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07.03.2017

Wenn Tänzer sprechen und singen

„Pagliacci“ im Foyer des Theaters Ulm

Im Jahr 2015 wurde Beatrice Panero bereits beim Stuttgarter Solo-Tanz-Theater-Festival für eine Choreografie ausgezeichnet. Im Foyer des Theaters Ulm stellte die 25-jährige Tänzerin – Mitglied der Ballett-Compagnie von Roberto Scafati – ihre neue Arbeit „Pagliacci – Life Should Be An Opera“ vor. Diese ist inspiriert durch das Libretto der Leoncavallo-Oper „Pagliacci“ interpretiert die Geschichte aber neu: Tänzer, die selbst sprechen und singen dürfen und Sänger zwischen den Tänzern auf der Bühne. Auf diese Weise geht die Arbeit der jungen Turinerin weit über eine Choreografie hinaus und wird zum Gesamtkunstwerk.

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Es ist die klassische, destruktive Dreiecksgeschichte: Canio, Chef einer Commedia-dell’arte-Truppe und selbst als Bajazzo auftretend, macht seine Drohung wahr, seine Frau Nedda (die Columbina) zu töten, als sie ihm untreu wird. Alessio Pirrone und Giulia Insinna tanzen das Komödianten-Paar mit praller Erotik und expressivem Begehren, wobei Alessio Pirrone mit seiner sicheren Singstimme überrascht. Damien Nazabal gibt den maskierten unbekannten Geliebten Neddas, meist optisch außen vor und beobachtend, doch sehr präsent.

Das Eindrucksvolle an Paneros knapp einstündiger Interpretation: Zu den Figuren gibt es Entsprechungen, die die Emotionen spiegeln – die Sänger Maria Rosendorfsky und Emanuel Pichler in Arien live auf der Bühne, Tänzerin Julia Anna Sattler (die auch den Prolog spricht) ist mit artistischer Gelenkigkeit und intensiv-verstörtem Ausdruck der Spiegel der Seele des betrogenen Canio. Doch auch dessen Psyche ist nach dem Todesstoß an Nedda zerbrochen und tot, als sich Canio für den Auftritt als Bajazzo umzieht und schminkt.

Das Foyer als Plattform für die choreografischen Arbeiten aktiver Compagnie-Tänzer zu nutzen ist eine Idee, die öfter umgesetzt werden könnte – bietet dieses dem Publikum doch die Möglichkeit, ganz nah am Geschehen zu sein und damit auch Gestik und Mimik der Tänzer unmittelbar wahrnehmen zu können. (köd)

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