Newsticker
RKI meldet ​11.869 Neuinfektionen und 385 Todesfälle, Inzidenz steigt auf 61,7
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Wenn Stress zur haarigen Angelegenheit wird

28.01.2015

Wenn Stress zur haarigen Angelegenheit wird

Nach der Entbindung wurden Frauen für die Gesundheitsstudie Haarproben entnommen.
Bild: TU Dresden

Ulmer Wissenschaftler messen für Studie die psycho-soziale Belastung von Schwangeren.

Zu viel Stress schadet der Gesundheit. Vor allem wenn er über längere Zeit anhält, ist er gerade für Schwangere und ihre ungeborenen Kinder ein gesundheitlicher Risikofaktor. Wie hoch die chronische Stressbelastung ist, kann seit Kurzem objektiv gemessen werden: mit der Kortisolbestimmung im Haar. Denn dieses Hormon wird bei Stress vermehrt ausgeschüttet und im Haar-Schaft eingelagert. Über die Konzentration des dort abgelagerten Kortisols kann die Stressbelastung rückwirkend sogar über mehrere Monate zuverlässig ermittelt werden. Wissenschaftler des Instituts für Epidemiologie und Medizinische Biometrie von der Universität Ulm haben sich diese neue Möglichkeit zur Bestimmung des Haarkortisols nun zunutze gemacht, um die psychosoziale Belastung von schwangeren Frauen zu erfassen.

Im Rahmen der Ulmer Spatz-Gesundheitsstudie, die in Zusammenarbeit mit der Ulmer Universitätsfrauenklinik an Neugeborenen und ihren Familien durchgeführt wird, wurden Müttern nach der Entbindung zwei dünne Haarsträhnen entnommen. „Die körpernahen, drei Zentimeter langen Haarproben enthalten Informationen über die Kortisolausschüttung der letzten drei Monate. Denn die Haare wachsen pro Monat circa einen Zentimeter“, erklärt Institutsleiter Professor Dietrich Rothenbacher, der die kürzlich in der Fachzeitschrift Psychoneuroendocrinology veröffentlichte Studie koordiniert hat.

Die Laborergebnisse wurden schließlich mit weiteren Angaben der untersuchten 768 Frauen zu ihrer familiären und persönlichen Situation sowie zur gesundheitlichen Verfassung in Verbindung gebracht. „Erste Resultate zeigen, dass Frauen, die mit ihrem Kind alleine leben, eine signifikant geringere Kortisolkonzentration im Haar hatten als andere Mütter“, so die Doktorandin und Erstautorin der Studie, Stefanie Braig. Auf den ersten Blick erscheint dieses Ergebnis paradox. Mittlerweise wissen die Forscher aber, dass ein langes dem Stress Ausgesetztsein zur Erschöpfung des Stresssystems führt, sodass die Kortisolproduktion stark abfällt. Dies könnte die vergleichsweise niedrigen Stresshormon-Werte erklären.

Weitere Ergebnisse zeigten, dass die Kortisolkonzentrationen bei rauchenden, übergewichtigen oder adipösen Frauen im Vergleich zur Vergleichsgruppe erhöht waren. Erstaunlicherweise haben aber auch die Jahreszeit und die Art der Geburt Einfluss auf den Stresshormonlevel. So lagen die Kortisolwerte bei Schwangeren, die im Winter gebären, deutlich unter denen von Müttern, die ihr Kind im Herbst oder Sommer auf die Welt bringen, und nach Kaiserschnitt waren die Werte niedriger als nach Spontangeburten.

Die neu gewonnen Erkenntnisse sollen in Folgestudien dabei helfen, die langfristigen Auswirkungen von Stress auf das neugeborene Kind zu klären. Dabei geht es beispielsweise um die Frage, inwiefern mütterlicher Stress die Entstehung von Neurodermitis, Asthma oder Übergewicht bei Kindern begünstigt.

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren