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Ulm

13.10.2020

Wohnen auf Zeit in Ulm: So lebt es sich in einem Mikro-Apartment

Wiebke Holtz in ihrem Mikroapartment im Dichterviertel. Die 24-Jährige arbeitet vorübergehend als Krankenschwester in Ulm.
Bild: Sebastian Mayr

Plus In Ulm sind zuletzt Wohnformen für Menschen entstanden, die nur für kurze Zeit in der Stadt sind. Ein Blick hinter die Tür eines Mikroapartments im Dichterviertel.

Sie gehörte Anfang Juli zu den ersten Bewohnerinnen und Bewohnern und sie wird noch bis Ende des Jahres bleiben: Wiebke Holtz ist so etwas wie eine Langzeitmieterin in der Kleiststraße 33 im Ulmer Dichterviertel. 111 Mikroapartments sind dort entstanden, eingerichtet für die Bedürfnisse von Geschäftsreisenden. Geschäftsreisende, die in den seltensten Fällen für ein halbes Jahr bleiben dürften.

Auch Wiebke Holtz ist beruflich in Ulm, die 24-Jährige arbeitet als Krankenschwester für eine Leiharbeitsfirma und wird seit April auf der Intensivstation des Bundeswehrkrankenhauses (Bwk) eingesetzt. Appartement, Hotelzimmer, Zwei-Zimmer-Wohnung, Hotelzimmer, Hotelzimmer: In den ersten drei Monaten in Ulm musste die Ostfriesin viermal umziehen, jetzt wohnt sie im Dichterviertel. Das Konzept der Serviced Apartments kannte die 24-Jährige vorher nicht: Das Zimmer ist möbliert, Holtz bekommt Handtücher und Bettwäsche gestellt, regelmäßig kommt jemand zum Putzen vorbei. Im Erdgeschoss gibt es Waschmaschinen, auf dem Dach eine Terrasse mit Blick aufs Münster. Tagsüber hilft eine Ansprechpartnerin bei Problemen.

Ansprechpartner für alle Probleme helfen Bewohnern von Brera in Ulm

Einmal brauchte Wiebke Holtz Hilfe: Der Abfluss war verstopft – und am Tag nach dem Hinweis beim Personal wieder frei. In einem vorherigen Apartment war das anders gewesen, erinnert sich die 24-Jährige: Dort hatte sie eine Woche ohne Strom auskommen müssen, weil sie niemanden erreichte, der das Problem behoben hätte. „Es ist eigentlich wie im Hotel, nur dass man auch kochen kann“, beschreibt Wiebke Holtz. Vom Apartment-Haus im Dichterviertel sind es nur ein paar Minuten in die Innenstadt, zudem ist das Haus verkehrsgünstig an B10 und Hauptbahnhof gelegen. Mit dem Auto braucht die Krankenschwester vor Schichtbeginn nicht lange ins Bwk.

Die Ansprechpartnerin im Apartment-Haus kennt die Dienstpläne der Bewohner, auch den von Wiebke Holtz. Wenn die Krankenschwester von der Nachtschicht nach Hause kommt, hängt ein Hinweisschild an ihrer Tür: „Achtung Nachteule“. Keiner soll klingeln oder klopfen, die Nachtdienstler sollen ausschlafen dürfen.

Mikroapartments richten sich an Menschen, die vorübergehend beruflich in Ulm sind

Zu ihren Nachbarn hat die 24-Jährige nicht viel Kontakt, sie verbringt ihre Freizeit mit Freunden und Kollegen. In dem Haus, das von der Münchner Kette Brera betrieben wird, wechseln die Bewohner häufig. Nach Angaben einer Brera-Sprecherin liegt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer aktuell bei 21 Nächten, Ziel sind 30 Nächte. Seit der Eröffnung habe die Belegung stetig zugenommen, bis zum Jahresende soll sie bei 45 Prozent liegen. Das ist aus Sicht des Unternehmens realistisch.

Kürzlich sei im Zimmer nebenan jemand eingezogen, berichtet die Krankenschwester. Das habe sie zunächst gar nicht bemerkt. Als anonym empfindet sie das Wohnen aber nicht: Mit einem anderen Kurzzeitmieter, der wie sie aus dem Norden kam, unterhielt sie sich immer wieder. An warmen Tagen sie die Dachterrasse voll von Bewohnern und deren Freunden gewesen. Durch den „Wanderzirkus“ Bwk lerne sie viele Leute kennen. „Und ich arbeite den ganzen Tag mit Menschen. Da ist es manchmal gar nicht so schlecht, wenn ich für mich alleine bin“, ergänzt sie.

Serviced Apartments: Mehrere Anbieter in Ulm und Neu-Ulm

Brera, der Betreiber der Serviced Apartments im Dichterviertel, betreibt derzeit fünf Häuser in Frankfurt, München, Nürnberg, Leipzig und Ulm, zwei weitere sollen dazukommen. In der Doppelstadt ist das Konzept noch relativ neu, aber es gibt auch andere Betreiber: Limehome am Ehinger Tor und Orange Hotel in Söflingen und in der Neu-Ulmer Dieselstraße. Die Apartments im Campus Village in der Neu-Ulmer Von-Hünefeld-Straße sollen nicht nur Studenten ansprechen. Und in den Sedelhöfen, im Bauprojekt Ypsilon am Ehinger Tor und im Dornstadter Baugebiet Arkadien entstehen weitere Mikroapartmens.

Ein Bett, eine Küchenzeile, ein Tisch, ein Kleiderschrank und ein Badezimmer – Wiebke Holtz hat sich mit dem Konzept angefreundet: „Ich finde es wirklich gemütlich“, sagt sie. Sie könne sich ein solches Einzimmerapartment auch für längere Zeit vorstellen, nicht nur als Übergangslösung.

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