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Breitensport

24.03.2020

Wo laufen die Breitensportler denn nun?

Ein paar Kilometer auf dem Laufband am Feierabend oder am Wochenende – diese sinnvolle und gesunde Routine wurde durch die Corona-Krise unterbrochen.
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Ein paar Kilometer auf dem Laufband am Feierabend oder am Wochenende – diese sinnvolle und gesunde Routine wurde durch die Corona-Krise unterbrochen.
Bild: Alexander Kaya

Plus Auch die Fitnessstudios bleiben in der Corona-Krise geschlossen. Wie sie das verkraften, wie sie ihre Mitglieder betreuen und warum sie auf deren Loyalität bauen

Es ist bei sehr vielen Menschen zu einer sinnvollen und gesunden Routine geworden: Am Feierabend oder am Wochenende ab ins Fitnessstudio. Ein paar Kilometer auf dem Ergometer oder Laufband abspulen, an den Geräten arbeiten. Das geht alles nicht mehr, auch die Fitnessstudios mussten wegen der Corona-Krise schließen. Wie sehr bringt das die Betreiber in Bedrängnis, werden die Mitglieder trotzdem betreut und wie läuft das eigentlich mit den Beiträgen? Wir haben uns im Landkreis umgehört.

H9 Weißenhorn: Das Studio in der Weißenhorner Altstadt hat erst seit dem September 2018 geöffnet, Geschäftsführer Thomas Mayerhofer hat das alte Brauereigebäude aus dem 15. Jahrhundert mit klassizistischer Fassade und Kreuzgewölbe zuvor für einen hohen siebenstelligen Betrag komplett renoviert. „Das sollte sich natürlich irgendwann amortisieren“, sagt Mayerhofer: „Insofern ist die Corona-Krise für uns schon ein Schlag.“ Eine existenzielle Bedrohung ist sie seiner Einschätzung nach für das H9 nicht, so lange die Dauer der Zwangspause überschaubar bleibt: „Wir haben ein paar Rücklagen.“ Die Mitglieder können derzeit online ein ständig wechselndes und auf sie zugeschnittenes Trainingsprogramm absolvieren, auf ihre Treue kann sich das Team des H9 verlassen: Die Anzahl der Sportler, die ihre Zahlungen eingestellt haben, ist an einer Hand abzuzählen. Mayerhofer verspricht für die Zeit nach der Krise: „So loyal, wie sich die Mitglieder gerade uns gegenüber verhalten, so loyal werden wir dann ihnen gegenüber sein.“

Die Handschuhe des Gegners im Gesicht

Mekong-Gym Neu-Ulm: Thomy Wiedemann sagt: „Am Ende zahlen wir sowieso drauf. Es geht darum, dass wir überhaupt überleben.“ Der Inhaber der traditionsreichsten und größten Kampfsport-Einrichtung in Neu-Ulm steht vor demselben Problem wie fast alle seine Mitbewerber: Es fallen weiterhin die laufenden Kosten an, aber die Einnahmen brechen weg. Wiedemann appelliert deswegen an die Solidarität seiner Mitglieder. Die sollen während der Zwangspause weiterhin ihre Beiträge bezahlen, die Verträge verlängern sich automatisch um die entsprechende Zeit und in der darf dann gratis trainiert werden. Als Dankeschön gibt es in der Verlängerung auch noch Getränke umsonst. Wiedemann ist vorsichtig optimistisch, dass das funktioniert, zumal er zu vielen seiner Mitglieder ein freundschaftliches Verhältnis pflegt: „Wir haben zusammen Blut und Schweiß vergossen.“ Für die vorübergehende Schließung seines Box-Gyms hat er grundsätzlich volles Verständnis: „Bei uns ist es ja noch krasser als in anderen Studios. Man bekommt schließlich die Handschuhe des Gegners ins Gesicht.“ Die Familie Wiedemann ist von der Corona-Krise übrigens gleich doppelt betroffen. Thomys Ehefrau Zuzana betreibt seit zehn Jahren in der Neu-Ulmer Kasernstraße das Pole-Dance-Studio Polepoint und natürlich musste das ebenfalls schließen. Viele ihrer Kundinnen haben aber zu Hause eine Stange, Zuzana Wiedemann erteilt online mit Video-Einspielungen Unterricht. Auch das funktioniert nach den Beobachtungen von Thomy Wiedemann: „Mindestens 80 Prozent der Mädels nehmen dieses Angebot wahr.“

Wo laufen die Breitensportler denn nun?

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V8 Vöhringen: 45 Mitarbeiter, 300000 Euro an Investitionen allein im vergangenen Jahr, 45 Kursstunden in jeder Woche, 1700 Quadratmeter an Trainingsfläche, derzeit entsteht ein 190 Quadratmeter großer Anbau – das Studio im Vöhringer Norden bietet seinen Mitgliedern eine Menge. Trotzdem sagt Geschäftsführer Heinz Ammann: „Wer in unserer Branche behauptet, dass diese Situation für ihn nicht schwierig ist, der lügt.“ Der 68-Jährige, der nach wie vor auch selbst Kurse gibt, ist trotzdem zuversichtlich: „Wer gut gearbeitet hat und immer für seine Mitglieder da war, der hat gute Chancen, diese Krise zu überstehen. Wir werden alles Erdenkliche tun, um unser Personal zu halten. Ich bin davon überzeugt, dass es uns gelingt.“ Das V8 setzt auf die Loyalität seiner Mitglieder, deren Verträge werden um die quasi verlorene Zeit nach hinten verlängert. Betreut wird die Kundschaft auch während der Zwangspause. Demnächst läuft ein Projekt mit Online-Übungen mit den Trainern in Echtzeit an.

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