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Kommentar

09.10.2020

Wir brauchen mehr Normalität in Ulm und Neu-Ulm– mit Abstand

Feuerzangenbowle gibt es dieses Jahr auf dem Ulmer Weihnachtsmarkt sicher nicht.
Bild: Felix Oechsler (Symbolbild)

Plus Rund um Ulm zeigt sich ein altes Problem von vorbeugenden Maßnahmen: Sind sie wirkungsvoll, ist der Grund, warum sie ergriffen wurden, nicht mehr spürbar. Doch Prävention bleibt wichtig. Doch darf in Sachen Glühwein die Donau nicht wieder zur Grenze werden.

Die Gartenmesse in Wiblingen ist ein kleiner Schritt in Richtung Normalität. Das tut gut. Auch wenn es noch jene der neuen Sorte ist. Es ist allzu verständlich, dass die Menschen nach sechs Monaten Ausnahmezustand genervt sind von der ewigen Leier: Abstand, Maske und bloß nicht in der Öffentlichkeit husten. Wenn dann noch am Horizont die Pandemie es fertig bringt, den alljährlichen Glühwein zu vermiesen, hört bei vielen der Spaß auf. Egal ob der Glühtee in Roggenburg wegen der kompletten Absage des Weihnachtsmarkts ins Wasser fällt – oder in Ulm, weil ein Alkoholverbot droht. Ja, das Corona-Verständnis scheint zu bröckeln.

Es zeigt sich dabei ein altes Problem von vorbeugenden Maßnahmen: Sind sie wirkungsvoll, ist der Grund, warum sie ergriffen wurden, nicht mehr spürbar. Die Menschen sind also hin und her gerissen: Sind die Sorgen unbegründet oder waren lästige Beschränkungen letztlich extrem erfolgreich? Ein Blick in Länder, deren Sterblichkeitsrate nachweislich durch Corona angestiegen ist – die USA etwa –, liefert die Antwort.

Das hilft zumindest ein wenig, die beträchtlichen Kollateralschäden – etwa in der Veranstaltungsbranche – zu ertragen. Es bleibt ja auch keine andere Wahl: Ein Corona-Hotspot – etwa auf der Gartenmesse oder dem Ulmer Weihnachtsmarkt – wäre auch nicht im Interesse der Veranstalter. Ein Teufelskreis, den hoffentlich irgendwann ein Pharmakonzern mit einem erlösenden Impfstoff zerschlägt.

Bis dahin muss darauf geachtet werden, dass vermeintliche Schutzmaßnahmen nicht das Gegenteil bewirken. Etwa als im März das Gedränge in Ulmer Baumärkten enger war als sonst, weil gefühlt der ganze Landkreis Neu-Ulm aufgrund unterschiedlicher Regelungen in Ulmer Baumärkte strömte. Das darf sich bei Glühwein-Regelungen nicht wiederholen. Mal abgesehen davon, dass ein Alkoholverbot auf Weihnachtsmärkten eh fragwürdig ist. Das Thema ist ein sehr emotionales. Vielleicht wäre es besser, den Menschen unter freiem Himmel eine Tasse Glühwein – mit Abstand zu Fremden – einfach mal zuzutrauen. Ein bisschen mehr Normalität.

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