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11.10.2017

Die Christuskirche hat eine bewegte Vorgeschichte

Die Christuskirche in Karlshuld begeht am Sonntag den 170. Jahrestag der Einweihung.
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Die Christuskirche in Karlshuld begeht am Sonntag den 170. Jahrestag der Einweihung.
Bild: Uwe Kühne

Kirchenaus- und -eintritte beschleunigten den Bau des protestantischen Gotteshauses in Karlshuld vor 170 Jahren

Seit 170 Jahren haben die Protestanten in Karlshuld einen festen Bau. 1847 wurde die Christuskirche in der größten Donaumoosgemeinde eingeweiht. Das Jubiläum wird kommenden Sonntag, 15. Oktober, um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst gefeiert.

Der Kirchenbau der evangelisch-lutherischen Gemeinde Karlshuld begann in einer religiös unruhigen Zeit. Im Donaumoos gab es 1831/32 eine kleine Reformation und Gegenreformation. Auslöser war der katholische Pfarrer Johann Georg Lutz, der am 23. August 1826 als Vikar ins Moos kam. Lutz war ein wortgewaltiger Mann, der die Gläubigen beeindruckte und dessen Predigten bei den einfachen Leuten eine tiefe Frömmigkeit weckten. Im Bischöflichen Ordinariat sah man diesen Einfluss allerdings skeptisch. Er sorge für Unruhe unter den Gläubigen, hieß es bald. Deshalb sollte Lutz nach Bayersoien ins Werdenfelser Land versetzt werden. Seine Bitten, in Karlshuld bleiben zu dürfen, wurden abschlägig beschieden.

So ging der Pfarrer nach Untermaxfeld und erarbeitete die Schrift „Bekenntnis der christlichen Wahrheit, wie solche in der Pfarrei Karlshuld auf dem Donaumoose erkannt und geglaubt wird“. Die darin enthaltene Bitte, eine eigene Gemeinde nach diesen Richtlinien zu gründen, lehnten die Behörden aber ab. Mehr noch: Ihm wurde sogar der Aufenthalt in Karlshuld und Umgebung polizeilich untersagt.

Aus Enttäuschung darüber entschloss sich Johann Lutz Anfang 1832, zur protestantischen Kirche überzutreten. Und er war nicht der Einzige: Fast die Hälfte aller Karlshulder taten es ihm gleich. Von den damals rund 1300 Einwohnern wechselten etwa 600 zum evangelischen Glauben – oder besser gesagt: Sie folgten der neuen Lehre von Johann Georg Lutz. Wie alle protestantischen Christen im und am Donaumoos gehörten auch die Karlshulder zur 1804 gegründeten Untermaxfelder Pfarrei. Pfarrer war Albrecht Friedrich Mayer. Diese „Reformation“ im Kleinen brachte ihm einen Zuwachs auf über 1300 Gemeindeglieder, was den Pfarrer arg ins Schwitzen brachte. Er brauchte dringend Unterstützung und bekam sie auch, allerdings nicht von Lutz, dem er den Zulauf zu verdanken hatte, sondern von Pfarrer Georg Pächtner. Auch die Kirche platzte nun aus allen Nähten. Am 13. Februar 1832 bot deshalb der Karlshulder Kolonist Adam Schedlbauer Pfarrer Mayer seine große, leer stehende Scheune unentgeltlich für „gottesdienstliche Versammlungen“ an. Der Vorschlag wurde allerdings von den Kirchenbehörden und dem Königlichen Landgericht Neuburg abgelehnt.

Lutz war zur evangelischen Kirche übergetreten, durfte dort jedoch nicht als Pfarrer für seine mit ihm konvertierten Gläubigen tätig sein. Das enttäuschte ihn so sehr, dass er am 9. Juli 1832 – also gerade mal ein halbes Jahr später – die evangelische Kirche wieder verließ und ihm viele der mit ihm Übergetretenen, quasi als „Gegenreformation“, abermals folgten. Nun hatten es die Kirchenoberen eilig und das Dekanat Augsburg forderte am 10. August 1832 den Untermaxfelder Pfarrer auf, die Errichtung der Interimskirche zu beschleunigen. Das ließen sich die Karlshulder nicht zweimal sagen: Vom Kolonisten Georg Mutzbauer aus Kleinhohenried wurde der Grund erworben und die Gläubigen zogen binnen drei Wochen die sogenannte Bretter- oder Scheunenkirche hoch. Am 30. September 1832 wurde dort der erste Gottesdienst abgehalten. Die Karlshulder Expositur wurde am 5. Juni 1838 zur Pfarrei erhoben. Erster Pfarrer dieser neuen Pfarrgemeinde wurde Georg Pächtner. Ungebrochen war sein Bauwille für ein festes Gebäude: Seit 1837 wurde für dessen Bau gesammelt. Pächtner, ein Praktiker, bemühte sich nach besten Kräften um Finanzen und organisierte den Bau so gut, dass er die genaue Buchführung hintanstellte. So wie ihm die Gelder zur Verfügung gestellt wurden, setzte er sie für Handwerker und Material ein, wie aus einer von ihm am 1. März 1851 nachträglich erstellten Rechnung ersichtlich ist: Summa der Einnahmen 5984 Gulden, Summa aller Ausgaben 8876 Gulden, 11 Kreuzer, Deficit 2892 Gulden.

Am 21. November 1847 folgte die feierliche Einweihung des zweiten, steinernen evangelischen Gotteshauses im Donaumoos, das heute noch steht. Georg Pächtner wurde noch im gleichen Jahr nach 15 Jahren „aufopfernden Dienstes im Donaumoos“ nach Trommetsheim bei Weißenburg versetzt. 1864 fand eine erste Innensanierung, 1881/82 eine Gesamtrenovierung statt. Erst 1963 wurde an der Kirche wieder gebaut. 1987 wurde das Gotteshaus von Grund auf saniert. Dabei wurden die alten Deckengemälde, die bei der Renovierung 1963 überpinselt worden waren, freigelegt. Mit einem erneuerten Kirchenportal, einer neuen Farbgebung, neuen Bänken, einer vergrößerten Empore und der Neugestaltung des Altarraumes ist die Kirche zu einer kulturellen Bereicherung im Donaumoos geworden. Aufs Kirchendach stiegen Arbeiter 2009, um 11400 Ziegel neu einzudecken. 2012 stand schließlich die bislang letzte Innenrenovierung an, nach der die Kirche wieder in den freundlichen Farben erstrahlte.

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