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Mieten in Neuburg

20.02.2020

Deshalb ist günstiger Wohnraum in Neuburg knapp

Im Speckgürtel von Ingolstadt: die Stadt Neuburg. Preiswerter Wohnraum ist auch hier Mangelware.
Bild: Rebecca Lang (Symbolbild)

Plus Während sich die Situation auf dem Neuburger Immobilienmarkt allmählich entspannt, bleibt die Nachfrage nach billigen Sozialwohnungen nahezu unverändert. Welche Gründe gibt es dafür?

Neuburg Die Liste der Menschen, die in Neuburg nach einem bezahlbaren Zuhause suchen, ist lang, sehr lang. Allein 218 haben sich dafür bei der Gemeinnützigen Bau- und Siedlungsgenossenschaft für den Landkreis vorgestellt. 218 Frauen, Männer und ganze Familien, die teils jahrelang auf eine freie Sozialwohnung warten müssen.

Die Lage sei angespannt, bekräftigt Ilona Beyer-Stempfle als Geschäftsführerin. „Und zwar seit Jahren.“ Von den rund 320 Wohnungen, die die Genossenschaft betreut, sind 103 preisgebunden. Die Kosten pro Quadratmeter Wohnraum schwanken hier zwischen 4,34 und 6 Euro. Wobei die Nachfrage von kleinen Apartments bis zu Vier-Zimmer-Wohnungen reicht. Fluktuation im Bereich des geförderten Wohnraums gebe es kaum, sagt Ilona Beyer-Stempfle. Nur selten würde jemand seine Wohnung verlassen, weshalb die Genossenschaft etwa ein bis zwei Mal im Jahr Neuvermietungen abschließe. Im Verhältnis zu anderen Städten gesehen, sei das allerdings schon viel.

Deshalb ist günstiger Wohnraum in Neuburg knapp

Mietpreise in Neuburg: An billigem Wohnraum mangelt es

Wohnen wird teurer, der Markt ist eng. So haben sich nach Berechnungen der Immobilienplattform Immowelt die Mietpreise in Neuburg zuletzt zwischen 8,33 und 12,04 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete bewegt. Insgesamt lasse sich zwar eine leichte Entspannung beobachten, erzählt Rainer Bierwagen von der Gesellschaft Wohngebäude, kurz GeWo in Neuburg. Das betrifft vor allem Wohnraum, den sich die besserverdienende Mittelschicht leisten kann. An preiswerten Räumlichkeiten mangle es dagegen nach wie vor. Ein Umstand, der unter anderem dazu führt, dass Senioren Mieten nicht mehr stemmen können. „Eine 80-Jährige tut sich nicht so leicht, günstigen Wohnraum zu finden. Auch weil sie in ihrer Suche eingeschränkt ist.“ Ist die Wohnung barrierefrei? Im Erdgeschoss? Gibt es Treppen? Einen Aufzug? Aber nicht nur ältere, auch junge Leute haben Probleme. Ein Beispiel.

Angenommen, eine junge Frau, sie ist etwa 18, möchte mit ihrem Freund zusammenziehen. Er geht zur Schule, sie macht eine Ausbildung. Die beiden suchen und finden eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Stadtkern für rund 800 Euro. Ein Szenario, das inzwischen bezeichnend sei für den hiesigen Immobilienmarkt, erklärt Rainer Bierwagen. 800 Euro also. Ohne Stellplatz für das Auto, ohne Internet, ohne die Kosten für zwei Telefone, den Strom, die Kleidung, das Essen. „Wie soll das junge Paar das bezahlen?“ Eine Frage, die genauso Alleinerziehende beschäftigt und Menschen mit Migrationshintergrund und Geringverdiener ebenso wie den Otto-Normalverbraucher.

Denn: „Bedarf gibt es überall“, sagt der GeWo-Chef. Auch, weil jeder versucht, ein wenig Geld zu sparen. So klopfen bei Rainer Bierwagen mitunter Menschen an, die eine Wohnung haben, aber nach einer billigeren Variante suchen. „Wir haben auch Kandidaten auf der Liste, die unsere Wohnungen ablehnen, weil ihr Küchentisch nicht hinein passt. Da stellt sich dann auch die Frage, wie hoch der Bedarf wirklich ist.“ Die GeWo bewirtschaftet derzeit 351 Wohnungen, davon 151 sozialgeförderte und 200 nicht preisgebundene Wohnungen, die ohne Zugangsbeschränkungen angemietet werden können. „Früher haben wir unsere Wohnungen inseriert, heute führen wir eine lange Liste“, fasst Rainer Bierwagen die Lage zusammen. Auf ebendieser Liste stehen aktuell 210 Anfragen.

Wohnen in Neuburg: Baukosten und Grundstückspreise sind gestiegen

Weshalb das so ist, dafür gibt es viele Gründe, sind sich Rainer Bierwagen und Ilona Beyer-Stempfle einig. Demnach wird zu wenig gebaut. Und wenn, dann zu teuer. Die Grundstückspreise sind gestiegen. Der Negativzins macht Eigentumswohnungen zu Kapitalanlagen, die für viel Geld vermietet werden, weil sie sich nur so rentieren. Überhaupt melden viele Vermieter Eigenbedarf an. Regelungen für Sanierungsmaßnahmen nehmen zu. Fallen Wohnungen aus der Preisbindung, werden sie nicht kompensiert. Ein grundlegendes Phänomen der Gesellschaft sei es zudem, dass Haushalte nicht mehr zusammenbleiben, erläutert Rainer Bierwagen. „Es gibt mehr Trennungen als früher, mehr Patchwork-Familien und Singles.“ Die Personenzahl sinkt, die Zahl der Haushalte steigt. „Das ist ein Trend, der eine Verknappung des Wohnraums mit sich bringt.“

Da sich das Problem hoher Mieten durch nahezu jede bayerische Stadt zieht, hat der Freistaat Ende 2015 mit einem Wohnungspakt reagiert: Sozialer Wohnungsbau der Kommunen wird mit 30 Prozent gefördert. Ein Anreiz, auch in Neuburg wieder Wohnraum für Geringverdiener zu schaffen. Zum Beispiel am geplanten Wohngebiet „Am Heckenweg“ entlang der Grünauer Straße im Neuburger Osten. Wie Stadtsprecher Bernhard Mahler berichtet, soll dort ein Baugebiet entstehen, das „alle Arten von Wohnungen“ ermöglicht – unter anderem Sozialwohnungen, die zusammen mit einem Träger verwirklicht würden. Ein zweites Projekt will die Stadt ab März im Feldkirchener Siedlerweg durchsetzen, wo insgesamt 27 sozialgeförderte Einheiten mit Tiefgarage errichtet werden. Wohnungen in unterschiedlicher Größe, um die „magischen 7,50“ Euro pro Quadratmeter anbieten zu können, sagt Bernhard Mahler.

In Neuburg zu bauen, das plant auch die GeWo. „Ende März, Anfang April wollen wir an der Stettiner Straße beginnen, wo neun Einheiten entstehen sollen“, erläutert Rainer Bierwagen. Wie sich die Situation dadurch verändere, bleibe abzuwarten. Prognosen für den Wohnungsmarkt in Neuburg insgesamt zu treffen, das traut sich der GeWo-Chef nach eigenen Angaben nicht. Bisher sei viel geschafft und geschaffen worden, betont er. Doch würden sich weitere Herausforderungen ergeben. Der Campus zum Beispiel könnte eine Rolle spielen genauso wie jüngste Tendenzen bei Audi. „Deswegen würde ich einen Businessplan gut finden. Nur um zu sehen, wo es die nächsten Jahre hingehen könnte.“

Lesen Sie dazu auch den Kommentar "Neuburg braucht kreative Ideen für sozialen Wohnraum".

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