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Ratiopharm Ulm

07.05.2020

Derek Willis zu Turnierplänen der BBL: "Weiß nicht, was ich davon halten soll"

Derek Willis von Ratiopharm Ulm (im Hintergrund Co-Trainer Danny Jansson) hat Ulm verlassen, um während der Corona-Pandemie in seiner Heimat USA zu sein. Doch, wenn die Pläne der Basketball-Bundesliga durchgewunken werden, könnte er zurück nach Deutschland kommen – unter strengen Auflagen.

Plus Nach dem Corona-Ausbruch ist der Ulmer Basketballer Derek Willis in die Heimat USA geflogen. Im Interview erzählt er von der Lage vor Ort und warum er die Turnier-Pläne der Bundesliga kritisch sieht.

Alles könnte so normal sein: Vor etwas über einem Monat hat sich der Ulmer Basketballer Derek Willis mit seiner Frau Keely ins Flugzeug gesetzt, um zurück in die Heimat USA zu fliegen. Er lebt dort, in Elizabethtown im Bundesstaat Kentucky, bei der Familie seiner Frau, mit dem Hund Piston und sieben Hasen. Der Alltag ist strukturiert und eigentlich genießt er es gerade zu Hause. Als sein Handy Anfang der Woche klingelt, sitzt der 24-Jährige vor einem Lebensmittelladen – es ist ein Uhr mittags Ortszeit – und beantwortet im Gespräch Interview-Fragen, die dann doch zeigen, dass es gerade alles andere als normal ist.

Zurückgeflogen ist er nicht aus Heimweh, sondern weil er während der Corona-Pandemie gerne bei seiner Familie sein wollte. Wie und wann es für ihn mit dem Basketball weitergehen wird, steht auch noch in den Sternen. Das Turnier, das die Bundesliga gerne als Saisonende in München veranstalten würde, hat noch nicht das Okay der Behörden bekommen und auch Willis fremdelt noch mit der Idee, für drei Wochen mit neun anderen Teams in einem Hotel isoliert zu sein. Während er spricht, huschen immer wieder Menschen mit Mundschutz in oder aus dem Laden.

Die USA haben gerade ziemlich zu kämpfen mit Corona, Sie sind zurück in der Heimat. Wie erleben Sie die Situation gerade?

Derek Willis: Es ist schon merkwürdig. Wenn man in den Lebensmittelladen geht, dann sind da die Abstandsregelungen. Jeder soll sechs Fuß voneinander entfernt bleiben. Gerade eben ist eine Frau mit Maske und Handschuhen in den Laden gegangen. Hoffentlich wird das nicht die Norm, aber wir müssen wohl abwarten, wie sich das alles entwickelt.

Und wie nehmen Sie die Stimmung der Leute wahr?

Willis: Ich habe den Eindruck, als hätten die Leute hier gemischte Gefühle wegen der ganzen Sache. Es gibt Menschen, die den Regeln ziemlich strikt folgen und dann gibt es die, die das nicht tun. Außerdem sind da noch diejenigen, die so etwas wie einen Sicherheitsanzug tragen und mit niemandem etwas zu tun haben möchten. Wir jedenfalls halten uns an die Vorgaben und tragen Masken.

Derek Willis von Ratipharm Ulm im Interview

Der Alltag bei Ihnen zu Hause läuft dafür ziemlich normal ab.

Willis: Wir machen, was man eben zu Hause so tut: Aufstehen, frühstücken, mit dem Hund spazieren gehen und anschließend trainiere ich und werfe ein paar Körbe. Wir haben von unserem Athletik-Trainer viele Anregungen mitbekommen, um uns fit zu halten. Daneben mache ich noch ein paar andere Übungen, die mir gefallen.

Als Profisportler sind Sie es gewohnt, sich dem Wettkampf zu stellen, Basketball zu spielen und sich mit anderen zu messen. Wie schwierig ist es, gerade nicht spielen zu können?

Willis: Ziemlich schwierig. Ich vermisse den Basketball und mich mit meinen Teamkollegen zu unterhalten. Jeder von uns fühlt sich gerade etwas leer und will schnell wieder zurück. Unter den aktuellen Umständen ist es aber natürlich erst mal wichtiger, sicher zu sein.

Um Sicherheit geht es auch im Plan der Bundesliga, die Saison mit einem Turnier innerhalb von drei Wochen zu Ende zu spielen. Was halten Sie von dem Vorschlag? Würden Sie für das Turnier zurück nach Deutschland kommen?

Willis: Ich weiß nicht wirklich, was ich davon halten soll. Wenn es am Ende funktioniert, gut. Trotzdem hätte ich noch gerne mehr Informationen, um eine finale Entscheidung treffen zu können – ich glaube, das geht auch den anderen so. Nichtsdestotrotz gehe ich offen an die Sache ran. Vor allem, weil meine Frau und ich Deutschland sehr vermissen.

Würde ein solches Turnier stattfinden, würde das aber erst mal bedeuten, dass Sie nach ihrer Einreise 14 Tage in Quarantäne leben müssten. Vor Ort beim Turnier würden genau so strikte Regeln gelten. Ist der Aufwand das wert?

Willis: Das weiß ich eben nicht. Da steckt eine Menge drin. Wir wären beim Turnier zusammen mit den anderen neun Teams isoliert und die Regierung könnte das Ganze trotzdem jederzeit abblasen. Da hängt einfach viel dran, deshalb brauchen wir mehr Informationen, um eine Entscheidung treffen zu können.

Zumal noch nicht einmal klar ist, ob es das Turnier überhaupt geben wird.

Willis: Exakt.

Turnier-Pläne der BBL sieht Derek Willis kritisch

Egal, ob die Saison mit dem Turnier endet oder anders: Ihr erstes Jahr in Ulm haben Sie sich sicherlich anders vorgestellt ...

Willis: (lacht) Ja, trotzdem war es super. Ich habe von Trainer Jaka Lakovic viel gelernt, hatte ein wirklich tolles Jahr und viel Spaß.

Dabei hat die Saison nicht besonders gut begonnen, in den ersten sechs Bundesligaspielen gab es fünf Niederlagen. Dann wurde es stetig besser.

Willis: Ja, kurz bevor wir Deutschland verlassen haben, habe ich noch gesagt: Ich glaube, wir können einen Lauf schaffen und die Saison wirklich gut beenden – zu schade, dass es anders kam.

Bevor Sie in Ulm unterschrieben haben, haben Sie für Göttingen gespielt. Die deutsche Lebensart dürfen Sie also mittlerweile verinnerlicht haben.

Willis: Manche Dinge an der deutschen Lebensart gefallen mir sogar besser als wir sie in den USA machen. Ich finde das deutsche Recycling-System als Beispiel sehr cool und wie sich das jeder zu Herzen nimmt. Außerdem springt man in den Staaten immer ins Auto, egal, wohin man muss – selbst für kleine Dinge. Ich vermisse das Gehen.

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