Ulm: Gegner und Befürworter von Atomkraft demonstrieren auf dem Münsterplatz
Ulm
Gegner und Befürworter von Atomkraft demonstrieren auf dem Münsterplatz
Mit lautem Getrommel auf leeren Atommüllfässern macht die Ausgestrahlt-Radtour in Ulm Station. Der Verein Nuklearia wirbt derweil für mehr Kernkraftwerke.
Radlerinnen und Radler der Ausgestrahlt-Tour durch Süddeutschland machen auf dem Münsterplatz in Ulm Station.Foto: Sebastian Mayr
Unter lautem, blechernem Getrommel auf leeren Atommüllfässern sind knapp 40 Radlerinnen und Radler am frühen Donnerstagnachmittag auf dem Münsterplatz eingetroffen. Zuvor waren sie von Birkenried aus über Elchingen nach Ulm gefahren, anschließend ging es weiter zum Naturfreunde-Haus Spatzennest bei Weidach. Die Gruppe warnt auf ihrer Ausgestrahlt-Radtour durch Süddeutschland vor den Gefahren durch Atomkraft und Atommüll. Zeitgleich demonstrierten Aktivisten des Vereins Nuklearia unweit des Stadthauses. Sie sind überzeugt, dass Kernenergie dabei hilft, den Klimawandel zu bremsen.
Die elfte Etappe der Protesttour Ausgestrahlt führte am Donnerstagvormittag auch durch den Landkreis Neu-Ulm. Ein Sammelpunkt war der Ortseingang von Oberelchingen.Foto: Thomas Heckmann
Reinhold Thiel von der Ulmer Ärzteinitiative warnte vor der Gefahr, die vom Zwischenlager Gundremmingen ausgehe – dem mit Stand heute 117 Castorbehältern größten oberirdischen in Deutschland. "Jeder Castor an sich hat die gleiche Radioaktivität wie Tschernobyl", sagte Thiel. Helge Bauer von Ausgestrahlt hob den Einsatz örtlicher Gruppen wie der Ärzteinitiative hervor. Er betonte, die letzten Kernkraftwerke müssten Ende des Jahres abgeschaltet werden. "Da gehen die Dinger vom Netz. Das hat man uns versprochen, darauf werden wir pochen. Und am 31. Dezember werden wir feiern", rief er. Der Weiterbetrieb der Kraftwerke lohne sich nicht, führte er aus. Nur 0,17 Prozent des deutschen Gasverbrauchs könnten auf diese Weise eingespart werden.
Atomkraft: Ausgestrahlt und Nuklearia auf dem Münsterplatz in Ulm
Stefan Schmidt hat eine andere Perspektive. Der Bauingenieur aus Langenau gehört dem Verein Nuklearia an, am Donnerstag war er in einem Eisbärenkostüm und mit dem Schild "Kernenergie ist Klimaschutz" auf dem Münsterplatz unterwegs. Erneuerbare Energiequellen seien wichtig, aber Atomkraft bleibe als Brückentechnologie unverzichtbar, sagt er. "Jeder sieht den Klimawandel. Deswegen müssen wir dringend raus aus den Fossilen", fordert Schmidt. Statt auf Kohlekraftwerke solle die Politik auf moderne Atomkraftwerke setzen.
Stefan Schmidt von Nuklearia ist überzeugt, dass Atomkraft hilft, den Klimawandel aufzuhalten. Mit einem Eisbärenkostüm will er darauf aufmerksam machen.Foto: Sebastian Mayr
Der Langenauer zweifelt auch am Vorhaben, radioaktiven Müll für eine Million Jahre vergraben zu wollen. Lieber solle man einen geringeren Zeitraum anpeilen und später einen neuen Ort suchen. Zudem müssten die Castoren für den Fall einer Havarie zurückgeholt werden können. Schmidt verweist auf Aussagen des Weltklimarats IPCC, der Atomkraft als Möglichkeit gegen die Klimakrise bezeichnet. Und er sorgt sich vor einem großflächigen Stromausfall im Winter. "Jedes Kilowatt zählt", findet Schmidt.