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Neuburg

13.08.2019

Damit Sternenkinder wieder ruhen können

Viele Engel und andere kleine Figuren stehen während der Arbeiten auf den großen Steinen vor der Sternenkinder-Stätte.
Bild: Fabian Kluge

Plus Die Buchsbäume auf dem Alten Friedhof mussten weichen. Für die Eltern ist der Anblick schlimm. Wie der Friedhofsverwalter die Fläche wieder schön gestalten will.

Katja Gallbrecht ringt mit den Worten, als sie die Grünfläche auf dem Alten Friedhof an der Franziskanerstraße betritt. Zusammen mit 64 anderen Sternenkindern liegt dort ihr Sohn Felix begraben. Vier Jahre ist es nun her, dass sie ihn in der 28. Schwangerschaftswoche verloren hat. Immerhin etwas Trost spendete ihr damals der Gedanke, dass Felix auf dem Friedhof nicht alleine ist, sondern umgeben von anderen Sternenkindern.

Doch aktuell empfindet sie beim Anblick der Grünfläche wenig Trost, sondern vielmehr Wut. Noch vor wenigen Wochen erinnerten ein Buchsbäumchen, Kerzen, Kieselsteine und ein weißer Engel an den kleinen Felix. Nun hat die Friedhofsverwaltung alle Bäume ausgegraben, Grabschmuck und Kerzen auf zwei großen Steinen aufgereiht. Gallbrecht, selbst jahrelang als Bestattungskraft tätig, kämpft mit den Tränen: „So darf es hier nicht aussehen. Es ist traurig. Da liegt immerhin mein Kind.“ Mittlerweile, erklärt die 41-jährige Neuburgerin, bereue sie es, Felix dort bestattet zu haben. Sie denke sogar darüber nach, eine kleine Grabstätte für ihren Sohn zu kaufen und ihn zu exhumieren. „Hier ist mir der Platz für mein Kind jedenfalls genommen worden.“

Sternenkinder in Neuburg: Friedhofsverwalter liegt die Stätte am Herzen

Friedhofsverwalter Holger Rinberger, der sich mit seinem Team ehrenamtlich um die Fläche kümmert, setzt indes alles daran, dass diese bald wieder gepflegt aussieht. Dass die Buchsbäumchen weichen mussten, habe derweil einen einfachen Grund: „Sie waren allesamt kaputt, befallen vom Buchsbaumzünsler.“ Auch er weiß, dass die Fläche derzeit nicht ansprechend aussieht. Doch das Fötengrab liegt Rinberger am Herzen, betont er: „Wir legen dort äußersten Wert auf Sauberkeit. Die Stätte ist sehr wichtig, es kommen immer wieder Trauernde vorbei.“

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So sah die Ruhestätte von Katja Gallbrechts Sohn Felix aus, bevor die Buchsbäumchen weichen mussten.
Bild: Katja Gallbrecht

Damit die Fläche bald wieder annehmbar aussieht, hat sein Team besondere Steine organisiert. Sie sind grau-rosa und einheitlich gehalten. „Eigentlich wollten wir mit den Arbeiten schon fertig sein, aber dann hat uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt bringen wir noch eine neue Schicht Erde an, dann säen wir Rasen, hoffen, dass er schnell wächst, und mähen einmal schön drüber“, erklärt der Friedhofsverwalter. Das Ergebnis erinnere dann an einen englischen Rasen, verspricht er.

Alter Friedhof: Einschränkungen verärgern Mutter

Auf der Grünfläche am Hintereingang steht eine große Trauerweide. Eltern haben kleine Armbänder und Andenken an ihre Kinder an die Äste gehängt. Mit etwas Abstand zum Fötengrab blickt Gallbrecht auf die Fläche und schüttelt den Kopf. Denn sie liegt auf dem Alten Friedhof versteckt hinter einem Denkmal. „Das spiegelt genau das Thema in der Gesellschaft wider: Es wird totgeschwiegen.“ Zwar war die Fläche vor 13 Jahren zufällig frei, doch der Ort hat einen Sinn, sagt Rinberger: „Dass die Fläche ein wenig versteckt liegt, ist so gewollt.“ So könnten Angehörige in intimer Atmosphäre sich Zeit zum Trauern nehmen, ohne von anderen Friedhofsbesuchern angesprochen zu werden.

Kleine grau-rosa Steine erinnern derzeit auf dem Alten Friedhof an der Franziskanerstraße an die rund 65 Sternenkinder, die dort begraben sind.
Bild: Fabian Kluge

Auch das Denkmal für das ungeborene Leben lässt Gallbrecht verärgert zurück. Denn zum Konzept des Kunstwerks gehört es, dass das Gras auf der Fläche möglichst naturbelassen bleibt. Das führte in der Vergangenheit beispielsweise schon dazu, dass das Unkraut höher gewachsen war als die Buchsbäumchen, bestätigt Rinberger. Außerdem sei nicht vorgesehen, dass auf der Grünfläche Grabschmuck wie Kerzen oder Engelchen platziert werden, weiß Friedhofsreferentin Elfriede Müller. Doch die Stadt ist relativ nachsichtig.

Sternenkinder: Klinikseelsorger befürwortet Grabschmuck

Und genau das ist bei der Trauerbewältigung sehr wichtig, sagt Klinikseelsorger Hans Schöffer. Er hat schon viele Bestattungen von Sternenkindern begleitet – unter anderem auch die des kleinen Felix. „Aus fachlicher Sicht ist es gut, wenn Eltern das Grab schmücken können, an einem Ort etwas ablegen können. Da gilt es zur Not, einen Kompromiss zu finden.“ Trotzdem spielen er und sein Team mit offenen Karten: Sie teilen den Eltern von vornherein mit, dass sie die Grabstätte nicht selber gestalten können. „Aber trauernde Eltern haben natürlich andere Dinge im Kopf.“

Er zeigt auch Verständnis dafür, dass Gallbrecht so aufgebracht ist. Eltern seien selbstverständlich empört, wenn sie ihr Kind nicht ausreichend gewürdigt sehen. Er ist sich aber auch sicher, dass die Fläche bei Rinberger und dessen Team in guten Händen ist: „Das Fötengrab ist wirklich sein Herzensanliegen.“ Überhaupt sei Neuburg im Jahr 2006 eine der ersten Städte überhaupt gewesen, die eine solche Fläche für Sternenkinder angeboten hat – „und das ist klasse“.

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