Newsticker
Corona: Zahl der insgesamt gemeldeten Infektionen in Deutschland übersteigt drei Millionen
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Zecken und Co.: Angriff der Mikro-Monster

FSME-Infektionen

11.06.2017

Zecken und Co.: Angriff der Mikro-Monster

Ihre Stiche können schwere Krankheiten übertragen: Zecken sind in diesem Jahr in der Region zahlreich vertreten.
3 Bilder
Ihre Stiche können schwere Krankheiten übertragen: Zecken sind in diesem Jahr in der Region zahlreich vertreten.
Foto: Patrick Pleul, dpa

Schnaken, Wespen und Zecken machen den Menschen in der Region das Leben in diesem Jahr besonders schwer. Sie haben sich stark vermehrt. So kann man sich schützen.

Dieser Anblick hat in den vergangenen Tagen schon so manchen Hundehalter schockiert: Da kommt Waldi beim Spaziergang im Wald aus dem Unterholz zurück – und der ganze Hals ist überzogen von braunen Kügelchen. Zecken haben sich an dem Tier festgesaugt. Was die Plagegeister angeht, ist in diesem Jahr in der Region Vorsicht geboten. Denn die Insekten haben sich stark vermehrt und sind zahlreich unterwegs. Ähnlich sieht es bei Stechmücken aus, die aktuell in Schwärmen auf die Suche nach Blutquellen gehen. Und auch Wespen dürfte es heuer viele geben: Sie erfüllen als Aasfresser eine wichtige Aufgabe als Umweltpolizei – können im Biergarten aber durchaus nerven. Dass sich all die unliebsamen Insekten und Spinnentiere stark vermehrt haben, hat Gründe. Wer nach dem gefühlt langen Winter auf ausgedünnte Populationen gehofft hatte, liegt falsch.

Das weiß Bernd Kurus-Nägele, der Vorsitzende des Bund Naturschutz im Kreis Neu-Ulm – er kennt sich mit den Tierchen aus: „Für die war es eigentlich ein recht angenehmer Winter.“ Das zeigten auch die Vermehrungsraten, die der Experte als „ganz beachtlich“ bezeichnet. An Kälte seien die Krabbeltiere in ihren Winterstadien, also ihrer Larvenform, angepasst. Feuchtigkeit setze Zecken und Insekten eher zu: Bei mild-feuchtem Wetter würde die Brut von Pilzen befallen – und dann eingehen, sagt Kurus-Nägele.

FSME-Risiko: Schutz vor Zecken, Mücken und anderen Insekten

Doch wie kann man sich vor den Stichen von Mücken und Zecken schützen? Franziska Utzinger, die Sprecherin des Apothekerverbands im Landkreis Neu-Ulm, weiß Antworten darauf: Als vorbeugende Maßnahme empfiehlt sie in der Natur geeignete Kleidung zu tragen, also lange Hosen und Hemden, die möglichst viel Haut bedecken. Auch Mückenkerzen und spezielle Duftmischungen zur Insektenabwehr könnten helfen, genauso wie das Einsprühen der Haut mit Repellentien, also Sprays zur Abwehr der Plagegeister. Die sorgten dafür, dass Mücken oder andere blutsaugende Krabbeltiere den Geruch des Menschen nicht mehr wahrnähmen, sagt Utzinger. Es gebe Sprays mit chemischen und natürlichen Wirkstoffen, wie ätherische Öle.

Die meisten Mückenstiche seien nicht gefährlich, sondern wegen des Juckreizes schlicht unangenehm. Für Allergiker könne ein Wespenangriff allerdings schlimme Folgen haben.

Schnaken und andere Stechmücken seien in unserer Region nicht als Krankheitsüberträger bestätigt, Martin Küfer vom öffentlichen Gesundheitsdienst des Landratsamts. Anders als in tropischen Ländern, wo sie Malaria oder Dengue-Fieber verbreiteten. Auch wenn die asiatische Tigermücke bisweilen im Flugzeug oder per Schiff nach Deutschland eingeschleppt werde: Küfer hat noch keine Berichte über Ansteckungen mit Tropenkrankheiten in der Region erhalten.

Anders sieht es bei Zecken aus: Die Spinnentiere könnten Menschen durch ihre Stich mit gefährlichen Krankheiten infizieren. Küfer rät: „Wichtig ist, sich durch richtige Kleidung zu schützen.“ Zecken könnten vor allem zwei Erreger übertragen: Borrelien, also Bakterien, die die Krankheit Borreliose auslösen, und Viren, die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auslösen könnten – eine Art der Hirnhautentzündung.

Impfung gegen FSME bannt nicht alle Gefahr durch Zecken

Die Zeckenschutzimpfung, von der gerade im Frühjahr immer wieder die Rede sei, schütze nur vor FSME, nicht jedoch vor Borreliose. „Trotzdem ist die Impfung sehr sinnvoll“, sagt Küfer. FSME sei eine schwere Erkrankung und durch die Vorbeugung sei zumindest eine Gefahr beseitigt. Wer in anerkannten Risikogebieten lebe, müsse für die Impfung nichts bezahlen. Die Kosten übernehmen dann die Krankenkassen. Zu solchen Risikogebiete zählen unter anderem auch die Kreise Neu-Ulm, Alb-Donau, Unterallgäu sowie die Stadt Ulm, wie eine eine aktuelle Karte des Robert-Koch-Instituts zeigt. Wer sich impfen lassen will, kann sich bei seinem Hausarzt oder seiner Krankenkasse informieren, so Küfer. Der Mediziner empfiehlt, den Körper nach Aufenthalten in der Natur gründlich nach Zecken abzusuchen.

Wie man sie fachgerecht entfernt, erklärt Apothekerin Utzinger: Am besten funktioniere das mit einer Zeckenpinzette oder einer speziellen Zange. Damit soll das Tier gerade herausgezogen und dabei nicht gedreht werden – ansonsten könnten der Kopf abgedreht und Krankheitserreger freigesetzt werden. Danach sollte die Stichstelle desinfiziert und beobachtet werden: Bilde sich ein roter Ring um die Wunde herum, deute das auf eine Infektion mit Borreliose hin. Dann sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden, so Utzinger.

Wer im Sommer Gerade wer im Freien essen möchte, fühlt sich auch von Wespen oder Bienen belästigt. Der Bund Naturschutz gibt auf seiner Internetseite Tipps zum Umgang mit den Tierchen, zum Beispiel das Essen draußen abzudecken und beim Trinken einen Strohhalm zu verwenden. Außerdem sollten heftige Bewegungen vermieden werden, sodass sich die Wespen nicht bedroht fühlen. So könnten selbst Mensch und Wespe als friedliche Nachbarn zusammen leben.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

12.06.2017

(Themenfremd/edit)

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren