Newsticker

Zahl der Antikörper sinkt schnell: Studie dämpft Hoffnungen auf Impfstoff
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Wie hart trifft das Coronavirus den Kultur-Sommer in der Region?

Region

20.03.2020

Wie hart trifft das Coronavirus den Kultur-Sommer in der Region?

Was wird aus den Terminen des Ulmer Zelts? Viele Konzerte und Kabarettabende des Festivals liegen noch vor dem 15. Juni.
5 Bilder
Was wird aus den Terminen des Ulmer Zelts? Viele Konzerte und Kabarettabende des Festivals liegen noch vor dem 15. Juni.
Bild: Britta Pedersen, dpa

Das Ulmer Zelt berät noch, die "Literaturwoche Donau" wird verschoben. Konzertveranstalter Carlheinz Gern erklärt, dass die Arbeit weitergeht.

Die Frist verlängert sich wohl: Kulturveranstaltungen mit Publikum sind in Baden-Württemberg gestoppt, vorerst bis zum 19. April – doch der Stillstand könnte, so die Landesregierung, bis zum 15. Juni dauern. Bis zu diesem Tag könnte das Kulturleben im Bundesland – Konzerte, Lesungen, Shows – fast vollkommen brachliegen. Die Regierung erklärt, man werde in der Zwischenzeit immer wieder prüfen, ob die Maßnahmen gegen die Coronavirus-Epidemie wirken – aber das Datum, 15. Juni, schwebt über dem Frühjahr und dem Sommer. Ein absoluter Kulturstopp, welche Events würde das betreffen? Und verlängert auch Bayern die Zwangspause? Weltstars haben sich in Neu-Ulm angekündigt, Sting und die Beach Boys. Das „Ulmer Zelt“ beginnt in der Zeit der möglichen Sperre. Wie hart trifft das Virus Kultur in der Region?

Das Ulmer Zelt berät noch über das Festival-Programm

Vom 19. Mai bis zum 4. Juli will das Ulmer Zelt Musik, Show und Kabarett bieten. In vergangenen Jahren besuchten teilweise mehr als 70000 Besucher das Festival in der Friedrichsau. Jan Ilg, Leiter des Ulmer Zelts, erklärt, er könne momentan nicht viel zur Lage sagen. So viel aber: Natürlich werde hinter den Kulissen viel diskutiert. Bald werde man Entscheidungen treffen und Informationen veröffentlichen. Eine Absage einer Zelt-Veranstaltung gab es bis Donnerstagabend nicht. Manche Konzerte liegen auch jenseits der Frist – zum Beispiel der Auftritt von „Element of Crime“, der Band von Sven Regener, am 7. Juli.

Die Vorgaben werden härter, Fristen werden verlängert, manche Termine rücken somit näher an die Grenze der Sperre heran: Sting soll am 27. Juni im Neu-Ulmer Sportpark Wiley auftreten, zuvor sollen dort die Beach Boys am 25. Juni spielen. Einer der großen Veranstalter ist Carlheinz Gern, Geschäftsführer des Radiosenders „Donau 3 FM“. Er erklärt: „Es ist nicht so, dass wir uns gerade nach einem Notfallplan richten. Wir planen nicht, dass Konzerte nicht stattfinden – wir arbeiten professionell weiter.“ Und falls der Stillstand doch weit in den Sommer hineinreicht? „Abgesagt ist im größten Notfall schnell.“ Diese Konzerte seien immerhin keine Events in der Größenordnung einer Fußball-EM, sagt Gern. Die Bühnenbauer seien jedenfalls schon beauftragt, notwendige Genehmigungen habe sein Team eingeholt, er stehe in Kontakt mit dem Neu-Ulmer Ordnungsamt. Den Corona-Effekt spürt Gern bisher nur sanft: „Der Vorverkauf läuft jetzt zwar etwas schwächer, die Leute sind aber grundsätzlich immer noch optimistisch gestimmt.“ Einen Termin, den Gern mit eingefädelt hatte, haben die Corona-Sorgen aus dem Kalender gefegt: Max Giesingers Auftritt am 13. März fand nicht statt. Gern sagt, er wolle bald einen Ersatztermin ankündigen.

Wie hart trifft das Coronavirus den Kultur-Sommer in der Region?

Das Ulmer Roxy legt sein Programm auf Eis

Nichts geht mehr: Das Ulmer Roxy muss sein Programm kurzfristig ganz auf Eis legen. Das Kulturzentrum bemüht sich, Ersatztermine zu finden und unter www.roxy.ulm.de zu veröffentlichen. Für den Auftritt von Comedian Felix Lobrecht peilen die Veranstalter den 22. September an. Wer Fußball-Experte Arnd Zeigler live erleben möchte, muss wohl bis zum 11. November warten. Für „Rose Tattoo“ wird noch nach einem Ausweichtermin gesucht.

Die „Literaturwoche Donau“, die Ende April beginnen sollte, wurde auf 2021 verschoben. Sie gehört zu jenen kleinen Festivals, die sich im Ulmer Kulturleben etabliert haben. Diese Literaturwoche wäre die 8. Ausgabe gewesen. „Wir haben es schon früh gemerkt, in unserer Buchhandlung und im Verlag“, sagt Rasmus Schöll von der Literaturbuchhandlung Aegis und dem Verlag Tobalian und Milani, der gemeinsam mit Florian L. Arnold die Literaturwoche leitet. Als die Umsätze plötzlich einbrachen, schon vor einigen Tagen, habe man schnell reagieren müssen und das Festival verlegt. „Den Künstlern haben wir versichert: Selbstverständlich werdet ihr alle wieder eingeladen“, sagt Schöll und betont, was die Krise für viele Autoren bedeutet: „Sie können über den Winter kaum finanzielle Reserven ansparen, sie stehen schnell vor dem Ruin.“ Seine eigene Schockstarre habe er inzwischen überwunden, sagt Schöll. Er bemüht sich jetzt, als Buchhändler kreativ zu werden, mit Liefer- und Streamingangeboten. Sein Bauchgefühl: „Im Nachhinein war es die richtige Entscheidung.“

Der Effekt des Virus auf die Kulturszene bleibt unberechenbar

Ab 15. Mai möchte das Festival „Berblinger 2020“ den Schneider von Ulm feiern. „Kool & the Gang“ und Tom Jones wollen im Juli in Wiblingen auftreten. Die Zeit bis zum 15. Juni ist lang. Wie sich das Virus auf das Kulturleben auswirken wird, ist nicht vorhersehbar.

Lesen Sie auch: Oberbürgermeister wettert gegen Corona-Ignoranten

Warnung vor Ausgangssperren: Kommt die Corona-Ausgangssperre? Czisch warnt eindringlich

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren