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Neuburg

27.08.2020

Damit es in Neuburgs Gärten weiter summt und brummt

Bienen brauchen offene Blüten, um an den wertvollen Nektar zu kommen. Einige Züchtungen mit besonders vollen Blüten sind nicht geeignet für die Insekten.

Plus Die Honigbiene steht als Symbol für die Gruppe der Insekten – und die werden in Deutschland immer weniger. Imker Michael Heindl verrät, was jeder in seinem Garten tun kann, um ihn bienenfreundlicher zu machen.

Spricht man mit Michael Heindl über sein Hobby, das Imkern, fängt der Unternehmer aus Neuburg nicht etwa an, von der Biene zu erzählen. Erst einmal geht es um Schmetterlinge. Die fand er schon als Kind besonders faszinierend, so wie vieles andere, was im heimischen Garten an der Luisenhöhe so kreuchte und fleuchte. „Dieses Jahr gab es extrem wenig Schmetterlinge“, sagt er und zeigt auf den Flieder im Garten. Wo sich sonst Pfauenaugen, Admiral und Kleiner Fuchs tummeln, sei dieses Jahr kaum etwas los gewesen. „Das ist erschreckend.“

Dann spricht Heindl doch von den Bienen. 19 Völker hält der Hobbyimker im Garten und auf dem Firmengelände im Ortsteil Rödenhof. „Es geht nicht um die Honigbiene“, sagt Heindl und meint damit das Insektensterben. „Davon sind andere Arten mehr betroffen.“ Zum Beispiel einige Verwandte der Honigbiene, die sogenannten Wildbienen. Viele Arten sind in unseren Breiten eigentlich heimisch. Pestizide und Krankheiten machen ihnen und vielen anderen Insekten das Leben zunehmend schwer.

Bis zu 20 Kilogramm wiegt ein gut belegter Rahmen. In den Waben steckt der Honig, den Imker Michael Heindl hier erntet.

„Kein Wunder“, sagt Franz-Josef Wilken. Er ist Vorsitzender des Imkervereins Neuburg. Die stark landwirtschaftlich geprägte Landschaft in der Region nennt er „aufgeräumt“, was in diesem Zusammenhang nichts Gutes bedeutet. Mais und Getreide dominieren die Flächen, gegen Löwenzahn wird gespritzt und der Rasen akkurat gemäht. „Da bleibt den Insekten nicht viel Lebensraum.“

Sowohl er als auch Michael Heindl appellieren daher an alle Garten- und Balkonbesitzer, tätig zu werden und etwas für Insekten zu tun. „Es muss nicht immer der riesige Garten sein. Auch kleinere Blühflächen auf dem Balkon können eine Oase für Bienen und andere Insekten sein“, sagt Wilken.

Bienen brauchen offenen Blüten und Wasser

Um für seine Bienen optimale Bedingungen zu schaffen, lässt Michael Heindl in seinem Garten den Rasen stehen. Der Klee blüht, die Bienen freut es. „Wichtig ist, dass man den Bienen offene Blüten anbietet“, weiß der Imker. Viele gezüchtete Rosen haben mehrere Reihen Blütenblätter. Das mag dem Gärtner gefallen. Für die Insekten sind diese Blüten wertlos, da sie gar nicht oder nur schwer an den Blütenstempel kommen. Außerdem brauchen Bienen eine Wasserquelle. Heindl achtet in seinem Garten auch darauf, dass die Bienen möglichst lange im Jahr Blüten zum Anfliegen finden. Ein Beispiel für eine Staude, die im Herbst noch blüht, ist die Fetthenne (Sedum). Auch das bei vielen Gärtnern unbeliebte Japanische Springkraut ist für Bienen noch eine Nahrungsquelle, wenn anderes längst verblüht ist.

Jeder Bienenkasten bei Imker Michael Heindl ist ein Kustwerk

Seine Spättracht, also die zweite Honigernte, hat Michael Heindl bereits in die sechseckigen Imkergläser gefüllt. Die Farbe verrät, an welchen Blüten die Bienen Nektar gesammelt haben. Mit der Ernte war Heindl gute drei Tage beschäftigt. Bei der ersten Ernte im Juni lag der Ertrag bei 170 Kilogramm. „Im August waren die Rahmen mit rund 100 Kilo Honig etwas schlechter belegt“, sagt Heindl. Für ihn ist kein Bienenvolk wie das andere. „Es gibt aggressivere und bravere, die einen belegen die Rahmen gleichmäßig, andere ungleichmäßig."

Wie um das zu betonen sieht bei Michael Heindl kein Bienenkasten aus wie der andere. Im Garten der Familie und auf dem Firmengelände stehen keine einfachen Holzkästen, sondern echte Kunstwerke. Teilweise gestaltet Michael Heindl das Design selbst, aber auch befreundete Künstler wie Viktor Scheck gestalteten eine kunstvolle Bienenresidenz. Ganz schlicht kommt dagegen das Zuhause der Wildbienen daher.

In dieser einfachen Behausung fühlt sich die Wildbiene besonders wohl. Anders als ihre Verwandte, die Honigbiene, lebt die Wildbiene nicht im Schwarm.

Im Gegensatz zu den Honigbienen, die nur im Schwarm überleben können, leben die Wildbienen solitär. Sie nisten sich in schmalen Röhren ein, die Heindl ihnen aus Bambusstäben gesägt oder mit dem Bohrer in Holz gebohrt hat. „Die stechen nicht und sind wirklich nette kleine Wesen, die man auch mit Kindern toll beobachten kann“, sagt Heindl. Übrigens ein wertvoller Nebeneffekt der Bienen im Garten: Sie ziehen andere Insekten an. So kommen hoffentlich im kommenden Jahr auch die Schmetterlinge zurück.

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