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Voltigieren

03.05.2019

Akrobatik auf vier Hufen - so trainieren die Voltigierer des PSV Roggenburg

Bis zu viermal pro Woche trainiert das hochklassigste Volitigier-Team des PSV Roggenburg. Extra aus Frankreich kommt eine Trainerin für den Wettkampf.

Der PSV Roggenburg startet in die neue Saison. Dahinter steckt einiges an Aufwand. Sogar ein hölzernes „Pferd“ mit Motor kommt zum Einsatz.

Es ist verdächtig still in der Reithalle des PSV Roggenburg. Ein paar Sonnenstrahlen fallen herein, sorgen für fahles Licht. Plötzlich kommt Leben in die „Bude“. Tamara Spreng, stellvertretende Vorsitzende des Vereins und Voltigier-Trainerin, führt ein Pferd herein, das auf den Namen „Impuls“ hört. Den Impuls für das Folgende gibt aber Tamara Spreng. Ein paar kleine Mädchen und jüngere Frauen hüpfen in die Halle zum Warmmachen vor dem Training, während Impuls schon an der von Spreng geführten Longe (so wird die Leine genannt) brav und gleichmäßig im Kreis galoppiert. Auch das Pferd muss warm werden, bevor das Voltigier-Training der sechsköpfigen Roggenburger S-Gruppe beginnt. S steht für die Kategorie schwer, in die das erste Team des PSV – die jüngste Sportlerin ist neun und die Älteste 25 Jahre alt – aufgestiegen ist und nun dem Debüt in der höchsten Leistungsklasse entgegenfiebert.

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Mit Herumhüpfen ist es beim Warmmachen nicht getan. Solange sich Tamara Spreng alleine mit Impuls beschäftigt, betätigen sich die „Voltis“ im Übungsraum. Er ist eng, voll mit Matten und Holzpferden, die eher Böcken gleichen und es riecht nach Stall. Aber der Raum ist fürs Training unerlässlich. Während zwei Mädchen noch Gymnastik machen und zwei andere Dehnübungen absolvieren, hat sich ein Duo auf ein Holzpferd geschwungen, um das gezielte Training zu starten. Es ist kein gewöhnlicher Bock, sondern einer mit eingebautem Motor, der das „Pferd“ so zum Schwingen bringt, dass es den Galopp simuliert. „Auf diesem könnte man eine Weltmeisterschaftskür absolvieren“, erläutert Tamara Spreng. „Es fehlen nur die Fliehkraft und die leichte Unregelmäßigkeit des Galopps eines echten Pferds.“

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Die Voltigierer des PSV Roggenburg starten in die neue Saison

Auch wenn Zoe Spreng, Tochter der Trainerin, beim Wort Krafttraining etwas die Nase rümpft, bekennt sie: „Es muss sein und das Dehnen mag ich sehr.“ Dann ist sie wie ihre Kameradinnen froh, wenn es auf den Rücken von Impuls geht. Musik ertönt: Aus den Lautsprechern liefern die Dire Straits die Klänge fürs „Live-Training“. Jetzt erkennt der Besucher, was die Erfahrenste im Team, Franzi Seiffert zuvor meinte, als sie betonte: „Voltigieren ist sehr anstrengend, auch wenn die Pflicht nur sechs und die Kür nach einer Pause vier Minuten dauert.“ Alleine schon das Aufsteigen auf das an der Longe geführte und im Kreis galoppierende Pferd ist zumindest für die Kleineren eine Hürde. Im Training darf geholfen werden, beim Wettkampf nicht. Dann gilt es, auf Impuls die Balance zu finden, zu halten und zu turnen. Bis zu drei „Voltis“ dürfen gleichzeitig auf dem Pferd sein, wobei mindestens zwei Körperkontakt zum Pferd halten müssen. Zeigen sie Übungen, bei denen sie neben- und übereinander sitzen oder stehen, geht es ins Akrobatische und wird in der schweren Klasse schon mal mit einem kühnen Salto aufgelöst.

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Das Training ist wichtig, denn die neue Saison steht vor der Tür. Der PSV Roggenburg wird sie an diesem Wochenende mit einem Heimturnier eröffnen. Mit dem Training für die Saison beginnen die Sportlerinnen ganz früh. Seit Jahren kommt immer im Oktober die französische Tanz- und Choreographie-Trainerin Rosine Boisgerault und kümmert sich um den Ausdruck. Zwei Voltigier-Richterinnen üben mit den Sportlerinnen die Schwierigkeiten, die Gestaltung und die Ausführung ein. Trainiert wird mindestens dreimal die Woche, die S-Gruppe trifft sich in der Regel viermal für je zwei Stunden. Im Winter geht’s ins Fitnessstudio, wobei auch mit dem Pferd gearbeitet wird, aber, so Franzi Seiffert: „Ab 20 Grad minus hört’s auf.“ Konzentrationsfähigkeit müssen die „Voltis“ quasi selbst erlernen. Ganz wichtig: „Man muss bei diesem Sport sehr mutig sein und Vertrauen in die anderen haben, das ist ein sehr anspruchsvoller Sport“, so Tamara Spreng. „Daher sind die jungen Damen auch in der Freizeit viel zusammen.“

Trainerin aus Frankreich unterstützt die Roggenburger Voltigierer

Seit drei Jahren geht es einmal im Jahr ins einwöchige Trainingslager nach Finale Ligure an der italienischen Riviera. Da üben die „Voltis“ schon einmal zum Erstaunen und zur Freude der anderen Gäste am Strand auf dem mitgenommenen Holzpferd. Einmal dabei ist auch die Landshuterin Lissi Kern. Sie absolviert beim PSV ein freiwilliges soziales Jahr und ist Mitglied der S-Gruppe. Insgesamt gibt es beim Verein neun Gruppen, davon vier leistungsorientierte. Nach ihrem sozialen Jahr wird Kern die Gruppe wieder verlassen. Der Grund leuchtet ein: Die 18-Jährige will Konditorin werden und hat einen Ausbildungsplatz im berühmten Wiener Hotel Sacher bekommen.

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