu dieselben wie vor einem Jahr, der Aufwand wieder enorm: Einige Polizisten überwachen die Verhandlung, Besucher werden kontrolliert. Wie zu erfahren war, werden wohl auch im Rocker-Milieu einschlägig bekannte Männer vor Gericht als Zeugen auftauchen. Derzeit sind insgesamt noch sieben Verhandlungstage anberaumt, ehe Ende Juni ein Urteil fallen soll. Am Mittwoch, 6. Mai, wird die Verhandlung mit ersten Zeugen fortgesetzt.

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