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Müll

16.05.2018

Das Dilemma mit den Pappbechern

Mehrweg oder Einweg – viele Städte klären momentan die Kaffeebecherfrage und wollen mit einem Pfandsystem den Müll reduzieren.

München hat es, Augsburg hat es, Aichach-Friedberg will es – ein Pfandsystem für Coffee-to-go-Becher. Eine Option auch für Neuburg? Das sagen die Bäcker dazu.

Drei Jahre ist es her, dass die Münchnerin Julia Post mit der Aktion „Coffee to go again“ auf das Problem aufmerksam machte: Ein Einweg-Kaffee-Becher ist im Schnitt 15 Minuten im Einsatz, dann landet er im Müll. Deutschlandweit werden nach Hochrechnungen der Deutschen Umwelthilfe pro Stunde 320000 Becher weggeworfen. Julia Post sensibilisierte die Öffentlichkeit für das Thema – mit Erfolg. Immer mehr Städte setzen auf ein Pfandsystem für Kaffeebecher.

Carolin Hoffmann, Geschäftsführerin des Café Luitpold, verkauft pro Tag etwa 100 Kaffees zum Mitnehmen. „Ich wäre voll dafür“, sagt sie über ein einheitliches Pfandsystem für die Stadt. Jetzt schon bekommen Kunden, die ihren eigenen Mehrwegbecher mitbringen, einen Preisnachlass auf den Kaffee.

Ein Pfandsystem für Neuburg könnte ähnlich funktionieren wie in Augsburg: Dort bekommen Kunden bei über 50 teilnehmenden Cafés und Bäckereien gegen einen Euro Pfand das Getränk in einem stabilen Plastikbecher ausgeschenkt. Bis zu 500 Mal sei dieser wiederzuverwenden, gibt das betreuende Unternehmen Recup aus München an. Der Kunde trinkt seinen Kaffee dann unterwegs aus und kann den leeren Becher bei jedem teilnehmenden Bäcker wieder zurückgeben.

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Auch Wolfgang Schlegl von der gleichnamigen Bäckerei kennt das System. „Wir diskutieren es in der Branche ganz energetisch“, erzählt er. Aber noch ist er nicht davon überzeugt, dass die Ökobilanz eines Pfandsystems wirklich besser ist. „Die Akzeptanz müsste deutlich besser werden“, sagt er. Er fürchtet, dass nicht genug Bürger den Pfandbecher nutzen würden. Und nur, wenn es großflächig angenommen werde, sei das Mehrweg-System sinnvoll. Und damit hat er recht: Ein Mehrwegbecher aus Porzellan oder Edelstahl muss beispielsweise zwei Monate regelmäßig benutzt werden, bis er wirklich ökologischer ist als ein Pappbecher. Und in einigen Städten hat sich gezeigt, dass viele Becher schlicht nicht in den Pfandkreislauf zurückgeführt werden. Stattdessen schmücken sie die Küchen in Wohngemeinschaften, landen doch im Hausmüll oder stapeln sich in Büroküchen.

Bisher bringt kaum ein Kunde seinen eigenen Becher mit

Bis jetzt hat Schlegl nur ein paar einzelne Kunden, die konsequent einen eigenen Mehrwegbecher zum Befüllen mitbringen. Und auch Ernst Kaltenstadler kann Ähnliches berichten: Seit gut einem Jahr kann man in der Bäckerei seiner Familie einen Thermo-Becher kaufen. Jedes Mal, wenn der Kunde den Becher wieder mitbringt, bekommt er 20 Prozent mehr Inhalt geschenkt. Doch angenommen wird das kaum. Er schätzt aber, dass jeder zehnte Kunde auch einen Coffee-to-go mitnimmt. Den Mehrwert eines Pfandsystems kann er nicht erkennen – denn auch das müsste verwaltet werden.

Im Nachbarlandkreis Aichach-Friedberg soll in den kommenden Monaten ein Kaffeebecher-Pfandsystem eingeführt werden. Pressesprecher Wolfgang Müller erzählt, dass die Mitarbeiter der kommunalen Abfallwirtschaft das Projekt angestoßen haben. „Es hat einen ökologischen Nutzen und es lohnt sich auf lange Sicht auch finanziell“, sagt Müller.

100 bis 200 Becher landen pro Tag in den Mülleimern der Innenstadt

Und was sagt die Neuburger Straßenreinigung zum Müll durch Kaffeebecher? Mitarbeiter Stefan Czermak hat zwar noch nie bewusst darauf geachtet, aber „pro Tag sind es auf jeden Fall 100 bis 200“. Und: „Wenn man Müll vermeiden kann, ist das immer gut.“ Der Meinung ist auch der städtische Umweltreferent Heinz Schafferhans (SPD): „Grundsätzlich sind die Einwegbecher eine Katastrophe.“ Bisher war es noch kein Thema im Umweltausschuss, doch sollte es sich als relevantes Problem entpuppen, könne er sich ein Pfandsystem sehr gut vorstellen.

Wolfgang Schlegl, der dafür plädiert, erst einmal zu beobachten, wie sich die Pfandsysteme in anderen Städten entwickeln, hat zumindest schon eine andere Idee, um die Ökobilanz seines Kaffees zum Mitnehmen zu verbessern: In Zukunft will er auf Pappbecher setzen, die auf der Innenseite satt mit Plastik mit Maisstärke beschichtet sind.

Den stärksten Einfluss auf die Umwelt hat am Schluss aber doch der Kunde, da sind sich die Experten einig. Solange es kein flächendeckendes Pfandsystem gibt, bleibt der eigene Mehrwegbecher die ökologischste Alternative, um den Kaffee unterwegs zu genießen. Aber, und das kann auch Ernst Kaltenstadler bestätigen, kaum ein Kunde will eben den ganzen Tag den leeren, dreckigen Becher mitschleppen.

 

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