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Ingolstadt

09.10.2019

Das Sparprogramm bei Audi beunruhigt die Mitarbeiter

Audi macht unruhige Zeiten durch: Bei der Betriebsversammlung in Ingolstadt ging es um die Frage: Wie geht es weiter mit dem Stammwerk?  
Bild: Julian Stratenschulte, dpa (Archiv)

Plus Die Audi-Mitarbeiter wollen wissen, wie es mit dem Stammwerk in Ingolstadt weitergeht und ob ihre Jobs sicher sind. Das Warten auf Antworten zehrt an den Nerven.

Als die Audianer nach der Betriebsversammlung die Halle verließen, tönte ihnen die „Internationale“ entgegen. Sie konnten auch die „Kleine Zeitung zur Fabrikarbeiterwoche“ in Empfang nehmen. Schlagzeile: „Steh auf – jetzt! Enteignet die Enteigner“. Gemacht hat die Zeitung der Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD. Große Aufmerksamkeit bekamen die Demonstranten nicht.

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Viele Audianer haben derzeit andere Sorgen als gleich die Systemfrage zu stellen. Sie wollen wissen, wie es mit dem Ingolstädter Stammwerk weitergeht, welche und wie viele Autos dort künftig gebaut werden, ob sie einen sicheren Job haben. Viele sind verunsichert, denn Audi durchlebt schwere Zeiten.

Es geht darum, was die Unternehmensstrategie „Konsequent Audi“ – ein hartes Sparprogramm, verbunden mit einer E-Modell-Offensive – für die Standorte bedeutet. Eigentlich hatten Unternehmensspitze und Arbeitnehmer bis zum Herbst eine Übereinkunft erzielen wollen. Offiziell verhandelt wird aber nach wie vor nicht. Das zehrt an den Nerven.

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Audi-Betriebsrat: "Wir brauchen Entscheidungen"

In der Halle sagte der Audi-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Peter Mosch vor der Belegschaft: „Es ist höchste Zeit, dass die Verunsicherung der Belegschaft aufhört. Wir brauchen Entscheidungen. Und diese müssen nachvollziehbar, wirtschaftlich sinnvoll und solidarisch sein.“ Er forderte von der Unternehmensleitung „Investitionen statt Sparprogramme“. Der Betriebsrat erwarte in den anstehenden Verhandlungen ein „klares Bekenntnis zu den deutschen Standorten“ und die Verlängerung der zunächst bis 2025 geltenden Beschäftigungssicherheit um weitere fünf Jahre.

Mosch betonte mit Blick auf die Position der VW-Tochter im Gesamtkonzern, Audi müsse dabei „langfristig eigenständig und zukunftsfähig bleiben, um den Beschäftigten eine sichere Perspektive bieten zu können, so Mosch.

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Bild: Andreas Arnold, dpa

Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Rita Beck forderte die Unternehmensleitung auf, zu den zentralen Themen des geplanten Standortsicherungsvertrags „Audi. Zukunft“ „verbindliche Auskünfte“ zu geben: „Wir brauchen endlich eine vernünftige Planung zum zukünftigen Produktportfolio, zur Werkbelegung und zu den Stückzahlen.“ Beck mahnte in Sachen Einführung neuer Technologien eine „Offenheit und technische Flexibilität“ an. Diese seien Grundvoraussetzungen, um Arbeitsplätze der Zukunft zu sichern.

Ob die Verhandlungen bis Jahresende abgeschlossen sein werden, ließ Mosch im Gespräch mit unserer Redaktion offen. Qualität gehe vor Schnelligkeit. Die Audianer müssen sich also weiter gedulden. Auf die Frage, ob die anstehenden Verhandlungen dadurch beeinträchtigt würden, dass Audi-Chef Bram Schot möglicherweise im Frühjahr durch den früheren BMW-Vorstand Markus Duesmann ersetzt wird, sagte Mosch: „Dass Bram Schot abgelöst wird, ist Spekulation. Außerdem verhandeln wir nicht mit einer einzelnen Person, sondern mit einem gesamten Vorstand.“

Bei Audi werden Stellen abgebaut

Wie Teilnehmer der nicht öffentlichen Betriebsversammlung übereinstimmend berichten, habe Audi-Personalvorstand Wendelin Göbel in seiner Rede deutlich auf die Notwendigkeit hingewiesen, Personal abzubauen. Zahlen seien keine genannt worden. Es hieß wie bisher auch „entlang der demografischen Linie“.

Göbel sagte in seiner Rede: „Bei Audi.Zukunft geht es darum, die Zukunftsfähigkeit von Audi und die Arbeitsplätze der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter langfristig zu sichern.“ Audi, so Göbel weiter, müsse „jetzt die notwendigen Schritte tun – auch wenn diese wehtun“.

Am Mittwoch gab Audi auch die Septemberzahlen bekannt. Weltweit wurden zwar 145.400 Fahrzeuge ausgeliefert (plus 4,5 Prozent). Dabei profitierte die VW-Tochter allerdings davon, dass der Vergleichszeitraum 2018 wegen Problemen bei der Umstellung der Verbrauchs- und Abgasmessung auf den neuen Zyklus WLTP extrem schlecht ausgefallen war. Auf das Gesamtjahr gesehen liegt man weiterhin im Minus. Bis Ende September wurden 1,36 Millionen Autos ausgeliefert, 3,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. (mit dpa)

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