Es klingt ein wenig nach Abschied: Nachdem Lothar Schubert, Geschäftsführer des Hamburger Projektentwicklers DC Developments, mit dem früheren OB Gunter Czisch frühstückte, möchte er sich noch einmal das Ulmer Münster anschauen. Denn neun Jahre nachdem sein Unternehmen die Pläne für das Quartier Sedelhöfe nach dem Ausstieg von MAB übernommen hat, sieht Schubert seine Aufgabe in Ulm als erledigt an.
Punkt eins für den Rückzug: Der Stand der Vermietung inklusive des Hotel-Gebäudes am Bahnhofplatz 7 sei bei 100 Prozent angekommen. Um genau zu sein, bei 99,97 Prozent. Denn 92 Quadratmeter von 38.000 würden noch fehlen. Es gebe aber vier Interessenten für die Fläche am Albert-Einstein-Platz neben dem Textil-Filialisten Only, der Abschluss eines Mietvertrages sei nur noch Formsache.
Blume 2000 kommt in die Sedelhöfe
Die letzte freie Fläche ging an einem Blumenhändler: Am 28. Juni eröffnet die Kette Blume 2000 im Bahnhofplatz 7. Auf rund 90 Quadratmetern im Erdgeschoss gibt es dann neben Blumen auch Geschenk- und Dekorationsartikel. So werde eine eindeutige Lücke im Bedarf geschlossen. Endes dieser Woche gehen zudem jene 110 Quadratmeter bei den Treppen zur Bahnhofsunterführung an den Mieter 24/6, einen Supermarkt, der vollständig auf Automaten setzt.
Punkt zwei für den Rückzug: "Wir haben nicht mehr vor, die Sedelhöfe zu verkaufen", sagt Lothar Schubert. Das war mal anders: Mit der "Aachener Grund" war 2020 sogar bereits ein neuer Eigentümer für das 250-Millionen-Euro-Einkaufsquartier gefunden, doch die Kapitalverwaltungsgesellschaft der katholischen Kirche sprang wieder ab.
Krise am Immobilienmarkt
Die Vorzeichen für einen Gewinn bringenden Verkauf sind seitdem immer schlechter geworden: In der neuen Studie "Immobilienmarkt Baden-Württemberg 2024" der Volks- und Raiffeisenbanken ist die Rede von einem erneut gesunkenen Mietniveau, guter Verfügbarkeit von Verkaufsflächen und verkürzten Vertragslaufzeiten sowie einer Zunahme von Mietverträgen, die an Umsätze gekoppelt sind. All das stört die Begehrlichkeit von Einzelhandelsimmobilien als Renditeobjekte.
Dennoch spricht Schubert angesichts eines voll vermieteten Objekts von einer "komfortablen Situation". Der Immobilienmarkt für "stabile Objekte" sei dennoch derart "abgerauscht", dass sein Unternehmen die Suche nach einem Käufer ausgesetzt habe. "Wir sind aber völlig entspannt."
Hamburg statt Ulm: Hier hat DC Developments große Aufgaben
Statt einen Käufer zu suchen, werde er bald einen "Quartiersmanager" vorstellen, der sich um das operative Geschäft der Sedelhöfe kümmere. Seine Arbeit als Projektentwickler sei damit getan. Oder wie es Schubert ausdrückt: " Unsere operativen Aufgaben als Projektentwickler sind erledigt und deshalb übergebe ich den Staffelstab an unseren Partner Values, der ebenfalls Eigentümer ist. Die übernehmen das Assetmanagement."
Das heißt Values, Partner von DC Developments und ebenfalls Eigentümer der Sedelhöfe übernimmt den Staffelstab und kümmert sich nun um die Assetmanagement. Denn die Aufgaben der Projektentwicklung, für die DC Developments sich verantwortlich zeichnet, sind erledigt.
Schubert könnte seine Aufgaben jetzt vielleicht unter anderem in Hamburg sehen: etwa bei der 306 Einheiten umfassenden Wohnanlage "Eleven Decks" im südlichen Überseequartier oder dem Quartier "Be Strandkai" in der Hafen-City. Hier werden auf einem etwa 14.000 Quadratmeter großen Areal insgesamt 470 Miet- und Eigentumswohnungen in vier Gebäuden, inklusive zweier rund 60 Meter hoher Luxus-Wohntürme, realisiert.
Auf "seine Sedelhöfe", einen Bau, der die höchste Auszeichnungsstufe für nachhaltige Gebäude erhielt ("DGNB-Platin"), blickt Schubert mit Zufriedenheit. Das Quartier erfülle seine angedachte Scharnierfunktion zwischen dem im Umbau befindlichen Hauptbahnhof und der Altstadt.
Die Zukunftsaussichten für die Händlerschaft in Ulm seien gut: Im Verhältnis zur Einwohnerschaft habe Ulm eine vergleichsweise kurze Fußgängerzone. Schubert ist überzeugt, dass trotz der unausweichlichen Umwälzungen im stationären Einzelhandel die Route vom Hauptbahnhof bis zum Ulmer Münster plus der Gassen um den höchsten Kirchturm der Welt auch in Zukunft von Handel und Gastronomie geprägt werde. Im Gegensatz zu anderen Städten werde Ulm wohl nicht über einen Rückbau der Fußgängerzone nachdenken müssen.
Babylon kommt nach Ulm
Auch im Rückblick würde Schubert bei den Sedelhöfe nicht anders vorgehen wollen. Dass die Sedelhöfe in der Nähe des Hauptbahnhofs stehen, sei von Anfang an klar gewesen. Klagen über angebliche Sicherheitsprobleme seien bedauerlich, aber letztlich liege eine Lösung eindeutig im Aufgabenbereich der Polizei. Zumal Schubert überzeugt ist, dass mit der kommenden Eröffnung des Restaurants Babylon samt Außenbestuhlung der ganze Platz profitieren werde. Auch wenn sich die ursprünglich für Mai angekündigte Eröffnung ganz offensichtlich weiter verzögert. Zumindest die Schilder über den Eingängen hängen.