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Neuburg

01.10.2019

Archi: Ein Flüchtling im Tierheim Neuburg

Archi lebt jetzt im Tierheim Neuburg. Das Team um Leiter Gerhard Schmidt kümmert sich dort um ihn.
Bild: Christof Paulus

Plus Eine ukrainische Flüchtlingsfamilie hat ihren Hund mitgebracht. In die Flüchtlingsunterkunft darf er nicht hinein. Jetzt lebt er im Neuburger Tierheim.

Wer flüchten muss, tut das oft alleine, lässt seine Familie anschließend vielleicht nachkommen. Andere bleiben auch auf der Flucht zusammen, lassen sich als Familie nicht trennen. Eine ukrainische Familie, die momentan in der Flüchtlingsunterkunft in der Manchinger Straße in Ingolstadt wohnt, wollte selbst ihren Hund nicht zurücklassen. Archi heißt der, ist ein Husky – und ein Flüchtling.

Inzwischen lebt Archi in Neuburg, getrennt von seiner Familie. Doch Gerhard Schmidt sagt: „Das ist das Beste, was dem Hund gerade passieren konnte.“ Schmidt ist Leiter des Tierheims in Neuburg. Bevor Archi dort untergebracht und versorgt wurde, hatten seine Besitzer ihn zeitweise in der Nähe ihrer Unterkunft angeleint.

Mit hinein nehmen durften sie ihn nicht, laut Hausordnung ist das verboten – „aus Rücksicht auf die übrigen Bewohner sowie aus Gründen der Hygiene und des Tierwohls“, wie Gabriela Große-Holthaus aus der Pressestelle der Regierung von Oberbayern erklärt. Sie ist für die Unterkunft zuständig. Der Tierschutzverein in Ingolstadt habe noch eine Unterkunft oder Pflegefamilie für Archi gesucht, erzählt Schmidt. Doch das sei letztlich daran gescheitert, dass die Familie keine Kompromissbereitschaft gezeigt habe. „Sie möchte ihn nicht kastrieren lassen und jederzeit Zugriff auf ihn haben“, schildert Schmidt die Situation. „Die Besitzer haben zu hohe Ansprüche.“

Archi kam mit Flüchtlingen aus der Ukraine nach Ingolstadt - und lebt jetzt im Tierheim in Neuburg

Schmidt weiß, wovon er spricht, denn er hat die Familie bereits getroffen. Das ist nicht so einfach, denn die Verständigung mit Archis Besitzern fällt schwer. Sie sprechen kein Deutsch, das Treffen mit Schmidt fand mit Unterstützung von Dolmetschern statt. Das erschwert die ohnehin schwierige Lage – denn Archis Fall hat Seltenheitswert. Zwar sagt Schmidt: „Es kommt häufiger vor, dass die Bewohner von Unterkünften sich Haustiere anschaffen. Häufig müssen wir sie dann letztlich aufnehmen.“ Einen Hund wollten aber nur die wenigsten mit in die Unterkunft bringen.

Auch wenn Archi noch kein Jahr in Deutschland ist, hat er bereits in drei Städten gelebt. Bevor er in Neuburg ankam, war er im Tierheim in München untergebracht. Schmidt erzählt, in Ingolstadt habe die Familie teils in einem Zelt im Wald mit Archi übernachtet, um sich nicht von ihm zu trennen. „Das ständige Hin und Her schadet dem Hund“, sagt er. Bei Archi habe Schmidt bereits feststellen können, dass sich sein Wesen verändert – er sei problematischer geworden.

Leiter der Tierheims in Neuburg ist froh, dass Archi da ist

Das Veterinäramt in Ingolstadt hat nun entschieden, dass Archi im Tierheim in Neuburg bleiben soll. Schmidt ist froh um diese Entscheidung. „Für manche Bewohner der Unterkunft gelten Hunde als schmutzig, deshalb besteht die Gefahr, dass dem Hund dort etwas passiert“, sagt er. Doch auch um die ukrainische Familie macht er sich Sorgen: „Es gibt auch in Ingolstadt sicher einige Rechte, die Flüchtlingen einmal zeigen möchten, wo es langgeht. Wenn dort jemand mit seinem Hund im Wald übernachtet, könnten die das ausnutzen wollen.“

Dass die Familie sich von ihrem Hund nicht trennen könnte, versteht er. Aber sie müsse sich auch viele Vorwürfe gefallen lassen, da sie zu keinen Zugeständnissen bereit sei. An der Leine vor einer Ingolstädter Flüchtlingsunterkunft sei der Hund jedenfalls nicht artgerecht zu halten. „Da muss man an den Hund denken“, sagt er.

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