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Serie (3)

30.05.2020

So war das mit...Roland Bader

Nach 28 Jahren hat Hallensprecher Roland Bader noch mal sein Original-Oberliga-Meisterschaftstrikot von 1992 rausgekramt – und es passt dem 61-jährigen Vöhringer noch immer. Das rechte Bild zeigt Bader (rechts) mit dem Trikot im Spielbetrieb. Neben ihm sein Teamkollege Christoph Koßbiehl.
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Nach 28 Jahren hat Hallensprecher Roland Bader noch mal sein Original-Oberliga-Meisterschaftstrikot von 1992 rausgekramt – und es passt dem 61-jährigen Vöhringer noch immer. Das rechte Bild zeigt Bader (rechts) mit dem Trikot im Spielbetrieb. Neben ihm sein Teamkollege Christoph Koßbiehl.

Seit 40 Jahren gehört er zum SC Vöhringen, bald steht sein beruflicher Ruhestand an. Er erzählt, was er dann vorhat, an welches Spiel aus seiner Karriere er sich am liebsten erinnert und wie Handball den Charakter prägt

Vom einstigen Sozialpädagogik-Studenten und Abwehrchef der Vöhringer Handballer zum Gesamtleiter der Donau-Iller Werkstätten für sechs Standorte: Hinter Roland Bader liegen 40 überaus „sportliche Jahre“.

„Im Nachhinein betrachtet hat mich der Mannschaftssport entscheidend geprägt“, erzählt Bader. „Bereits als 21-Jähriger wurde ich zum Spielführer der SCV-Ersten bestimmt und habe früh gelernt, wie es sich anfühlt, Verantwortung zu tragen. Als Handballer musste man früher genau wie heute viel einstecken, weil es nicht immer ganz fair zugeht. Aber obwohl damals mehr Härte erlaubt war, haben wir gelernt, uns zu beherrschen und weitgehend Disziplin zu bewahren“, so der mittlerweile 61-jährige Hobbysportler. Mit einem Schmunzeln kann er sich eine Bemerkung dennoch nicht verkneifen: „Bei allem Einstecken gab es immer auch Gelegenheiten zum Austeilen, die Schiedsrichter konnten ja auch nicht alles sehen.“

Als „ungeheuer prägend“ bezeichnet Bader die vielen gemeinsamen Handballjahre mit unvergesslichen Siegen und bitteren Niederlagen in einem „wunderbaren Team einstiger Weggefährten“ wie Werner Brugger, Peter Hess und Christoph Koßbiehl. „Da wusste man halt immer: Auf meinen Nebenspieler kann ich mich verlassen und dahinter stand dann ja immer noch unser Keeper Klaus Bertele.“ Die Anerkennung für die aktuell in die Verbandsliga aufgestiegene Mannschaft ist unverkennbar: „Heute ist alles athletischer und schneller geworden, diverse technische Fähigkeiten, die nur mit viel Harz möglich sind, hatten wir erst gar nicht gelernt. Unsere hervorragende Jugendarbeit spiegelt sich heute in unseren Spielern.“

So war das mit...Roland Bader

Bei nur noch gut einem Jahr bevorstehendem Berufsleben mit großer Verantwortung für sechs Werkstätten in Jungingen, Blaustein, Neu-Ulm, Senden, Illertissen und Böfingen mit über 500 Angestellten fällt Baders Bilanz positiv aus: Nach dem Studium wurde er bereits 1990 Sozialbereichsleiter der Werkstätten Jungingen, sechs Jahre später folgte die große Herausforderung als Leiter der Sendener Werkstätten. Dabei war er federführend zuständig für Auf- und Ausbau, für die Modernisierung und die Erweiterung. „In einem wunderschönen Berufsleben war mir damals keine 50-Stunden-Woche zu viel. In den letzten sechs Jahren hat sich aber für mich vieles stark verändert. Viel Verwaltung und nur noch wenig Umgang mit den Menschen, an denen ich mein Berufsleben ausgerichtet habe. Das fehlt mir sehr.“

In der C-Jugend kam er damals zu den SCV-Handballern. Ein Handballtalent war da aber bei Weitem noch nicht erkennbar. Als Spätberufener kam der damals eher „unsportliche 16-Jährige“ dann über seinen Bruder zur Leichtathletik – eine „sportliche Wende“. Dann, als A-Jugendlicher, wurde sein Handballtalent vom damaligen Trainer Mircea Costache (rumänischer Nationalspieler) erkannt: „Einer meiner besten Trainer neben Bernhard Erdt“, sagt Bader. In einem Freundschaftsspiel kam 1976 anlässlich des 50-jährigen SCV-Jubiläums gegen den VfL Günzburg bei ihm die Initialzündung und der Sprung in die erste Mannschaft. Aus dieser Zeit stammt auch Baders Zweitname „Schobel“ (ehemaliger Spitzenhandballer), den ihm Costache kurzerhand verpasste. In Insiderkreisen ist Bader nur unter diesem Pseudonym bekannt. Nur ein einziges Mal wackelte der bekennende SCV-ler in seiner Vereinstreue: „1987 habe ich ein Angebot vom Zweitligisten VfL Pfullingen ausgeschlagen.“ Ein Jahr später wurde bei einem Motorradunfall sein rechter Unterarm zertrümmert, für einen Handballer eigentlich das sichere Karriereende. Nach zäher Reha und mit viel Willen kämpfte sich Bader aber schon wenige Monate später in die SCV-Erste zurück. Doch dann, 1990 im letzten Saisonspiel: „Bei der letzten Aktion brach ich mir erneut den rechten Arm. Das war´s, dachte ich.“ Allzu lange blieb es aber nicht dabei, denn wieder kam er zurück in sein Team, mit dem er 1992 württembergischer Meister und Aufsteiger in die Regionalliga wurde. Dann machte er in der ersten Mannschaft Schluss.

Danach folgten mit den einstigen Weggefährten in der Reserve Landesliga-Meisterschaften sowie etliche sportliche Jahre mit den Jungsenioren, mit denen er ein Dutzend Meistertitel und 2001 einen erneuten württembergischen Meistertitel holte. Vor allem an ein Spiel erinnert sich Bader gerne: „Unvergesslich ist das in der Verlängerung knapp verlorene HVW-Pokalfinale gegen Laupheim 1987. Da waren über 1000 Zuschauer in jeder denkbaren Ecke des Sportparks untergebracht. Die Atmosphäre war giftig, jeder hat gekämpft bis zum Umfallen. Aber nach dem Spiel haben wir mit den Laupheimern in der Kabine Bier getrunken und hatten unseren Spaß. So etwas prägt den Charakter.“

Nach etlichen Funktionärsposten wie Pressewart, Jugendtrainer, Abteilungsleiter, Jugendleiter, Co-Trainer und sportlicher Leiter blieb „der Schobel“ den SCV-Handballern als einer der drei Hallensprecher erhalten. Als Stadtrat wurde er vor wenigen Wochen erneut ins Gremium gewählt, wo der zweifache Familienvater sich für seine Heimatstadt engagiert und sich nach dem Berufsende im Juni 2021 auf mehr Zeit mit Gattin Karoline und den beiden Enkeln freut. „Allerdings ohne meine Hobbys Mountainbiken, Tennis, Fitnessstudio-Einheiten, Joggen und Motorradfahren zu vernachlässigen – und natürlich auch weiterhin kein Heimspiel meiner Handballer zu verpassen.“

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