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Neuburg/Egweil

23.05.2015

Das Unglück gibt noch immer Rätsel auf

Nur gut 500 Meter nachdem sie auf dem Egweiler Flugplatz gestartet war, geriet die Klemm 107 ins Trudeln und stürzte in ein Getreidefeld. Der 23-jährige Pilot, ein gleichaltriger Freund sowie dessen 15-jährige Cousine waren auf der Stelle tot.
Bild: Xaver Habermeier

Heute vor einem Jahr prallte ein Flugzeug bei Egweil auf ein Getreidefeld. Dabei starben die drei Insassen. Seitdem forscht die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung nach der Ursache

Der 23. Mai 2014 war ein sonnig-warmer Frühlingstag. Ein Freitag, der einen herrlichen Start in ein schönes Wochenende versprach. Doch für drei junge Leute brachte er den Tod: Ein 23-jähriger Pilot aus Wellheim – Angehöriger des Neuburger Jagdgeschwaders –, sein gleichaltriger Freund aus Eichstätt und dessen 15 Jahre alte Cousine wollten kurz nach 18 Uhr von Egweil aus einen privaten Rundflug machen. Sie stürzten schon 500 Meter nach dem Start ab. Der Aufprall der einmotorigen Klemm 107 in ein Weizenfeld war so heftig, dass das Cockpit vom Rumpf des Flugzeugs abgetrennt wurde. Der vordere Teil wurde stark deformiert, die Tragflächen wurden abgerissen. Sie wurden verdreht und zersplitterten. Alle drei Insassen waren auf der Stelle tot.

Damals schon rätselten Gutachter über die Ursache des Absturzes, die nicht eindeutig zu bestimmen war. Sie untersuchten, ob ein Pilotenfehler zum Unfall geführt hatte, ob ein technischer Defekt bei der Maschine des Luftsportvereins JG 74 vorlag, die mit ihren 55 Jahren als Oldtimer galt, oder ob es möglicherweise ein Zusammenwirken aus beidem gegeben hat. Und auch heute – exakt ein Jahr danach – ist immer noch nicht bekannt, was genau passiert ist. Der Abschlussbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) lässt noch auf sich warten.

In einem ersten Zwischenbericht schloss der zuständige Untersuchungsleiter lediglich mögliche denkbare Defekte am Flugzeug aus. So sei etwa die Treibstoffpumpe funktionstüchtig gewesen, der Kraftstofffilter sei weder verschmutzt, noch verstopft gewesen und auch alle Kraftstoffleitungen waren laut diesem Bericht frei und durchgängig. Ebenso wurde bei den Untersuchungen sämtlicher weiteren Teile wie Kurbelwelle, Vergaser, Zündkerzen, Zündmagneten, Kolben et cetera keinerlei Mängel festgestellt.

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Und auch das Wetter war für einen Flugtag optimal: Der Himmel war nur minimal bewölkt. „Laut Routinewettermeldung von 18.20 Uhr betrug die Sicht über zehn Kilometer“, heißt es im Zwischenbericht.

Der 23-jährige Pilot war Stabsunteroffizier beim Taktischen Luftwaffengeschwader und Mitglied des Neuburger Luftsportvereins JG 74. Er hatte zum Zeitpunkt des Unglücks seit neun Monaten eine europäische Fluglizenz besessen und insgesamt rund 110 Stunden Flugerfahrung. Auf die Klemm 107 war er allerdings erst im April 2014 eingewiesen worden. Mit diesem Flugzeugtyp war er rund acht Stunden geflogen. Er galt als ruhiger, besonnener Mensch. Oberst Frank Gräfe charakterisierte ihn damals gegenüber unserer Zeitung als einen, „der lieber alles fünf Mal kontrolliert hat, als nur einmal“. Und als Menschen, der „alles andere war, als ein Draufgänger“.

Als die Klemm gegen 18 Uhr startete, berichteten mehrere Zeugen von ungewöhnlichen Motorengeräuschen. Die Flugleiterin des Egweiler Flugplatzes stand gerade mit einem weiteren Zeugen am Ende der Startbahn 08, als die Klemm in etwa zehn Metern Höhe an ihnen vorbeiflog. Beide sprachen gegenüber den Ermittlern von einem „unrunden Motorlauf“, wie im Zwischenbericht der BFU vermerkt ist. Ein Bewohner Egweils, der den Unfall von seinem Garten aus beobachtet hatte, schilderte später, das Flugzeug habe sich angehört wie ein „Rasenmäher, der nicht genug Benzin bekommt“.

Vielleicht wird man mehr wissen, wenn in ein paar Monaten die Untersuchungen endgültig abgeschlossen sein werden. An den tragischen Ereignissen kann das nichts mehr ändern. Der 23. Mai 2014 war ein schwarzer Tag für den Luftsport in der Region.

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