Startseite
Icon Pfeil nach unten
Neu-Ulm
Icon Pfeil nach unten
Neu-Ulm
Icon Pfeil nach unten

Corona grassiert wieder im Raum Ulm und Neu-Ulm

Ulm/Neu-Ulm

Corona grassiert wieder im Raum Ulm und Neu-Ulm

  • |
  • |
  • |
  • |
    Positiv oder negativ? Im Raum Ulm und Neu-Ulm tritt das Coronavirus wieder gehäuft auf. Das belegen Werte aus der Abwasserüberwachung im Klärwerk Steinhäule.
    Positiv oder negativ? Im Raum Ulm und Neu-Ulm tritt das Coronavirus wieder gehäuft auf. Das belegen Werte aus der Abwasserüberwachung im Klärwerk Steinhäule. Foto: Jens Kalaene, dpa (Symbolbild)

    Es erinnert an zum Glück längst vergangene Tage. Doch derzeit scheint es wieder häufiger zu werden, dass jemand im Bekanntenkreis sagt, er oder sie sei an Corona erkrankt. Meldepflichtig ist die Krankheit nicht mehr. Doch wie ist die Lage im Raum Ulm und Neu-Ulm? Grassiert das Virus tatsächlich wieder? Und wie wirkt sich das auf den Alltag in den Praxen der Hausärzte aus?

    Inwiefern das Coronavirus in der Ulmer Region eine Rolle spielt, lässt sich durch die Abwasserüberwachung im Klärwerk Steinhäule in Neu-Ulm nachvollziehen. Auf einer Fläche von rund 25 Hektar – umgerechnet etwa 35 Fußballfelder – wird dort das Abwasser von mehr als 220.000 Menschen sowie das Wasser aus zahlreichen Betrieben gereinigt. Zum Zweckverband gehören neben den Städten Ulm, Neu-Ulm, Senden, Blaubeuren und Blaustein auch Gemeinden wie Illerkirchberg, Staig und Schnürpflingen.

    Klärwerk Steinhäule: Corona-Belastung im Ulmer und Neu-Ulmer Abwasser nimmt zu

    Seit April 2021 wird das Abwasser im Klärwerk unter anderem auf das Coronavirus hin untersucht. Weil jeder Mensch aufs Klo muss, gelten die Werte als ziemlich verlässlich. Immer noch werden zwei Mal die Woche Proben genommen.

    Die aktuellen Werte nehmen ungefähr seit Juli zu, erklärt Erwin Schäfer, Betriebsleiter des Klärwerks, beim Blick auf die Daten. Das jüngste Ergebnis liegt demnach bei etwa 80 Genkopien pro Milliliter Abwasser. Das ist circa die Hälfte der Spitzenwerte während der Pandemie. Im Sommer und Herbst 2022 wurden etwa 160 gemessen. Auch im Herbst 2023, als die Pandemie eigentlich schon für beendet galt, waren es zeitweise noch 120 Genkopien pro Milliliter.

    Was Schäfer anhand der Zahlen vor allem während der Pandemie rückblickend auffällt: Zwar war das Virus laut Abwasserüberwachung in der Region sehr stark vertreten. Die anhand von Tests gemessene Sieben-Tage-Inzidenz, an der zeitweise auch die Einschränkungen fest gemacht wurden, war jedoch vergleichsweise deutlich niedrig. „Es wurde einfach nicht mehr getestet“, so Schäfer.

    Corona-Befund spielt für die Hausärzte bei der Behandlung keine Rolle mehr

    Und wie wirken diese Werte nun auf die Lage in den Arztpraxen aus? Stefan Thamasett, Hausarzt im Neu-Ulmer Stadtteil Offenhausen und zugleich Sprecher seiner Zunft im Landkreis Neu-Ulm, glaubt auch, dass Corona auf dem Vormarsch ist. Er kontrollierte in der Regel aber nicht mehr, ob es sich tatsächlich um dieses Virus handelt, wenn jemand mit Erkältungssymptomen kommt. „Weil es keinen Unterschied in der Behandlung gibt“, sagt er. Ein Teil seiner Patientinnen und Patienten mache noch einen Test. Das Ergebnis aber spiele keine Rolle mehr. „Außer, dass es dann einen Namen hat.“ Schlussendlich seien die zu ergreifenden Maßnahmen dieselben wie bei jeder anderen Viruserkrankung auch. „Man sollte nicht Busfahren und alle anstecken“, sagt Thamasett. Die aktuelle Infektwelle beschreibt er als „noch nicht ungewöhnlich hoch“.

    Stefan Thamasett hat eine Hausarzt-Praxis im Neu-Ulmer Stadtteil Offenhausen.
    Stefan Thamasett hat eine Hausarzt-Praxis im Neu-Ulmer Stadtteil Offenhausen. Foto: Archivbild

    Aussagen, die er so vor vier oder fünf Jahren keineswegs so getroffen hätte. Die derzeit vorherrschende Corona-Variante sei nicht zu vergleichen mit der zu Beginn der Pandemie. „Die Aggressivität, das krank machende Potential, geht mit der Zeit verloren. Dafür wird es ansteckender.“ Doch Corona habe sich zwischenzeitlich so entwickelt wie viele andere Viruserkrankungen auch. Ausgenommen Ebola, das habe sich weiterhin kaum verändert: „Das kriegen wenige, aber die sind dann dem Tod geweiht. So war es bei Corona am Anfang auch.“

    Das Impfen scheinen die Menschen „satt“ zu haben, meint Thamasett. Zwar sei die Impfmüdigkeit im vergangenen Jahr noch höher gewesen, jedoch laufen Grippeschutzimpfungen „ganz schleppend“. Persönlich könne er das nachvollziehen. „Da ist politisch viel Schindluder getrieben worden. Das vergisst man nicht so schnell“, so der Allgemeinmediziner. Für die ältere Generation aber sei das „brandgefährlich“.

    Bellenberger Hausarzt Hennrich wünscht sich, dass erkältete Personen eine Maske tragen

    „Wir haben seit zwei Wochen eine richtige Erkältungswelle“, sagt der Bellenberger Hausarzt Horst Hennrich. Auf Corona werde aber auch bei ihm nicht mehr getestet. Außer einer hundertprozentigen Diagnostik bringe das nichts, auch nicht für die Therapie. „Die Angst unter den Leuten ist gewichen, die nehmen das hin“, meint er. Unter-60-Jährige ließen sich dagegen auch nicht mehr impfen. Bei den Ü60ern wolle etwa jeder zweite eine Corona-Impfung. „Viele sind corona-müde“, sagt Hennrich. „Da kann man noch so argumentieren.“

    Auch Masken wolle keiner mehr tragen. Doch das sei etwas, das er sich durchaus wünschen würde. Insbesondere zum Schutz der anderen, vor allem in geschlossenen Räumen. Viele Patientinnen und Patienten würden das aber nicht tun. Er tue das aber nach wie vor, wenn er erkältete Personen behandelt.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren