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Burgheim-Straß

24.06.2017

Die Wehwehchen der Straßer Kirche

Auf einen Kraftakt in Sachen Kirchensanierung stellen sich Dekan Werner Dippel und der Straßer Kirchenpfleger Mathias Hentschel ein. Im September sollen die Bauarbeiten beginnen.
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Auf einen Kraftakt in Sachen Kirchensanierung stellen sich Dekan Werner Dippel und der Straßer Kirchenpfleger Mathias Hentschel ein. Im September sollen die Bauarbeiten beginnen.
Bild: Peter Maier

Das Gotteshaus im Burgheimer Ortsteil ist in keinem guten Zustand. Wo es krankt und warum die Sanierungsarbeiten im Frühling und Sommer ruhen müssen.

Die Baumaßnahme ist dringend nötig, eine echte Herausforderung für Architekt und ausführende Handwerker, ein finanzieller Kraftakt und eine einmalige Besonderheit, was die Rücksichtnahme auf die Tierwelt angeht. Adolf Maria Springer, ein Architekt mit viel Erfahrung bei kirchlichen Bauarbeiten, hat das bauliche Dilemma der Straßer Pfarrkirche bereits analysiert und dokumentiert. Eingedrungene Feuchtigkeit, dazu Fledermausausscheidungen von bis zu 400 Muttertieren, brachten über Jahre hinweg das Kirchengebäude in einen schlimmen Zustand, der umgehenden Handlungsbedarf erfordert. Die Mängelliste von Architekt Springer erstreckt sich von stark geschädigter Mauerlatte im Langhaus über zerschnittenes Kehlbalkendach im Turmbereich, stark geschädigter Zerrbalken im Langhaus, stark klaffende Zapfenverbindungen, Feuchtigkeitsschäden an zahlreichen Stellen, einem Riss in einem Fensterscheitel des Langhauses bis hin zu Porenschwamm an mehreren Brüstungsbalken. Selbst an Metallteilen hat sich durch Feuchtigkeit Rost angesetzt.

In Straß kommt noch ein ganz besonderer Aspekt hinzu. Die Kirche ist die größte Wochenstube für Fledermäuse im Landkreis. Die Weibchen des Großen Mausohrs“, der größten in Deutschland vorkommenden Fledermausart, sammeln sich im Frühjahr im Dachstuhl der Kirche, um hier ihre Jungen zur Welt zu bringen. Die Straßer Kirche hat also eine sehr hohe Bedeutung für den Fledermausschutz. Der Bestand der Tiere wird jedes Jahr erhoben, wobei bis zu 400 Muttertiere gezählt wurden.

Wann die Arbeiten abgeschlossen sein sollen

Für die statische Sanierung des Turms bedeutet dies, dass während der Frühlings- und Sommermonate keine Bauarbeiten durchgeführt werden können. Damit diese, mit viel Glück und passendem Wetter, Ende 2018 abgeschlossen sind, drängt die Zeit für die anspruchsvollen Bauarbeiten. Die Schwere der Schäden ist von außen nicht zu erkennen, doch hat die Sanierung von Turm und Dachstuhl allerhöchste Priorität.

Die Kirche wird innen und außen eingerüstet. Das gesamte Dach muss abgenommen werden, um die schadhaften Traufpunkte zu sanieren und die Dachkonstruktion neu auszurichten. Dazu muss noch ein Schutzdach errichtet werden. Weiterhin gilt es, die Stuckdecke während der Sanierung zu sichern sowie die Risse in den Außenwänden und im Chorgewölbe fachgerecht zu beseitigen, bevor ein Stuckrestaurator die sanierten Risse wieder ausbessern kann. Schließlich wird der Außenputz saniert und neu geweißelt.

Die Straßer Pfarrkirche Maria Himmelfahrt stammt wohl aus dem 14. Jahrhundert. Das Gotteshaus wurde in den vergangenen 600 Jahren immer wieder vergrößert und verändert. 1829 erhielt der quadratische Turm mit Spitzbogenfriesen statt dem bisherigen Satteldach einen Dreiecksgiebel mit markantem Spitzhelm. Vor 50 Jahren verlängerte Neuburgs Ehrenbürger Professor Hans Döllgast das Schiff um sieben Meter und gestaltete es neu.

So finanziert die Gemeinde den Bau

Zweifellos wird auch die im September beginnende Baumaßnahme in die Straßer Kirchengeschichte eingehen. Dekan Werner Dippel, zu dessen Pfarreiengemeinschaft auch Straß zählt, und Kirchenpfleger Mathias Hentschel haben sich bereits intensiv mit den Kosten beschäftigt. Der beläuft sich auf stolze 1578000 Euro. Zu stemmen ist diese enorme Finanzlast nur, weil die Diözese Augsburg einen Zuschuss von gut 1,1 Millionen Euro und einem Sonderzuschuss über 200000 Euro nach Straß überweist. Die Mittel stammen aus den Kirchensteuereinnahmen. Die Straßer Pfarrgemeinde muss nach dem Kostenplan also noch 244000 Euro selbst bezahlen. Dabei wird der Markt Burgheim 50000 beisteuern. Weitere Zuschüsse erhofft sich Mathias Hentschel von öffentlichen Körperschaften wie Landkreis und Bezirk. Für die Pfarrgemeinde bleibt dann immer noch eine Finanzierungslücke, die sie mit privaten Spenden und Aktionen schließen will. Dazu zählen Einnahmen aus dem Pfarrfest, durch Bastelaktionen wie etwa das Kräuterbuschenbinden, beim Empfang des Patrozinium sowie am Weihnachtsmarktstand der Handels- und Gewerbevereinigung.

Jetzt heißt es aber erst einmal anpacken. Denn die Fledermäuse sind für dieses Jahr ausgezogen, sodass mit den Arbeiten begonnen werden kann.

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