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19.06.2020

Corona-Warn-App im Landkreis: „Ja“ oder Nein“?

Die offizielle deutsche Warn-App für den Kampf gegen das Coronavirus ist nun verfügbar. Sie soll das Nachverfolgen von Infektionen erleichtern. Das Herunterladen ist freiwillig.
Bild: Ralf Lienert

Plus Freiwillig kann jetzt jeder die Corona-Warn-App auf sein Handy herunterladen. Die Neuburger Rundschau hat bei einigen Bürgern angefragt, wie das Angebot vor Ort angenommen wird.

Sie wird angenommen. Über sieben Millionen Menschen in Deutschland haben sich die Corona-Warn-App bereits auf ihr Handy heruntergeladen. Sie schützt die Anwender zwar nicht vor einer Infektion mit dem Coronavirus. Ihre Aufgabe ist es stattdessen, Infektionsketten frühzeitig zu erkennen und so dafür zu sorgen, dass sie unterbrochen werden können. Damit übernimmt die App gewissermaßen die Aufgabe der Gesundheitsämter bezüglich der Kontaktverfolgung. Die Heimatzeitung hat herumgefragt, wie die Warn-App bei Menschen verschiedenen Alters in und um Neuburg angenommen wird.

Die Frage für Oberbürgermeister Bernhard Gmehling ist nicht die, ob er die Warn-App herunterladen will, sondern ob er sie herunterladen darf. „Aus Sicherheitsgründen habe ich nämlich keine einzige App auf meinem Dienst-Handy“, erklärt er. Deshalb werde er die Experten in seiner Verwaltung zurate ziehen, damit ihm kein Fehler unterlaufe. Datenschutzrechtliche Bedenken sieht der 60-Jährige keine. Und im Prinzip sei die Warn-App auch sinnvoll, allerdings nur so lange sich ein Infizierter auch als solcher outen würde. „Ansonsten kann man sich die App sparen.“ Mit der Corona-Entwicklung in Stadt und Landkreis ist Gmehling indes „sehr zufrieden“. Einen Infizierten gebe es noch in Neuburg, vier sind es insgesamt im Landkreis. Nach den Erleichterungen für Kulturveranstaltungen und der Ausweitung der Besucherzahl im Brandlbad (OB: „Hoffentlich wird nun auch das Wetter wieder besser.“) gebe es kommende Woche weitere Erleichterungen – unter anderem die Öffnung von Bolzplätzen und des Skaterplatzes am Landratsamt. „Jetzt kann man nur hoffen, dass die Menschen vernünftig bleiben.“

Matthias Enghuber hat die Warn-App "natürlich aktiviert"

Neuburgs Landtagsabgeordneter Matthias Enghuber hat die Corona-Warn-App „natürlich aktiviert“. Er sieht sie als wichtigen Baustein, um einer zweiten Infektionswelle vorbeugen zu können. Datenschutzrechtliche Bedenken sieht er dabei nicht. Die von staatlicher Seite mithilfe großer Konzerne eingeführte Warn-App sei von allen möglichen Datenschützern geprüft und durchleuchtet worden und würde natürlich auch weiter geprüft. Wenn der 35-jährige Stadt- und Kreisrat an Bedenkenträger denkt, fragt er sich, wie viele Menschen sorglos mit Daten umgehen, wie viele Apps unbedacht heruntergeladen werden? Oder wie viele Leute auf Facebook im Stundentakt bedenkenlos ihr Leben dokumentieren würden. Außerdem stehe es jedem frei, die App hochzuladen, aber auch jederzeit wieder zu löschen.

Corona-Warn-App im Landkreis: „Ja“ oder Nein“?

„Nein danke, die App brauch’ ich nicht“, sagt Weicherings Bürgermeister Thomas Mack. Zum einen habe er sein Handy nicht immer dabei, „gerade wenn ich in meiner Freizeit unterwegs bin“. Zum anderen möchte der 43-Jährige sich nicht noch durchsichtiger machen, als er in seiner Rolle als Bürgermeister ohnehin schon ist. Aber für ihn passe da irgendwie schon länger nicht mehr alles zusammen. Da dürften aus Datenschutzgründen im Kindergartenbereich ohne Einwilligung der Eltern keine Bilder mehr gemacht werden. Auf der anderen Seite werde zum Beispiel auf Facebook alles viel lockerer gesehen. „Wobei ich selbst auch bei Facebook nicht registriert bin“, verdeutlicht Mack.

Michael Kraus aus Königsmoos hat sich bewusst gegen das Herunterladen der App entschieden. Der Student hatte sich zunächst unvoreingenommen über die App informiert und sieht das Thema skeptisch. Die Testphase sei zu kurz gewesen, die Einführung der App käme viel zu spät. „Die früh eingeführte Ausgangsbeschränkung und das Tragen des Mundschutzes schätze ich als wesentlich effektiver ein“, findet der 26-jährige Student. „Außerdem nehme ich das Thema Datenschutz sehr ernst. Ich kann nicht einschätzen, ob es Sicherheitslücken gibt.“

Stadtrat und IT-Experte Gerhard Schoder hat sich die Warn-App genau angesehen

Stadtrat Gerhard Schoder kennt sich aus. Der Neuburger IT-Experte hat sich die neue App ganz genau angeschaut und sagt: „Ich bin sozusagen datenschutzsensibilisiert, aber ich bin mit der technischen Lösung zufrieden.“ Installiert hat er die App noch nicht, aber das wird er bald tun. Diese Art App sei die beste Art das Problem zu lösen, nämlich mit einer dezentralen Speicherung der Daten. Dass es keine einheitliche Lösung für ganz Europa gibt, kann er verstehen: „Der Koordinationsaufwand wäre massiv gewesen. Da die App aber innerhalb von Wochen auf den Markt kommen musste, halte ich mehrere kleine Insellösungen für die beste Lösung.“

Der BWL-Student David Munzinger aus Neuburg hat bereits die neue Corona-App auf seinem Smartphone installiert. Neben dem Infektionsschutz habe ihn vor allem der Aufbau der App interessiert, sagt der 20-Jährige die Gründe für den Download. In seinem Freundeskreis werde die App wohl von den meisten runtergeladen, auch wenn viele sie belächeln. Um seine Daten sorgt sich das Mitglied der Jungen Liberalen nicht: „Der Datenschutz ist wirklich gut.“ Ein Nachteil ist ihm aber dennoch schon aufgefallen. Die App scheint den Akkuverbrauch drastisch zu steigern. „Zumindest gefühlt ist der Verbrauch gestiegen.“ Sollte sich dies bewahrheiten, sei die Gefahr hoch, dass vor allem junge Nutzer die neue App schnell wieder löschen, befürchtet Munzinger. (mari, glori, ande-, laura)

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