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Burgheim

20.11.2019

Burgheim soll attraktiver werden

Dieses Haus am Marktplatz in Burgheim hat die Gemeinde zuletzt gekauft. Was damit geschieht? Das steht noch nicht fest. Die Gemeinde will im Augenblick die Chance nutzen, Immobilien in zentraler Lage zu erwerben.
Bild: Claudia Stegmann

Alte Häuser, die sinnvoll genutzt werden sollen, ein Gewerbegebiet, das keines sein darf - nur zwei von vielen Themen aus der Bürgerversammlung in Burgheim.

Ein ganzes Potpourri an Themen hatte Bürgermeister Michael Böhm bei der Bürgerversammlung in Burgheim am vergangenen Montag im Gepäck. Eines, das ihm besonders am Herzen liegt, ist die Marktkernsanierung, verbunden mit der Frage, wie sich die Gemeinde Burgheim in den nächsten Jahren und Jahrzehnten entwickeln soll. Zu diesem Zweck hat Michael Böhm zusammen mit sechs Gemeinderatskollegen erst vor wenigen Monaten eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die im Augenblick schwerpunktmäßig sanierungsbedürftige Gebäude im Marktkern im Fokus hat. Vier Gebäude hat die Gemeinde in der Donauwörther Straße und am Marktplatz schon gekauft, der Kaufabschluss für ein fünftes soll demnächst erfolgen. Ziel der Gemeinde ist nicht nur, diese Häuser aufzuhübschen und damit das Ortsbild zu verbessern, sondern sie sollen vor allem sinnvoll genutzt werden. Die Gedanken sind dabei frei und gehen in alle Richtungen der unterschiedlichsten Wohnformen: betreute Wohnungen, Tagespflege, Kurzzeitpflege, Senioren-WG’s, Mehrgenerationenhaus... Was sich in den Häusern wie verwirklichen lässt, das muss die Gemeinde erst eruieren.

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Dass die Gemeinde dabei den umgekehrten Weg geht, indem sie erst ein Haus kauft und dann überlegt, wie sie es nutzen könnte, hat den einfachen Grund, dass sich eben jetzt die Gelegenheit zum Kauf bietet, wie Böhm in der Bürgerversammlung sagte. Er widersprach jedoch Meinungen, wonach die Gemeinde „jetzt alles kauft“ und einen „Immobilienhandel“ aufbaue. „Wir wollen einfach nicht, dass zentrale Gebäude nur pinselsaniert werden, um die Wohnungen dann möglichst lukrativ zu vermieten“, argumentierte er.

Darüber hinaus kamen in der Bürgerversammlung unter anderem auch diese Themen zur Sprache:

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  • Gewerbe im Überschwemmungsgebiet: Die Gemeinde Burgheim kämpft um ihr Gewerbegebiet nördlich der B16 – und zwar bis zum bitteren Ende, wenn es sein muss. Denn eine alternative Fläche gibt es in der Gemeinde nicht, wo sich Gewerbebetriebe ansiedeln könnten. Das sagt zumindest Michael Böhm. Im Landratsamt ist man dagegen anderer Meinung: Das geplante Gewerbegebiet ist Teil des Überschwemmungsgebiets der Kleinen Paar und darf deshalb nicht überplant werden. Eine Bebauung an dieser Stelle sei deshalb nicht erlaubt. Punkt.

Die Diskussion um das Gewerbegebiet, das keines sein darf, dauert nun schon mehrere Jahre und wurde von Michael Böhm auch bei der Bürgerversammlung angesprochen. Die Argumentation der Kreisbehörde wollte auch ein Teil der rund 50 Zuhörer im Gasthaus Brucklachner nicht so richtig verstehen. Denn seit 2011 kauft die Gemeinde zu diesem Zweck immer wieder Flächen auf. Erst Mitte 2016 wurde aber klar, dass die Grundstückskäufe ins Leere laufen könnten.

Nun ist die alles entscheidende Frage, ob die Gemeinde an jener Stelle tatsächlich auf keinen Fall bauen lassen darf, oder ob es möglicherweise doch zulässig ist, weil es keinen vernünftigen alternativen Standort in der Gemeinde gibt. Dies gilt es jetzt zu erörtern. Sollte das Landratsamt von ihrer Entscheidung nicht abrücken, würde sich Bürgermeister Michael Böhm vor juristischen Schritten nicht scheuen. Wie er sagte, würde die Gemeinde – die Zustimmung des Gemeinderats vorausgesetzt – gegen das Bebauungsverbot klagen.

  • Sanierung des Bahnhofs: Voraussichtlich im Frühjahr wird der Umbau des Bahnhofsgebäudes abgeschlossen sein. Für gut eine Million Euro wurde das Haus auf Vordermann gebracht, wobei die Gemeinde selbst nur etwa 200- bis 300.000 Euro bezahlen muss. Den Rest bezahlt der Freistaat Bayern. Voraussetzung dafür war, dass das Gebäude für den sozialen Wohnungsbau genutzt wird. „Für uns war das eine gute Möglichkeit, so ein Gebäude mit finanziell geringstem Aufwand zu sanieren“, sagte Michael Böhm. In den sechs Wohnungen sollen vorwiegend anerkannte Flüchtlinge untergebracht werden, die sich oft schwertun, auf dem regulären Wohnungsmarkt eine Bleibe zu finden. Insbesondere für große Familien gibt es kaum passende Wohnungen. In Burgheim wurde diesem Bedarf insofern Rechnung getragen, als dass die Räume so gestaltet wurden, dass sie auch zusammengelegt werden können.

Michael Böhm war es in der Bürgerversammlung wichtig, zu betonen, dass das Bahnhofsgebäude nicht als Erstaufnahmelager oder als dezentrale Unterkunft für Asylbewerber genutzt wird, sondern für Migranten, die ein Bleiberecht in Deutschland haben und sich unter anderem mit einer eigenen Wohnung auf eigene Füße stellen müssen.

Sechs Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge sind im Burgheimer Bahnhofgebäude entstanden.
Bild: Peter Maier
  • Baugebiete: Zwei Baugebiete hat die Gemeinde Burgheim dieses Jahr ausgewiesen: das Baugebiet „Am Vohbach“ am östlichen Ortsrand von Burgheim sowie die „Schlossbreite“ in Straß. Mit 33 bzw. 34 Plätzen für Einfamilienhäuser sowie Grundstücken für insgesamt sieben Mehrfamilienhäuser trägt die Gemeinde damit dem Bedarf nach Wohnraum Rechnung. Das Baugebiet am Vohbach ist dabei in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Erstens wurden darin fünf Atriumhäuser eingeplant, die den Ansprüchen an ein eigenes Haus genügen – allerdings auf einer Ebene und auf einer kleineren Fläche. Damit sind die sogenannten Gartenhofhäuser prädestiniert fürs Alter, wenn man sich räumlich verkleinern und barrierearm wohnen möchte. Noch ist jedoch nicht sicher, ob diese Häuser verwirklicht werden können. Dazu muss die Gemeinde erst noch einen passenden Investor finden. Neben den Atriumhäusern hat das Baugebiet Vohbach auch ein Kaltes Nahwärmenetz als Energieversorgung zu bieten – und zwar als erstes Baugebiet überhaupt in ganz Bayern.

Noch hat die Gemeinde keinen Bauplatz verkauft, jedoch gibt es bereits Interessenten. Am Vohbach wurden zehn Plätze reserviert und in der Schlossbreite in Straß 20.

  • Umleitung während des B16-Ausbaus: Noch ist nicht klar, ob Bürgermeister Michael Böhm es verhindern kann, dass während des dreispurigen B16-Ausbaus ab 2024 der Verkehr durch Burgheim umgeleitet wird. Er will jedoch nichts unversucht lassen, um dieses Szenario abzuwenden. Das Problem daran ist nur: Ein Teil der Befürchtungen basiert auf reinen Vermutungen. Denn umgeleitet werden soll nach Plänen des Staatlichen Bauamts Augsburg nur der Verkehr von Neuburg in Richtung Rain. An der Abfahrt Burgheim sollen die Autos von der B16 abfahren und über Burgheim in Richtung Staudheim umgeleitet werden. Böhm und die Gemeinderäte vermuten jedoch, dass so manche Auto- und Lastwagenfahrer bereits bei Straß die B16 verlassen werden und dann über Straß nach Burgheim und dort durch den Markt rollen. Wie das dann aussehen könnte, hat die kurzzeitige Umleitung gezeigt, die nach dem tragischen Unfall auf der B16 vergangene Woche eingerichtet werden musste. 12 bis 15 Monate soll die Umleitung dauern – eine Zeitspanne, die den Burgheimern nicht zugemutet werden könnte, sind sich die Gemeindevertreter einig.
    Ein Szenario, das sich die Burgheimer nicht wünschen: Lastwagen an Lastwagen rollen durch den Marktplatz.
    Bild: Gemeinde Burgheim

  • Kanalsanierung: Die Kanalsanierung in Burgheim, wonach alle Ortsteilkläranlagen peu à peu aufgelöst und zentral an Burgheim angeschlossen werden, hat zuletzt vor allem im Ortsteil Leidling für Ärger gesorgt. Weil die geplante Umrüstung aufgrund der Gegebenheiten in Leidling nicht oder nur mit erheblichen Mehrkosten umgesetzt hätte werden können, wurde eine andere technische Lösung ins Spiel gebracht. Die hätte jedoch zur Folge, dass die Leidlinger einen deutlich höheren Eigenanteil an den Kosten hätten tragen müssten. Denn nach der aktuellen Satzung müssen alle Kosten, die auf den privaten Grundstücken entstehen, von den Bürgern selbst getragen werden.

Die Gemeinde lässt jetzt errechnen, um wie viel die Kanalsanierung teuerer würde, wenn sämtliche Kosten – auch die auf den Grundstücken – von der Gemeinde getragen und auf die Bürger umgelegt werden würden. Die Schwierigkeiten wären damit allerdings nicht vom Tisch. Denn wenn die Pumpschächte auf den Grundstücken von der Gemeinde bezahlt werden und folgedessen auch ihr gehören, müsste sie sich von allen Hausbesitzern ein Zutrittsrecht auf das Grundstück sichern lassen, damit die Gemeinde auch jederzeit Zugriff auf ihr Eigentum hat.

  • Weitere Termine: Über diese und andere Themen berichtet Bürgermeister Michael Böhm noch bei zwei weiteren Bürgerversammlungen: am Montag, 25. November, im Feuerwehrhaus Straß und am Donnerstag, 28. November, im Feuerwehrhaus in Illdorf. Beginn ist jeweils um 19 Uhr.
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