Newsticker

Bundesregierung hebt Reisewarnung für die Türkei teilweise auf
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Weißenhorner soll Freundin zur Dirne gemacht haben

Justiz

02.03.2013

Weißenhorner soll Freundin zur Dirne gemacht haben

Vorwurf der Staatsanwaltschaft war vor dem Amtsgericht in Memmingen aber nicht mit letzter Sicherheit nachzuweisen

Memmingen/ Weißenhorn Weil er seine Freundin übel beleidigt und mehrfach verprügelt hat, ist ein 29 Jahre alter Türke aus Weißenhorn vom Amtsgericht Memmingen zu einer zehnmonatigen Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt.

Vom Hauptvorwurf der Anklage „sexuelle Nötigung“ wurde der Mann freigesprochen. „Aber nicht weil sie so ein sympathischer junger Mann sind, das sind sie nicht“, so der Vorsitzende des Schöffengerichts, Stefan Nielsen. Der Freispruch erfolgte, weil das Gericht Zweifel hatte – zugetraut hätten der Berufsrichter und die beiden Schöffen dem Mann die sexuelle Nötigung aber allemal.

Ins Rollen gebracht hatte den Fall die frühere Partnerin. Sie war zur Polizei gegangen und hatte berichtet, dass sie ihr türkischer Freund mit Schlägen und Drogen gezwungen habe, sich zu prostituieren. Über ein soziales Netzwerk mit Schwerpunkt Ulm sei ein Kontakt mit einem Freier aus Pfuhl hergestellt worden. Auf einem Parkplatz bei der Ulmer Wilhelmsburg habe sie dann im März 2011 gegen ihren Willen sexuelle Dienste vornehmen müssen. Als „Dirnenlohn“ (Richter Nielsen) gab es ein Handy plus zwei gefälschte Rolex-Uhren.

Weißenhorner soll Freundin zur Dirne gemacht haben

Dieses Treffen vor der ehemaligen Kaserne bestätigte der Angeklagte dem Gericht – schließlich hatte er seine Freundin damals begleitet. Allerdings habe sie sich aus eigenem Entschluss prostituiert – Motiv Geldmangel. Und am „Bahnhof“ habe sie nicht arbeiten wollen.

In der für derartige Fälle klassischen Konstellation stand somit Aussage gegen Aussage. In der unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgenommenen Vernehmung des Opfers wiederholte die junge Frau ihre Anschuldigungen „detailreich“ und „schlüssig“, so Staatsanwalt Dr. Daniel Theurer später in seinem Plädoyer. Offenbar konnte die Frau das Gericht nicht mit letzter Konsequenz überzeugen – vor allem auch deshalb, weil sie seit Jahren schwere psychische Probleme hat. In einer vom Gericht verlesenen Aussage des Hausarztes der Frau ist vom Verdacht auf eine Borderline-Störung die Rede.

Opfer schiebt Verantwortung von sich

Wie Richter Nielsen in der Urteilsbegründung sagte, habe die Frau die „Tendenz“, die Verantwortung für ihr Tun „wegzuschieben“ – beispielsweise hatte sie sinngemäß dem Gericht gesagt, ihr Partner habe sie mit Drogen vollgepumpt. Bei der Polizei hatte sie aber zugegeben, dass sie auch sozusagen zwanglos Rauschgift konsumiere. Das Gericht glaubte der Frau durchaus, dass sie sich gezwungen „gefühlt“ habe – Zweifel bestanden aber, ob es sich um Zwang im strafrechtlichen Sinn handelte.

Der Angeklagte ist für die Justiz kein unbeschriebenes Blatt. Mehrfach saß er wegen Gewaltdelikten, Diebstählen, Einbrüchen und Beleidigungen schon in Arrestzellen oder im Gefängnis. 2010 wurde er deshalb in die Türkei abgeschoben. 2008 war er nach Deutschland zurückgekehrt – und hatte sofort eine Deutsche geheiratet, von der er sich aber nach wenigen Monaten wieder scheiden ließ. Seither wird er in der Bundesrepublik „geduldet“. Wie der 29-Jährige sagte, könne er nicht zurück in die Türkei, da er dort um sein Leben fürchten müsse. Er werde von einer „Familie“ gesucht, weil er angeblich ein Mädchen geschwängert haben soll – was aber nicht der Fall sei. Einer Arbeit darf er nicht nachgehen, er wird von seinen Eltern ausgehalten. Dass es sich nicht um einen „sympathischen jungen Mann“ handelt, verdeutlichten einige Freundinnen und die Mutter des Opfers. Er habe die junge Frau „wie den letzten Dreck“ behandelt. Eine Zeugin berichtete, der Angeklagte habe gesagt, er könne seine Freundin schlagen, wann er will, schließlich sei er der „Oberchecker“.

Keinen Zweifel hatte das Gericht daran, dass der Weißenhorner seine Partnerin schlecht behandelt hatte. Richter Nielsen ließ anklingen, dass der Mann eine Mitschuld an den psychischen Problemen seiner Ex-Freundin hat.

Diese Mitschuld kann er jetzt sozusagen abarbeiten: Als Bewährungsauflage verhängte das Gericht 300 Stunden gemeinnützige Arbeit. „Damit halten wir sie vor weiterem Blödsinn ab“, so der Richter in eher fürsorglichem Ton.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren