Newsticker
Türkei blockiert Nato-Beitrittsgespräche mit Finnland und Schweden
  1. Startseite
  2. Neu-Ulm
  3. Ulm/Neu-Ulm: So soll es mit dem Mehrweg in der Gastronomie in Ulm und Neu-Ulm klappen

Ulm/Neu-Ulm
29.04.2022

So soll es mit dem Mehrweg in der Gastronomie in Ulm und Neu-Ulm klappen

Zwei Gastromomen und Mehrwegsystem: Jonas Baumgärtner, der "Wilde Wirt" (links) und Marian Schneider, Geschäftsführer der Firma Gastroevents.
Foto: Alexander Kaya

Mit Glas soll den Müllbergen ein Ende bereitet werden. Ein neues System namens Relevo will erreichen, woran andere gescheitert sind.

Anderthalb Jahre hat Marian Schneider, als Geschäftsführer der Firma Gastroevents der Eifert-Gruppe, einem Riesen in der Region, der bespielweise die Lokale Seestern, Bellavista oder Barrel House betreibt, Mehrwegsysteme ausprobiert. Sein Fazit ist eindeutig: Nur mit Glas kann das funktionieren. Und ein solches kommt jetzt in Ulm und Neu-Ulm zum Einsatz.

Auf Initiative des Agenda Büros der Stadt Ulm hat ein Arbeitskreis aus Vertretern der Stadt Ulm, des Hotel- und Gaststättenverbandes, der Ulmer City Marketing, der Entsorgungsbetriebe Ulm, des Bund und Greenpeace ein System ausgewählt. Und zwar: das System von Relevo, einem Startup aus München, mit Glasgefäßen des renommierten Herstellers Arcoroc. "Die sind fünfmal härter als normale Glasflaschen", sagt Florian Eifert, der Geschäftsführer des Ulmer Gastrogroßhandels Hogaka, das sozusagen als Ulmer Arm der Münchner Firma das System koordiniert.

Neues Mehrwegsystem namens Relevo: Das verwendete Glas ist durch ein Härtungsverfahren bruchsicher und kratzbeständig und übersteht auch über 2000 industrielle Spülgänge ohne sich zu verfärben oder den Geruch/Geschmack von Speisen anzunehmen.
Foto: Alexander Kaya

Deswegen soll Relevo in Ulm und Neu-Ulm funktionieren

Für Gastronom Schneider ist klar: Mit diesem Glassystem kommen die Anforderungen der Wirtschaftlichkeit und das Bedürfnis der Kunden zusammen. Nur Glas stehe für eine Wertigkeit, die auf die Speisen ausstrahle. Edelstahl sei in Tests als "Hundenapf" wahrgenommen worden und Kunststoff als weniger appetitlich. Wie der Hogaka-Chef Eifert betont, gehe Relevo von 2000 Durchgängen – also Benutzungen – pro Stück aus. Die Anbieter von Mehrweg-Kunststoff nur von 200. Und hier gebe es oft ein Hygiene-Problem. "Den Geruch von Curry mit Kreuzkümmel etwa, bekommen Sie nicht mehr heraus."

Recup wartet auf den großen Durchbruch

Nicht so richtig durchgesetzt habe sich auch deswegen das System Recup. Aber nicht nur deswegen. Auch das Pfandsystem stehe einer weiteren Verbreitung im Weg, so Citymanagerin Sandra Walter. Seit der Einführung 2018 hat es das System in der Doppelstadt nur gerade so über 30 Teilnehmer-Gastronomen gebracht. Ein „erster Schritt in Richtung eines einheitlichen Mehrwegsystems für die Gastronomie in Ulm und Neu-Ulm" sei nun aber gemacht. Nur nicht mehr mit Recup. Aller Anfang ist aber auch bei Relevo schwer: Mit Barrel House, Bäckerei Staib, Bellavista, Der Wilde Wirt, Edeka Dörflinger, Elinaki, Klingenstein Blaustein, Konzertsaal, Lago, Smalah und dem Zunfthaus der Schiffleute ist die Zahl der teilnehmenden Betriebe noch eher übersichtlich. Weitere Unternehmen sollen aber "in Kürze" hinzukommen. Auch weil die Hindernisse für Kundschaft und Restaurants vergleichsweise niedrig sein sollen. Scannen müssen bei Revelo etwa nur die Kundinnen und Kunden. Für die Gastronomie bedeute das einen Eingriff weniger im Betriebsablauf.

Das Ausleihen des Mehrweggeschirrs funktioniert folgendermaßen:

  • Der Gastronomiebetrieb füllt seine Speisen und/oder Getränke in das Mehrweggeschirr.
  • Der Gast scant den QR-Code auf dem Gefäß über die Relevo App – das Geschirr wird damit kostenfrei an ihn ausgegeben.
  • Der Gast gibt das genutzte Geschirr innerhalb von maximal 14 Tagen bei einem der teilnehmenden Partnerbetriebe zurück und beendet durch Scannen des Rückgabeschildes vor Ort die Ausleihe.
  • Der Gastronomiebetrieb spült das zurückgebrachte Mehrweggeschirr und kann dieses anschließend erneut an Gäste ausgeben.

Das Unternehmen Relevo verdient durch Abgaben der Gastronomen. Diese betragen – je nach Gefäß – um die 25 Cent pro Nutzung. Dies sei insbesondere durch die jüngsten Kostensteigerungen sogar preiswerter als Einweggeschirr. Falls der Gast sein Geschirr nicht zurückgibt, wird eine "Versäumnisgebühr" in Höhe von zehn Euro fällig. Per App könne eine Abgabe – etwa im Urlaub – auch verlängert werden. Menschen ohne Smartphone sollen das System nutzen können, auch wenn Relevo betont als digitales System konzipiert ist. Bargeld fließt auch hier nicht, das Guthaben landet auf einer Guthabenkarte. Diese Karte soll es künftig bei Ausgabestellen geben, die jedoch noch nicht festgelegt seien, so Citymanagerin Sandra Walter.

Mit dabei ist unter anderen auch der Gastronom Jonas Baumgärtner, der den Imbiss Wilder Wirt im Ulmer Hafenbad betreibt. Ein Lokal, das bei vielen Schülern – List, Kepler, Humboldt – seht bliebt ist. "Ich mache mir da schon Gedanken", sagt der Blausteiner über die überfüllten Mülleimer rund um die Schulen. "Es bringt ja nichts immer zu sagen wir wollen die Welt retten, tun dann aber nichts." Davon unabhängig sind die Gastronomen aber ohnehin im Zugzwang: Denn ab dem kommenden Jahr werden Restaurants, Caterer, Kantinen, Lieferdienste und der Einzelhandel über das deutsche Verpackungsgesetz verpflichtet, für die Mitnahme und Lieferung von Speisen und Getränken Mehrwegbehälter als Alternative zu Einwegkunststoffverpackungen anzubieten.

Wie Martin Denoix, der Vorsitzende des Bund-Kreisverbandes, betont, gehe es bei der Wahl für Glas auch um die Vermeidung von Mikroplastik in der Umwelt. Glas gilt als wirklich nachhaltige Lösung: Als Werkstoff sei es unbegrenzt recyclingfähig. Um Gastronomen Hürden einer Teilnahme zu nehmen, brachte Denoix Zuschüsse für Geschirrspüler ins Spiel.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.