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Neuburg

27.01.2021

Einkaufen, Wohnen, Freizeit: So könnte Neuburgs Innenstadt gerettet werden

Wie kann die Neuburger Innenstadt belebt werden? Diese Frage stellen sich nicht nur Politiker.
Bild: Florian Ankner

Plus Verwaiste Innenstädte, leerstehende Geschäfte – wird alles gut, wenn der Lockdown beendet ist? Oder beschleunigt Corona das Sterben der Innenstädte? Ein Blick in die Zukunft Neuburgs.

Die ersten Geschäfte in Neuburgs Innenstadt machen dicht. Sie haben den zweiten Lockdown nicht überlebt. Christa Sutor, die 15 Jahre lang „C&F Moden“ in der Färberstraße betrieb, hat ihren Laden bereits Ende des Jahres geschlossen und das EMS-Fitnessstudio ist ebenfalls von der Bildfläche verschwunden. Von anderen Einzelhändlern hört man, dass sie über eine Schließung ihres Ladens nachdenken. Keine rosigen Zeiten also für die Geschäftsinhaber – und die Neuburger Innenstadt. Wir zeigen, wie es weitergehen könnte - und wie die Neuburger Innenstadt gerettet werden könnte.

Keine rosige Zeit für Neuburgs Innenstadt: Wird es nach Corona besser?

Aber wird es denn nach Corona wieder besser? Wird alles wieder gut, wenn die Pandemie überstanden und der Lockdown beendet ist? Oder haben die Kunden gelernt, dass es auch ohne Innenstadt geht? Eines ist klar: Der Online-Handel und digitale Verkaufskanäle werden eine deutlich höhere Bedeutung haben als zuvor, dessen ist sich Michael Regnet, Geschäftsführer des Neuburger Stadtmarketings sicher. Aber er sagt auch: „Man darf das nicht nur schwarz-weiß sehen. Ich bin mir sicher, dass die Leute wieder raus wollen, Dinge, die sie interessieren, in die Hand nehmen und von kompetenten Mitarbeitern beraten werden wollen.“ Aber der Handel vor Ort wird sich an die neu gewonnenen digitalen Verkaufswege gewöhnen müssen. „Wer schlau ist, baut diesen Bereich auch in Nach-Corona-Zeiten weiter aus.“

Michael Regnet: „Man darf das nicht nur schwarz-weiß sehen."
Bild: Stadt Neuburg (Archiv)

Die Innenstadt wird nach der Pandemie-Welle aber keine Wüste sein, hofft Regnet – auch wenn sie die Folgen hart treffen wird. Die deutschen Innenstädte haben immer wieder gegen Totsagungen bestehen müssen: Als der erste Quelle-Katalog im Jahr 1954 auf dem Markt kam und die Menschen plötzlich telefonisch bestellten, als ab den 1980er-Jahren auf der grünen Wiese Möbelhäuser, Shoppingmalls und Gartencenter wie Pilze aus dem Boden schossen und schließlich als der Online-Handel kam, der ab den 2000er Jahren immer größere Marktanteile eroberte. Von Jahr zu Jahr schrumpfen die Gewinne des stationären Handels – in Hamburg genauso wie in Neuburg. Der Handel, seit Jahrhunderten eine der Kernfunktionen der Stadtzentren, gerät in Bedrängnis – und das nicht erst seit Corona. Die vielen Leerstände in der Innenstadt rücken das Thema für die Menschen nun sichtbar in den Mittelpunkt. Es stellt sich die Frage nach der Zukunft der Innenstädte.

Frank Thonig und seine Kollegen der Wählerinitiative Neuburg-Donau (kurz WIND) setzten im Kommunalwahlkampf im vergangenen Jahr das Thema Belebung der Innenstadt als Schwerpunkt. Den Schrannenplatz sieht er als zentrales Element in der Innenstadt, quasi als Piazza, auf dem sich Alt und Jung treffen. „Das ist ein großer Makel, dass Neuburg die Chance auslässt, diesen Platz zu beleben.“ Der Schrannenplatz sei stimmungslos, vor allem abends. Wenn nach der Eröffnung des Müller Marktes im Südpark womöglich auch noch die Filiale am Schrannenplatz geschlossen wird, sieht es wirklich düster aus. Thonig findet, dass in Neuburgs Innenstadt dringend eine Begegnungsstätte gehört. Sein idealer Standort: das ehemalige Raiffeisengebäude am Schrannenplatz. Doch ähnlich ratlos wie bei der Entwicklung des Raiffeisen-Areals dümple die gesamte Entwicklung der Innenstadt vor sich hin. „Der Oberbürgermeister müsste viel mehr moderieren, alle Beteiligten und Interessensvertreter an einen Tisch holen, ähnlich wie es Ingolstadt tut (siehe Interview), und Pläne schmieden, wie man etwas aus Neuburgs Innenstadt machen kann“, fordert Thonig.

Neuburgs OB Bernhard Gmehling will die Einzelhändler mit ins Boot nehmen

Oberbürgermeister Bernhard Gmehling setzt seit Jahren darauf, die Einzelhändler dabei mit ins Boot zu nehmen. Ob ein runder Tisch allerdings alle Probleme löst, ist für ihn fraglich. Er präferiert seit vielen Jahren kleine Insellösungen, um die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu erhöhen. So wird schon bald der Bereich rund um den Neubau in der Neuhof- und Schießhausstraße schöner gemacht. Auch ein kleiner Spielplatz soll dort entstehen, um diesen Teil der unteren Altstadt etwas mehr zu beleben.

Will die Einzelhändler mit ins Boot nehmen: Bernhard Gmehling.
Bild: Bernhard Mahler (Archiv)

In ganz Deutschland machen sich seit vielen Jahren schlaue Köpfe auf die Suche nach Antworten zur Belebung der Innenstadt. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund verlangt schon seit längerem eine deutliche Aufstockung der staatlichen Mittel für die Entwicklung der Innenstädte. Und im Juli vergangenen Jahres wurde die Initiative „Stadtretter“ gegründet, die gute, teilweise schon umgesetzte Ideen sammelt, damit sich andere Kommunen etwas abschauen kann (siehe Interview).

Handel ist Wandel. So lautet ein Credo in der Geschäftswelt. Muss man also Innenstädte völlig neu denken, um sie vor Verödung zu schützen? Ist die Lösung, aus der Innenstadt einen „Place to be“ zu machen, also einen Ort, wo sich alle Bevölkerungsschichten gerne aufhalten? City-Manager Michael Regnet sagt: „Ja, das Erlebnis, das Erleben der Innenstadt, wird in Zukunft immer wichtiger werden. Denn die Kunden stellen sich die Frage: Warum soll ich in die Innenstadt gehen? Muss ich mir Stau, und Parkplatzsuche in der Innenstadt antun, wenn ich dort eh nur das Angebot von Ketten und Filialisten finde, das ich im Süd- oder Westpark in kompakter Form ebenso habe?“

Monofunktional: Einkaufen – sonst ist da nicht viel in Neuburg

In den meisten Städten ist die City monofunktional geworden: Einkaufen – sonst ist da nicht viel in Neuburg. Kaum kulturelle Angebote, wenige Treffpunkte, außer dem dafür eigentlich nicht vorgesehenen Brunnen am Schrannenplatz keine zentral gelegenen Spielmöglichkeiten für Kinder. Die Innenstädte müssen Orte der Freizeitgestaltung werden, in der sich Senioren genauso wohl fühlen wie Familien mit kleinen Kindern. „Alle müssen mitgenommen werden“, sagt Christa von Tubeuf, Vorsitzende des Bunds der Selbstständigen.

Thonig nennt ein Beispiel: „Wenn ich zu meinem Sohn früher sagte, dass ich zu IKEA fahre, wollte er unbedingt mit. Aber nicht, weil er so gerne Möbel anschaut, sondern weil es dort ein Bällebad gibt.“ Das gleiche Prinzip funktioniere auch in einer Innenstadt. Haben Familien mit Kindern einen Anlaufpunkt, schlendern sie auch gerne durch die angeschlossenen Geschäfte. „Wir müssen jünger, frischer denken“, fordert der Stadtrat. Denn im Grundsatz gelte: Menschen suchen Menschen. „Wir müssen ihnen den Treffpunkt anbieten.“

„Wir müssen jünger, frischer denken“, fordert Frank Thonig.
Bild: Gloria Geißler (Archiv)

Eine Neubesinnung muss her, fordern viele Stadtplaner und Citymanager, so auch Michael Regnet: „Die Innenstadt von heute muss ein Potpourri aus neuen Geschäftsideen, Bildung, Beratung, Dienstleistungen, Handwerk, Gastronomie, kulturellen Elementen und Räumen zum Verweilen sein. Die Innenstadt muss etwas Besonderes sein, ein Ort, an dem man Dinge bekommt oder findet, die es sonst nirgends gibt.“ Doch dazu müssen Gewerbetreibende, Immobilienbesitzer und die Politiker aktiv werden und zusammenarbeiten. Denn die Belebung der Innenstadt funktioniert nur, wenn die Immobilienpreise und Mieten moderat sind. Der Immobilienboom mit astronomischen Preisen scheint deutschlandweit gestoppt. Denn nur, wenn die Mieten für Ladenflächen bezahlbar sind, siedeln sich dort nicht nur Ketten, sondern innovative Geschäfte an.

Und natürlich spielt auch das Wohnen eine Rolle. Bezahlbarer Wohnraum in der City, in dem die unterschiedlichsten Menschen ein Zuhause finden, und vielleicht auch besondere Wohn- und Arbeitsformen, wie zum Beispiel Coworking-Spaces oder Studenten-Wohngemeinschaften, können die Innenstadt beleben und bereichern.

Nicht vergessen werden darf in diesem Zusammenhang das Thema Mobilität. Die besten Konzepte nutzen nichts, wenn sich die Menschen nicht sicher und klimaneutral in den Städten bewegen können. Denn gerade durch das verstärkte Arbeiten im Homeoffice, das uns wohl auch nach Corona erhalten bleiben wird, trägt dazu bei, dass die Innenstädte gute Überlebenschancen haben – wenn sie attraktiv gestalten sind.

Lesen Sie auch den dazugehörigen Kommentar "Den Druck des Lockdowns für Neuburgs Innenstadt nutzen" von Gloria Geißler.

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