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Ulm

12.05.2020

Wie das Coronavirus die Volkshochschule Ulm betrifft

Der Leiter der Ulmer Volkshochschule, Christoph Hantel, hinter einer vor Viren schützenden Plexiglas-Scheibe.
Bild: Stefan Kümmritz

Plus Im Ulmer Einstein-Haus starten bald wieder Kurse. Doch durch Corona ist hier nichts, wie es einmal war. Chef Hantel sieht in der Krise aber Chancen.

Corona im Land, Vh im Stillstand? Von wegen. Die Ulmer Volkshochschule ist wegen der Pandemie geschlossen, trotzdem finden viele Kurse statt, die allerdings derzeit online per Zoom mit den Teilnehmern in der Ferne abgehalten werden. Eine Methode, die von den Dozenten und vielen Lernenden gut angenommen wird gemäß dem Motto: Viel besser als nichts. Doch Vh-Leiter Christoph Hantel und seine knapp 50 Mitarbeiter, von denen ein Drittel in Kurzarbeit ist, sind nach den gegenwärtigen Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen und dem uneingeschränkten Zugang zu Geschäften guter Dinge, dass sie die Pforten ihres Hauses am Kornhausplatz am 18. Mai, wenn auch mit Einschränkungen, wieder öffnen dürfen. Bei einem Rundgang durch die Vh Ulm unter Leitung von Hantel durften sich Journalisten mit Sicherheitsabstand ein Bild davon machen, welches Angebot es trotz Corona gibt und wie die Kurse jetzt vonstattengehen. „Seit 16. März sind wir auf digitale Kurse angewiesen“, berichtete Hantel. „Im Moment können wir über 120 Kurse laufen lassen, wobei diese in allen Fachbereichen angeboten werden. Der Tanzkurs geht im Moment allerdings nicht.“ Gut laufen beispielsweise Sprachkurse, Literaturkurse, Männerakademie, Yoga und Fotokurse. „Wir haben viel ausprobiert“, so Hantel. „Wir halten intern einmal pro Woche eine Teamkonferenz per Zoom ab. Da sieht man sich und entwickelt Ideen. Das hat uns gerettet und gesund gehalten.“

In der Volkshochschule beginnen jetzt wieder die Kurse

Beeindruckend sind die großen White-Boards, die in einigen Seminarräumen an der Wand hängen. Sie wurden vor eineinhalb Jahren angeschafft und bieten neue Möglichkeiten. Zum Beispiel kann man auf dem Bildschirm alle Teilnehmer eines Seminars gleichzeitig sehen und mit ihnen reden. Bei der Kultur-Schreibwerkstatt mit Anja Kislich muss im Büro des Duos Leuthe/Bruns zwar ein kleinerer Bildschirm herhalten, dafür sind die Teilnehmer sehr redsam. Eine Frau gesteht: „Ich vermisse das Zusammensein mit den anderen. Wenn ich nur am Rechner sitze, bin ich etwas faul.“ Eine andere, noch Schülerin, kann dem Fernunterricht auch Gutes abgewinnen: „Es ist ziemlich bequem, dass man auch zu Hause oder anderswo, wenn man sein Laptop dabei hat, am Kurs teilnehmen kann.“ Ein Mann warf ein: „Diese Lernmethode ist erst mal eine Notlösung. Mir ist ein Präsenzseminar deutlich lieber.“ Anja Kislich sah Vorteile beim Kurs in diesem Format wie zum Beispiel Zeitersparnis, weil man den Weg hin und zurück zur Vh nicht machen muss, bemängelte aber: „Gemeinsam an einem Text arbeiten ist nicht möglich.“

Das läuft bei der Männerakademie anders. Da wurde am Dienstag eifrig zum Thema „Corona und die Politik“ unter Leitung von Harry Erath diskutiert. Jeder sieht jeden, jeder kann mit jedem kommunizieren, Schriftliches ist nicht nötig. Etwas weniger kommuniziert Bettina Vogt mit den Teilnehmern an ihrem Yoga-Kurs. Sie führt vor allem Übungen vor und erläutert sie. Deutsch als Fremdsprache mit Aleksandra Szwedo hatte eine geringere Teilnehmerzahl und so konnte intensiv gelernt werden, was auch für den Sprachkurs Englisch mit Elsa Schröttle galt.

Die Anmeldungen gingen bei der Vh Ulm noch vor der Coronakrise ein

Das Lernen mit moderner Technik wirkte sehr engagiert und geordnet, aber der Vh-Leiter klagte: „Auch wir sind in gewisser Weise in Not. Die Anmeldungen zum Sommersemester erfolgten vor der Corona-Krise. Nur, weil die Kursteilnehmer mitziehen und nicht ihr Geld zurückverlangen und manche uns sogar Spenden zukommen lassen, können wir es schaffen. Wir haben zudem einen Soforthilfeantrag gestellt und hoffen, vom Wirtschaftsministerium 30000 Euro zu erhalten, ferner hoffen wir auf die Unterstützung der Stadt. Die steht seit 75 Jahren hinter uns.“

Um gewappnet zu sein, falls die Vh wie erhofft am 18. Mai wieder öffnet und mit Mischkursen – teils im Haus, teils online – beginnen kann, wurden Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Abgesperrte Flächen gehören dazu, Bodenmarkierungen im Treppenhaus, wo man laufen darf, Tisch- und Sitzabstände, Plexiglasscheiben, Hinweisschilder mit Verhaltensvorschriften oder Desinfektionsmittelspender. Hantel: „Wir tun dabei einerseits alles, um zu sparen und andererseits, um Ansteckungen zu verhindern. Dabei kann mit neuer Kreativität auch nachhaltig Neues entstehen.“

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