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Weißenhorn

02.07.2020

Wolf sucht „Wölfchen“

Kathi Wolf

Plus Kathi Wolf veranstaltet Kabarett-Wettstreit

Man kennt das Klischee: Der Schwabe hängt – höflich formuliert – doch sehr inniglich an seinem Sparstrumpf. Haushalten ist hierzuländle Paradedisziplin und Sparsamkeit keine Tugend, sondern selbstverständlich. Aber wie steht es denn um den Humor, um Comedy und Kabarett? Geizt der Schwabe auch mit Applaus – mit der Betätigung seiner Lachmuskulatur? „Nein“, sagt Kathi Wolf. „Da unterschätzt man die Menschen hier.“ Und dann beginnt die Kabarettistin aus Weißenhorn zu schwärmen, von gigantischen Abenden, die sie im historischen Theater ihrer Heimatstadt schon erlebt hat: „Da haben wir das Theater gemeinsam förmlich abgerissen.“ Und deshalb hat Wolf jetzt einen Kabarett-Preis für Weißenhorn ins Leben gerufen: Das „Weißenhorner Wölfchen“ wird am 12. Dezember 2020 zum ersten Mal vergeben – die Namensähnlichkeit ist definitiv kein Zufall. Wolf und die Stadt Weißenhorn veranstalten diesen Bühnen-Wettbewerb, die Bewerbungsfrist läuft bis zum 15. August. Dem Gewinner winken 1000 Euro und ein Soloauftritt im Stadttheater.

Mit dem Heimatstreifen „Landrauschen“, einer schrulligen Hommage an Bubenhausen bei Weißenhorn, machte Wolf als Schauspielerin auf sich aufmerksam – doch zu Hause ist sie auf den Kleinkunstbühnen im ganzen Land, von Erding bis Köln. Wolf weiß aus Erfahrung: Mit Kabarett-Preisen können sich auch kleine Städte auf der Humor-Landkarte etablieren. „Da dachte ich mir: So was würde gut hierher passen. Weißenhorn hat das Potenzial.“ Wolf kennt solche Wettbewerbe: Sie liebt es, mit Kollegen gemeinsam auf der Bühne zu stehen, im freundlichen Wettstreit um die besten Pointen. Eins steht für sie jetzt schon fest: Mit Stand-up-Comedy alla Mario Barth – „Kennste, kennste, kennste?“ – könne man das „Wölfchen“ nicht gewinnen. Hier kann man nur mit Originalität, Hintersinn und Vielfalt punkten, egal ob mit Wortakrobatik oder Musikkabarett. Eine Jury wählt vier Kandidaten für das große Finale im Stadttheater aus, aber das Publikum krönt den Gewinner. Wolf würde sich ein gemischtes Kandidatenfeld wünschen: 50 Prozent Frauen, 50 Prozent Männer. Denn: „Es passiert immer noch oft, dass ich die einzige Frau bei solchen Events bin.“

Landrat Thorsten Freudenberger ist Schirmherr des Wettbewerbs. „Er war sofort begeistert und hat mir gleich angeboten, dass er beim Wettbewerb eine Rede hält“, sagt Wolf. Sie freute sich – und stellte nur eine einzige Bedingung für die Rede: „Bitte kurz!“ Und falls der Landrat möchte, werde sie ihn coachen, damit er ein paar Pointen landen kann.

Schräge Zeiten für Kabarettisten: Corona, Lockdown, die Welt dreht am Rad – doch die Theater sind geschlossen. „Wir alle hätten so viel Material, können es aber nicht auf die Bühne bringen“, sagt Wolf. Langeweile scheint ihr trotzdem fremd: Sie arbeitet als studierte Psychologin mit Jugendlichen. Außerdem hat sie mit Online-Comedy-Formaten experimentiert. Im August wird sie wieder auftreten: „Wobei ich es erst glauben kann, wenn ich tatsächlich auf der Bühne stehe.“ (veli)

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