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Karlshuld

01.12.2019

Bürgerversammlung: Seitles letzte Rechtfertigung

Nach 36 Jahren ist Schluss: Karls Seitle hört als Bürgermeister in Karlshuld auf und hinterlässt ein gut bestelltes Haus, wie auf der Versammlung zu hören war.
Bild: lea

Plus Karl Seitle informierte die Karlshulder ein letztes Mal über die Ereignisse des Jahres. Am Ende gab es eine Überraschung.

Ein letztes Mal stand der langjährige Karlshulder Bürgermeister Karl Seitle bei einer Bürgerversammlung Rede und Antwort. In vielen Gemeinden und auch der Stadt Neuburg ist diese Veranstaltung kein leichter Gang für ein Gemeinde- oder Stadtoberhaupt, denn immer wieder wird der Rathauschef dort mit kritischen Fragen konfrontiert. Nicht so in Karlshuld. Am Ende gab es für den scheidenden Bürgermeister sogar stehende Ovationen.

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Bürger Die größte Gemeinde des Donaumooses kann auch in diesem Jahr mit 58 hinzugekommenen Bürgern ein Bevölkerungswachstum vermelden. Somit leben in Karlshuld aktuell 5799 Menschen. Rathauschef Seitle erinnert sich zurück an seine erste Rechenschaftsabgabe, als die Gemeinde noch 3485 Einwohner zählte. 36 Jahre ist dies nun her. Zeit für eine allgemeine Retrospektive. Denn viel hat sich in diesem Zeitraum verändert, so auch im vergangenen Jahr.

36 Jahre war Karl Seitle Bürgermeister von Karlshuld

Der Wachstumsboom der letzten Jahrzehnte geht selbstverständlich Hand in Hand mit der Geburtenrate. Was dies bedeutet, zeigt sich vor allem bei den Personalausgaben der Gemeinde, welche 2019 ein Hoch von rund 3,5 Millionen Euro erreichten. Schließlich werden immer mehr Plätze und somit auch Betreuungspersonal für die Kinder benötigt.

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Trotz weiterer Investitionen in die Kläranlage oder schulische Baumaßnahmen wie einem Kletterwürfel, konnte Seitle die Menge beruhigen. Die kostenintensiven Projekte werden die 1,7 Millionen Euro Guthaben zwar beträchtlich dahinschmelzen lassen, sagte er, doch sei eine Kreditaufnahme auch weiterhin nicht nötig. Die Gemeinde ist also immer noch schuldenfrei. Der einzige Sorgenpunkt des Bürgermeisters scheint die zunehmende Konfessionslosigkeit der Bewohner zu sein, welche mittlerweile bei 20 Prozent liegt. Denn eine „ungläubige Gemeinde“ sei nicht das, was er wolle.

Auf der Bürgerversammlung stand er den Karlshuldern Rede und Antwort

Haus für Kinder Im Sommer 2018 begann der Bau der heiß begehrten Kinderbetreuungsplätze. Um die acht Millionen Euro kostete der Bau von drei Krippengruppen, zwei Kindergartengruppen und zwei Hortgruppen insgesamt. Dafür verlief der Bau recht reibungslos und zur Zufriedenheit des Bürgermeisters. Die Bauarbeiter hätten „ordentlich gearbeitet“. Lediglich die Außenanlagen werden aufgrund der Witterung erst 2020 fertiggestellt, sagte Seitle. Besichtigen kann man die neuen Bauten jedoch trotzdem am 26. Januar am offiziellen „Tag der offenen Tür“.

Neubaugebiete Seitle berichtete, dass die letzten Rechnungen der Gemeindeverbindungsstraße nebst Geh- und Radweg zwischen Kleinhohenried-Probfeld beglichen werden konnten. Außerdem erfolgte die Fertigstellung der Straßenerschließung der Baugebiete in der Augsburger Straße. Von den geplanten sieben Grundstücken sind bereits sechs vergeben worden. Eines jedoch wurde zurückbehalten, da die Nutzung des Grundstücks noch geklärt werden muss. Das Baugebiet in der Lindenstraße umfasst fünf Bauplätze und im Fischerweg entstehen weitere vier.

Die Kläranlage in Karlshuld ist über 30 Jahre alt

Kläranalage Die Anlage ist mittlerweile bereits über 30 Jahre alt. Technisch „kann da mittlerweile mehr gemacht werden“, so Seitle. Die Planungen für eine Modernisierung sind also in vollem Gange. Es soll eine Schlammeindickung eingebaut, das Betriebsgebäude aufgestockt, ein zusätzliches Vorklärbecken gebaut, ein Faulturm und ein Blockheizkraftwerk mit Schlammentwässerung errichtet werden. 2020 erfolgt dann die Planung der Kläranlagenerweiterung durch ein Ingenieurbüro. In der zweiten Jahreshälfte 2021 wird mit den Bauarbeiten begonnen, wobei Anfang 2023 mit der Fertigstellung gerechnet wird.

Versonnen erinnert sich Seitle an das damalige „Beckenfest“, bei dem die Anlage eingeweiht wurde. 1986 war Seitle seit acht Jahren Karlshulds Bürgermeister. „Wenn man so lange im Amt ist, kommt man tatsächlich dazu, seine eigenen Bauten zu sanieren“, sagt er und überlegt scherzhaft, ob er das nicht doch seinem Nachfolger überlassen sollte.

Hausarzt Ein großes Thema ist die hausärztliche Versorgung der Karlshulder, denn im Jahr 2018 schloss einer der Ärzte seine Praxis für immer. Es folgte eine lange und intensive Suche nach einem möglichen Nachfolger. Schlussendlich scheint sie erfolgreich gewesen zu sein. Mit dem Kreiskrankenhaus Schrobenhausen soll eine Partnerschaft eingegangen werden. Denn Anfang nächsten Jahres wird in der Neuburger Straße 4 unter der Leitung von Facharzt Christian Niemann ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) eröffnet.

Ein Arzt für Karlshuld ist gefunden

Breitbandausbau Wie 2018 angekündigt, hatten insgesamt 66 Haushalte nach den Arbeiten der Deutschen Telekom die Möglichkeit sich ans schnelle Glasfasernetz anzuschließen. In den verschiedenen Ortsteilen nahmen dies 30 davon war. Auch die Schüler der Maurus-Gerle-Schule sollten vom schnellen Internet profitieren. Deshalb beschloss der Gemeinderat, an dem Förderprogramm „Glasfaseranschlüsse für öffentliche Schulen“ teilzunehmen. Derzeit findet die Angebotsauswertung hierfür statt.

Planungen Es sollen auch im folgenden Jahr bauliche Maßnahmen am Schulgebäude unternommen werden. Außerdem wird es ein neues Feuerwehrgerätehaus geben, ein weiteres Neubaugebiet (östlich der Neuburger Straße) wird geplant, die EDV-Anlagen des Rathauses werden erneuert sowie die Beschaffung weiteren Grunderwerbs.

Und dann steht da eben noch der letzte Arbeitstag für Bürgermeister Karl Seitle an, der erfreulicherweise auf den zweiten Volksfesttag fällt. Alle Redner dieses Abends sprachen jedoch schon jetzt ein herzliches Dankeschön für seine Arbeit aus. Auch die Bürger hatten bei der Diskussionsrunde keine großen Beanstandungen, wodurch diese recht kurz ausfiel. Zuletzt erhoben sich die rund 200 Anwesenden für ihren Bürgermeister und gaben ihm für sein jahrelanges Engagement Beifall.

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