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Rollstuhl-Rugby

31.01.2019

Wie Autoscooter, aber mit Ball - das ist Rollstuhl-Rugby

Illerrieder Rollstuhlrugbyspieler
2 Bilder
Auch in den Trainingsspielen krachen die Rollstühle ineinander. In den Bundesligapartien am kommenden Wochenende werden die Donauhaie mindestens ebenso viel Gas geben.
Bild: Stefan Kümmritz

Zusammenstöße sind beim Rollstuhl-Rugby gewollt, im Training des Bundesligisten Illerrieden kracht es gehörig. So trainieren die Sportler für die Liga.

Letztes Training der Donauhaie Illerrieden vor dem Saisonauftakt in der Bundesliga der Rollstuhlrugby-Spieler am kommenden Wochenende in eigener Halle. Die Vorbereitung ist bei Spielertrainer und Nationalspieler Thomas Schuwje genauso aufwändig wie bei seinen Mitspielern: Anziehen, Tapen, Binden und mit einigen Helfern alles herrichten, was im Training und später im Spiel gebraucht wird. Dazu gehört das geeignete Gefährt. Denn es gibt unterschiedliche Rollstühle für Angreifer und Verteidiger. Wer körperlich weniger gehandicapt ist, eignet sich eher für die Offensive und hat ein kürzeres und vorne breiteres Gefährt. Die stärker gelähmten Spieler sind mit ihren längeren Rollstühlen, die vorne einen Rammbock besitzen, für die Defensive in dieser Sportart zuständig.

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Taktik ist beim Rollstuhl-Rugby ein wichtiger Faktor. Deshalb bestreiten die Bundesliga-Spieler der Sportfreunde Illerrieden, die Donauhaie, im Training viele Übungsspiele. Wichtig ist das stete Blocken der Gegner. Schließlich soll ein eigener Mann den Ball – benutzt wird ein Volleyball, weil ein echtes Rugby-Ei von den Rollstuhlfahrern kaum zu kontrollieren wäre – möglichst unbehindert ins Tor befördern. Das gelingt während der vier mal acht Minuten reinen Spielzeit in der Regel sehr häufig, sodass die Spiele oft mit Ergebnissen wie 40:36 oder 41:40 enden.

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So trainieren Rollstuhl-Rugbyspieler

Neben der Taktik geht es bei den Übungseinheiten auch um Ausdauer, Spritzigkeit und Wendigkeit. Zunächst machen sich die Spieler warm. Dabei rasen sie durch die Halle, kreuzen sich und bekommen selbst aus voller Fahrt die engsten Kurven hin. Jede Bewegung wird nur mit den Händen gesteuert, eine Bremse haben die Rollstühle nicht. Dann werfen sich die Spieler Bälle zu. Oder sie schlagen sie wie beim Volley- oder Faustball. Mal kommen sie lang, mal ganz kurz. Dann ist die Reaktionsfähigkeit gefragt.

In zwei Reihen stehen sich die neun Teilnehmer am Training – im Spiel sind vier Mann auf dem Feld – dicht gegenüber. Dann passen sie sich den Ball zu. Wer geworfen hat, dreht sofort ab und fährt zum Ende der Schlange, um sich wieder anzustellen. Geht das nicht rasch genug, kommt die Übung ins Stocken. Schließlich bilden die Spieler einen Kreis, um ihre Arme und Beine zu dehnen.

Im Trainingsspiel geht es dann ordentlich zur Sache. Dann kracht es ohne Ende, die Zusammenstöße sind durchaus gewollt. „Das ist wie beim Boxauto auf dem Volksfest“, sagt Schuwje. Entsprechend ramponiert sehen selbst fast neue Rollstühle auch aus.

Die Donauhaie Illerrieden erklären ihre Sportart: Rollstuhl-Rugby

„Wir waren früher in Ulm zuhause“, erzählt Tim Simon, der Manager der Donauhaie, dem 2002 ein Fahrradunfall zum Verhängnis wurde: „Dann hatten wir keine Halle mehr und die Illerrieder haben ganz toll aufgenommen. Die Ballspielhalle ist absolut barrierefrei und wir bekommen vom Verein, aber auch von der Gemeinde großartige Unterstützung.“ Abteilungsleiter Reiner Haug, der seit einem häuslichen Unfall querschnittsgelähmt ist und wie Simon seit vielen Jahren Rollstuhl-Rugby spielt, erklärt: „Unser Sport stammt aus Kanada und wurde insbesondere für Tetraplegiker entwickelt. Also für Menschen, die ab dem Halswirbelbereich querschnittsgelähmt sind und Einschränkungen an Beinen, Armen und Händen haben.“ Aber inzwischen spielen auch Spastiker oder Amputierte mit. Die Abteilung der Sportfreunde Illerrieden hat immerhin 23 Mitglieder, jeweils eine Mannschaft spielt in der Bundesliga, der zweiten Bundesliga und der Regionalliga.“

Am Wochenende, 2. und 3. Februar, kommt es in der Ballspielhalle zu folgenden Begegnungen.

  • Berlin – Illerrieden (10 Uhr), Freiburg – Hamburg (11.30 Uhr), Illerrieden – Hamburg (13.45 Uhr).
  • Hamburg – Berlin (10.30 Uhr), Berlin – Freiburg (12.30 Uhr), Freiburg – Illerrieden (14.45 Uhr).
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